Studie über Migration: Nicht alle sind willkommen
Geflüchtete genießen in Europa nicht überall den gleichen Rückhalt, zeigt eine Studie. Auch bei der Ukraine-Unterstützung gibt es Meinungsunterschiede.
Berlin Der Krieg in der Ukraine hat die europäischen Länder in den vergangenen Monaten zusammengeschweißt. Laut einer aktuellen Studie der TU Dresden und der Stiftung Mercator schwindet jedoch der Rückhalt für die Ukraine in der öffentlichen Meinung der EU-Bevölkerung.
Wie die Autor:innen der Midem-Jahresstudie am Montag in Berlin mitteilten, befürworte nur mehr eine knappe Mehrheit die Unterstützung der Ukraine. Grund dafür seien die negativen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges. Die Gefahr bestehe durchaus, dass die gesellschaftliche Stimmung über den Winter noch kippe.
Die Studie zeigt auf, dass Deutschland beim Thema Umgang mit der Ukraine gespalten ist. In Westdeutschland plädieren bislang 42 Prozent der Befragten dafür, an der Unterstützung der Ukraine festzuhalten, trotz wirtschaftlicher und sozialer Folgen. Im Osten Deutschlands sind es nur 28 Prozent. Auch in der Frage nach den Ursachen des Krieges unterscheiden sich die Wahrnehmungen zwischen Ost und West. Während im Osten mehr als ein Drittel der Befragten eine Teilschuld bei der Nato sieht, liegt der Prozentsatz in Westdeutschland diesbezüglich lediglich bei 22 Prozent.
Die Studie zeigt außerdem, dass der Wunsch nach Kontrolle und Begrenzung von Zuwanderung mit 55 Prozent europaweit stark ausgeprägt ist. Vorne mit dabei sind unter anderem Länder wie Schweden, die lange Aushängeschild für eine europäische Offenheit waren.
Wenig Solidarität für andere Flüchtende
Dahingegen beobachten die Forscher:innen in Ländern wie Polen einen gegenläufigen Trend – hin zu einer größeren Toleranz. Entscheidend dabei ist die Herkunft der Geflüchteten. „Während die Aufnahme und Hilfsbereitschaft für ukrainische Geflüchtete groß ist, überwiegt die Skepsis gegenüber Geflüchteten aus anderen Krisenregionen“, so Midem-Direktor Hans Vorländer.
Insbesondere gegenüber Migrant:innen aus vornehmlich muslimisch geprägten Ländern seien die Vorbehalte groß. In Ländern wie Tschechien und Ungarn liegt die Ablehnung gegenüber muslimischer Zuwanderung bei bis zu 74 Prozent. Befragte äußerten hier stärkere Bedenken im Hinblick auf ihre Integrierbarkeit. Im Gegensatz zu dem Bild des „fremden Mannes“, welches sich 2015 etablierte, werde die überwiegend weiblich geprägte Fluchtbewegung aus der Ukraine in Europa als positiv wahrgenommen.
Das Fazit der Studie fällt deshalb trotz der Solidarität mit der Ukraine wenig schmeichelhaft für die EU aus. Von einem Paradigmenwechsel in Sachen Migrationspolitik könne keine Rede sein.
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