Studie bei Insekten: Wenn Weibchen Knoblauch riechen, verlieren sie die Lust
Eine Knoblauchfahne ist nicht nur unter Menschen unangenehm, auch auf Insekten hat sie einen Einfluss. Was Forscher:innen sich von der Erkenntnis erhoffen.
Knoblauch. Wer kennt’s nicht: Mittags eine große Portion Manti bestellt oder lustvoll in einen Döner „Salat, alles“ mit extra viel rohem Knoblauch gebissen und abends direkt bereut. Denn so gut knoblauchhaltige Gerichte vielen auch schmecken, so gesund die Wunderknolle sein mag – wenn der unverwechselbar scharfe Geschmack im Mund auch Stunden nach dem Essen einfach nicht verschwinden will, findet das wohl niemand mehr so richtig appetitlich.
Vor allem bei ersten Dates gelten Knoblauchfahnen als absoluter Stimmungskiller. Schuld sind die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe – insbesondere die Aminosäure Alliin beziehungsweise ihre Abbauprodukte Allicin und Ajoenin, aber auch verschiedene Disulfide – die wir erst aus dem Magen und etwas später über den Umweg der Blutbahn auch über den Atem und Schweiß ausdünsten.
Die Studie
Sex mit Knoblauch in der Nase? Bei der Vorstellung vergeht auch Insektenweibchen die Lust. Das belegen Forschende der Yale University in New Haven in einer neuen Studie, die im Fachmagazin Cell erschienen ist. Darin analysieren sie pflanzliche Inhaltsstoffe auf ihre Wirkung auf Insektenverhalten. Sie stellten Pürees aus 43 Pflanzen- und einer Pilzart her und testeten ihren Effekt unter Bedingungen, in denen sich die Insekten – als Modell dienten zunächst Fruchtfliegen – in der Regel gezielt paaren.
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Das Ergebnis: Entgegen der Erwartung, dass bestimmte Fruchtextrakte die Fortpflanzung begünstigen könnten, stellte sich heraus, dass Knoblauch sie vollständig verhinderte. Dieser Effekt zeigte sich bei sechs von sieben getesteten Fruchtfliegenarten. Noch dazu verzichteten fast alle Weibchen darauf, ihre Eier im Knoblauch abzulegen.
Aber wieso? Um das herauszufinden, identifizierte das Forscher*innenteam insgesamt 68 chemische Verbindungen im Knoblauch, darunter viele der bekannten schwefelhaltigen Stoffe. Nur einer machte sich im Paarungsverhalten der Insekten bemerkbar: Diallyldisulfid (DADS), eine gelbliche Flüssigkeit, die beim Anschneiden von Knoblauch freigesetzt wird. Schon in einer Konzentration von 0,1 Prozent hemmte der Stoff sowohl die Paarung als auch die Eiablage. Entscheidend ist dabei die Interaktion mit einem spezifischen Rezeptor in den Geschmacksorganen der Fliegen: TrpA1.
Was bringt’s?
Leider keine Entwarnung für Menschen mit Knoblauchfahnen, dafür interessante Erkenntnisse für die Biologie. Die Forschenden konnten zeigen, dass sich die Fortpflanzung verschiedener Insektenarten gezielt über bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe und deren Geschmacksrezeptoren beeinflussen lässt. Das könnte ein neuer Ansatz für die pflanzenbasierte Schädlingsbekämpfung sein. Besonders interessant ist das, weil der Effekt nicht nur bei Fruchtfliegen, sondern auch bei Stechmücken auftrat, die Krankheiten wie Denguefieber, Gelbfieber oder Zika übertragen können.
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