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Technologie für PressefreiheitMit Sprach­nachrichten im Radio lokale Missstände anprangern

In Südafrika können Lokalradios mit digitaler Technik ihre jeweiligen Gemeinschaften stärken, wie der Sender Alex FM in Johannesburg vormacht.

Aus Johannesburg

Dianah Chiyangwa

In Johannesburgs Township Alexandra morgens um kurz nach sieben: Im Studio des Bürgerradios Alex FM produziert Sally Mmowa die Frühstückssendung. Auf einem Bildschirm das Playout-System, auf einem anderen ein spezieller WhatsApp-Computer. Dann treffen Sprachnachrichten ein. „Hört mal“, lautet eine. „Pick it Up hat seit Ostern keinen Müll mehr abgeholt. Alles stinkt, Menschen werden krank.“

In wenigen Minuten hat Mmowas Team die Müllabfuhr erreicht. Eine Sprachnachricht kommt auf Sendung: „Keine Sorge, wir haben ein Treffen mit den Stadträten. Wir lösen das Problem.“ Das ist investigativer Journalismus: Nur eine WhatsApp-Nachricht, eine Gemeinschaft, die weiß, wohin sie diese schicken muss, ein Sender, der bereit ist zu handeln.

Südafrika hat 290 Community-Radios und 41 kommerzielle und öffentlich-rechtliche Sender. Medienkonzerne kämpfen ums Überleben, der öffentlich-rechtliche Rundfunk SABC ächzt unter Schulden. Fragt man bei Community-Radios, was den Durchbruch brachte, heißt es WhatsApp. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl südafrikanischer Internetnutzer fast verdoppelt.

Schlange schnappt Mann

Illustration: Yorgos Konstantinou

Beilage zum Tag der Pressefreiheit 2026

Der Text ist Teil der Sonderbeilage der taz panterstiftung zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai, die zusammen mit der wochentaz erschienen ist. Das Oberthema ist Technologie und Pressefreiheit. Die Publikation wird nur durch Spenden finanziert. Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Alle Texte aus der Beilage erscheinen auch auf taz.de im Schwerpunkt Pressefreiheit.

Laut einer Studie haben Südafrikaner mit 58,2 Prozent ihres Tages weltweit die längste tägliche Bildschirmzeit. „Vor WhatsApp wurden Gesprächsguthaben gekauft, um anzurufen“, sagt Mmowa, „jetzt gibt es überall kostenloses WLAN in Einkaufs- und Gemeindezentren. Zugänge sind viel einfacher, auch dank Facebook, TikTok, Instagram, X und YouTube.“

Der Wandel ist auch redaktionell. Hörer nehmen nun an der Beschaffung von Nachrichten teil. Bei Protesten fordern die Sender Menschen vor Ort auf, Sprachnachrichten mit Beobachtungen, Bildern und Videos aus erster Hand zu senden. Sie werden geprüft und ausgestrahlt. Kommerzielle Sender haben Syndikatsverträge, Marketingbudgets und prominente Moderatoren.

Doch: „Wenn in der Gemeinde etwas passiert, erfahren wir das als Erste“, sagt Mmowa. „Unsere Macht ist die des Volkes. Deshalb kommen Politiker zu den Bürgerradios. Sie wissen, dass wir die Gatekeeper der Gemeinde sind.“

Pressefreiheit ist für Mmowa die Antwort auf die Frage, ob ihr Sender dem Publikum die Wahrheit sagen kann. „Unser Fokus liegt auf Rechenschaftspflicht“, sagt sie. „Die Gemeinschaft zieht uns zur Rechenschaft. Sie schlägt vor, wen sie auf Sendung haben will. Geht das nicht, sollten wir wenigstens die Wahrheit sagen.“

Alex FM erreicht über den Äther 350.000 Hörer. Online sind stets mehr als 10.000 Menschen live zugeschaltet. Doch der digitale Wandel mit Zetta-Playout-System, WhatsApp-Computer, Streaming-Infrastruktur kostet echtes Geld. Jahrelang wurde die Lücke mit Freiwilligen und Hoffnung überbrückt.

Dann kündigten die Association of Independent Publishers (AIP) und Google im November 2024 den Digital News Transformation Fund mit umgerechnet 5,9 Millionen Euro über drei Jahre an. Südafrikas bisher größte Finanzspritze für Basismedien.

Für die AIP-Vorsitzende Anetta Mangxaba ist der Fonds eine „entscheidende Rettungsleine für den unabhängigen Journalismus“. Lokalmedien verschafften „den Bürgern an der Basis Gehör“. Der Medienwissenschaftler Tony Tendai sagt: „WhatsApp und digitale Tools haben eine große Rolle dabei gespielt, Gemeinschaften zusammenzubringen. Aber zu behaupten, sie würden den Community-Journalismus retten, geht zu weit.“ Digitale Plattformen hätten jetzt ein Monopol auf Werbekunden, während Lokalmedien schrumpfende Werbeeinnahmen, begrenzte Mittel und hohe Arbeitsbelastung für kleine Teams hätten.

Um neun Uhr endet die Frühstückssendung. Mmowa fährt den WhatsApp-Computer herunter. Das Müllentsorgungsunternehmen hat live im Radio geantwortet. Ob es tatsächlich auftaucht, ist eine andere Geschichte, die Alex FM verfolgen wird. Denn sonst tut es niemand. „Das ist Radio mit Einfluss“, sagt Mmowa.

Dianah Chiyangwa ist freie Journalistin im südafrikanischen Johannesburg. 2023 nahm sie am Afrika-Workshop der taz panterstiftung teil.

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