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Tagebuch des Fifa-PräsidentenEr ist ein großer Freund der Fotografie

Gianni Infantino kann sich erst im September wieder um das Ende des Konflikts zwischen Israel und Palästina kümmern. Derweil muss er fleißig winken.

I ch bin ein großer Freund der Fotografie. Ich schaue mit gerne Bilder an, auf denen ich zu sehen bin. Am Mittwoch in Houston, als die wunderbare Demokratische Republik Kongo gegen das ebenso wunderbare Portugal gespielt hat, war ich ein oft gewähltes Motiv auf der Präsidententribüne.

Das lokale Organisationskomitee hatte mir einen echten Cowboyhut geschenkt, den ich auf der Tribüne aufgesetzt habe. Nicht nur ich war der Meinung, dass mir diese für Texas so typische Kopfbedeckung außerordentlich gut gestanden hat. Unzählige Fotos wurden von mir gemacht. Am morgen danach spüre ich ein leichtes Ziehen in meinem Bizeps. Sollte ich etwa einen Muskelkater vom vielen Winken bekommen haben? Gut möglich.

Dies sind Dinge, die ich gerne für den Fußball in Kauf nehme. Am Ende sollen sich alle über das Foto freuen. Und weil ich mich auch freuen will, mache ich, wo immer ich bin, Selfies von mir, die mich in Situationen zeigen, in denen ich gerade besonders wichtig für den Fußball bin.

Fast ein Portrait
Bild: Rattelschneck
Giannis geheimes Tagebuch

Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.

Das Selfie, das ich auf der Bühne gemacht habe, als ich meinem Freund Donald den Fifa-Friedenspreis verliehen habe, gefällt mir besonders gut. Ich habe es mir ausgedruckt und gerahmt und stelle es immer auf den Nachttisch, sobald ich eines der zahlreichen Hotelzimmer betrete, in die mich dieses wunderbare Weltturnier in diesen Tagen führt.

Die Kunst, Frieden zu schaffen

Ich weiß, dass nicht überall auf der Welt so positiv über die hohe Kunst der Fotografie gedacht wird. Als ich vor ein paar Wochen beim Fifa-Kongress in Vancouver die Vertreter der Fußballverbände von Israel und Palästina zu einem gemeinsamen Foto auf die Bühne gebeten habe, wollten die beiden nicht so recht mitziehen. Aber so ist das eben mit der Kunst. Die Geschmäcker gehen bisweilen einfach auseinander.

Dabei wollte ich mit dem gemeinsamen Foto doch nur den Gaza-Konflikt beenden. Irgendjemand muss sich schließlich um den Frieden in dieser Region kümmern. Das muss ich nun wohl auf den September verschieben. Da findet zum ersten Mal das große Fußball-Festival der Fifa für U15-Mannschaften statt. Buben aus allen 211 Mitgliedsverbänden der Fifa dürfen daran teilnehmen. Die Kinder aus Israel und Palästina werden sich schon nicht wehren, wenn ich sie dort gegeneinander antreten lasse. Sie sollen ja nur spielen.

Der Fußball wird zu diesem Anlass zeigen, wozu er in der Lage ist. Es wird auf jeden Fall ein Festival des Friedens. Denn auch aus Russland soll ein Jugendteam anreisen. Sie werden unbewaffnet und in Frieden kommen. Mein Freund Wladimir, der mir schon lange keinen Orden mehr verliehen hat, wie mir gerade einfällt, wird das sicher gerne bestätigen.

Auf die Fotos von diesem Turnier freue ich mich schon jetzt. Dafür nehme ich auch wieder einen kleinen Muskelkater in Kauf. Und für die Kinder setze ich mir gerne auch einen lustigen Hut auf.

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Gianni Infantino

Gianni Infantino Fifa-Präsident

In meinem Tagebuch beschäftige ich mich hauptsächlich mit mir selbst. Es geht aber auch um meine Rolle im Fußball und mein Verhältnis zu den anderen Mächtigen in der Welt.
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