Studie zu Entwicklungszusammenarbeit: Wenn Hilfe verschwindet, gibt es mehr Gewalt
Die Trump-Regierung begründete das Ende der Entwicklungshilfe der USA mit angeblicher Wirkungslosigkeit. Eine neue Studie kommt zu einem anderen Ergebnis.
Foto: Jayla Whitfield-Anderson/Reuters
Worum geht’s?
Im Januar 2025 hat USAID, die United States Agency for International Development, ihre Hilfszahlungen weltweit abrupt eingestellt. Kurze Zeit später, in den turbulenten Anfangsmonaten der zweiten Trump-Präsidentschaft, wurde die Behörde komplett abgewickelt. USAID war zuvor der weltweit größte nationale Geldgeber für humanitäre Unterstützung, Mittel flossen unter anderem in die Bereiche Gesundheit, Landwirtschaft und Katastrophenhilfe. Die Trump-Regierung ließ verkünden, dass die vorgesehenen Entwicklungsziele nur selten erreicht worden seien und Instabilität sich sogar oft verschlimmert habe.
Auch in der Fachwelt gilt es als strittig, ob Entwicklungsgelder Konflikte zuverlässig eindämmen oder sogar zusätzlich befeuern können. Empirische Daten zu sozialen und politischen Folgen vom Aussetzen von Entwicklungshilfen gibt es bisher wenig. Oft spielen viele Variablen eine Rolle, sodass sich der Einfluss der Entwicklungszusammenarbeit nur schwer isoliert betrachten lässt.
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Umso interessanter sind die Ergebnisse eines internationalen Forschungsteams, das den Effekt der plötzlichen Streichung der Entwicklungshilfe von USAID in allen Ländern Afrikas auf die Entstehung von Konflikten untersucht hat. Es kam zu dem Ergebnis, dass es einen deutlichen Anstieg von Gewalt und Konflikten in instabilen Regionen gegeben hat, die zuvor eine hohe Pro-Kopf-Hilfe durch die USA erhalten hatten. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Die Studie
Das Forschungsteam untersuchte große Datensätze, dabei wurden detaillierte Geodaten zu Konfliktgeschehen, Protesten, Kämpfen, Aufständen und Gewalt gegen Zivilisten aus einem Zeitraum von zehn Monaten vor und nach dem Stopp der US-Gelder ausgewertet. Diese wurden in Zusammenhang mit der Höhe der zuvor erhaltenen Förderung pro Kopf gestellt. Die relative Wahrscheinlichkeit für Konflikte stieg in Regionen, die zuvor hohe Hilfszahlungen pro Kopf erhalten hatten, um durchschnittlich 6,5 Prozent im Vergleich zu Regionen, die vorher keine finanziellen Hilfen ehalten hatten. Die Wahrscheinlichkeit für kampfbezogene Todesfälle nahmen sogar um 9,3 Prozent zu.
Was bringt’s?
Uwe Sunde, Ökonom an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der an der Studie beteiligt war, stellt klar, dass das Forschungsteam nicht die grundsätzliche Frage beantworten könne, welchen Einfluss Entwicklungshilfe auf Konfliktentstehung habe. „Wir können nun aber klar sagen, wenn man auf einen Schlag die Hilfen instabilen Regionen entzieht, sieht die Sache anders aus: Die Konflikte nehmen zu.“ Auch für die Planung von Entwicklungszusammenarbeit sei dies relevant, sagt Sunde, man sollte sich den plötzlichen Entzug von Hilfen gut überlegen, „denn diese Effekte können nicht gewollt sein“.
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