Studie zu Impfstoff gegen Gürtelrose: Er beugt auch Demenz vor
Ein Forschungsteam aus Heidelberg hat bei einer Erhebung etwas Erstaunliches entdeckt. Der Impfstoff Zostavax verringert offenbar das Risiko einer Demenz.
Etwa 1,8 Millionen Menschen leben in Deutschland mit Demenz. Und da die Gesellschaft immer älter wird, wird die Zahl der Demenzerkrankten wahrscheinlich noch weiter wachsen. Dabei gibt es zur Prävention und Behandlung heute noch keine effektiven Mittel. Auch was die Erkrankung auslöst, ist unklar.
Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen legen allerdings die Vermutung nahe, dass Herpesviren zum Teil für Demenz verantwortlich sein könnten. Insbesondere Typ-1 des Herpes-Simplex-Virus und das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken auslöst, stehen im Verdacht, das Erkrankungsrisiko zu steigern. Die Windpocken machen sich nämlich nicht nur auf der Haut bemerkbar, sondern wirken auch im Kopf, wo sie eine Gehirnentzündung auslösen oder das Gehirn auf lange Dauer unterschwellig schädigen können.
Die Studie
Das Varizella-Zoster-Virus äußert sich auf der Haut nicht nur in Form von Windpocken. In höherem Alter, wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann es sich im Körper erneut vermehren und Gürtelrose auslösen, einen schmerzhaften roten Ausschlag. Gegen Gürtelrose gibt es einen Impfstoff, und dieser kann offenbar auch dabei helfen, Demenzerkrankungen zu verhindern, wie ein Team aus Forscherinnen vom Heidelberg Institute of Global Health jetzt herausgefunden hat.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.
In einer Vorabveröffentlichung berichten die WissenschaftlerInnen von ihrem Vorgehen: Sie schauten sich Bevölkerungsdaten aus Wales an, wo der Impfstoff Zostavax seit 2013 zur Vorbeugung gegen Gürtelrose verabreicht wird – allerdings nur an Menschen, die nach dem 2. September 1933 geboren wurden. Eine Erhebung hat gezeigt, dass sich Geimpfte nur etwa halb so oft mit Gürtelrose infizierten wie Nicht-Geimpfte.
Wie die ForscherInnen nun herausfanden, erkrankte die Gruppe, die nach dem Stichtag geboren wurde und somit grundsätzlich Zugang zu dem Impfstoff hatte, auch zu einem Fünftel seltener an Demenz – und das, obwohl nur knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung in dieser Kohorte überhaupt geimpft war. Auch der Geschlechteraspekt der Studie ist interessant: Laut dem Team aus Heidelberg ist der Schutz des Impfstoffs vor Demenz bei Frauen höher als bei Männern.
Was bringt’s?
Bevor sie richtig veröffentlicht werden kann, muss die Studie wie jede andere ein Qualitätsprüfungsverfahren durchlaufen. Sollte sie dieses bestehen, dürfte sie die Forschung zur Verbindung zwischen Herpesviren und Demenz und somit den Kampf gegen Erkrankungen des Nervensystems weiterbringen.
Die Erkenntnisse können dazu beitragen, dass die Demenz in alternden Gesellschaften nicht proportional mitwächst. Den ForscherInnen zufolge können künftige Untersuchungen die Wirksamkeit von Zostavax genauer bestimmen und klären, in welchem Alter es am besten verabreicht werden sollte.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert