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Abschiebungen in den USAPalästina-Aktivist soll nach Algerien abgeschoben werden

Mahmoud Khalil, ein Wortführer der Studentenproteste in den USA, droht erneut die Festnahme. New Yorks Bürgermeister Mamdani stellt sich hinter ihn.

Mahmoud Khalil bei einer Pressekonferenz außerhalb des Bundesgerichts in Philadelphia am 21. Oktober 2025 Foto: Matt Rourke/ap

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Die amerikanische Regierung um Präsident Donald Trump lässt im Abschiebeverfahren gegen den propalästinensischen Aktivisten Mahmoud Khalil nicht locker. Nach einer weiteren gerichtlichen Entscheidung im Fall droht Khalil nun die erneute Festnahme und Abschiebung nach Nordafrika.

„Es sieht so aus, als würde es für ihn nach Algerien gehen. Das ist im Moment die Annahme“, sagte Tricia McLaughlin, Sprecherin des US-Heimatschutzministeriums DHS, am Donnerstag im Interview mit dem US-Sender NewsNation.

Ein dreiköpfiges Berufungsgericht hob am 15. Januar in einer knappen 2:1-Entscheidung das Urteil aus der letzten Instanz auf. Ein Richter hatte damals entschieden, dass Khalils Verhaftung im vergangenen Jahr unrechtmäßig gewesen sei und seine sofortige Freilassung gefordert. Das Berufungsgericht urteilte nun, dass der damalige Richter seinen rechtlichen Zuständigkeitsbereich mit dem Urteil überschritten hätte.

Der 30-jährige Khalil wurde zu einer Symbolfigur der landesweiten Studentenproteste gegen den Krieg der israelischen Regierung im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Als im Frühjahr 2024 an vielen US-Universitäten eine Protestwelle begann, war er als Student an der renommierten Columbia University in New York eingeschrieben. Khalil selbst ist palästinensischer Abstammung, besitzt einen algerischen Pass und wurde in einem Flüchtlingslager in Syrien geboren.

Regierung wirft Khalil Hamas-Nähe vor

Nachdem Khalil von proisraelischen Gruppen als einer der „führenden Anstifter“ der Proteste identifiziert worden war, schaltete sich die US-Regierung ein. Außenminister Marco Rubio erklärte in einem Schreiben, dass man ihm seinen legalen Aufenthaltsstatus entziehen sollte, da sein politischer Aktivismus und seine Teilnahme an antisemitischen Protesten „negative Folgen“ für die Außenpolitik der USA hätten. Auch beschuldigte die Regierung Khalil, ein Unterstützer der Terrorgruppe Hamas zu sein und bei seinem Greencard-Antrag falsche Angaben gemacht zu haben.

„Wir werden die Visa und/oder Greencards von Hamas-Anhängern in Amerika widerrufen, damit diese abgeschoben werden können“, sagte Rubio in einem Post auf X nur einen Tag nach Khalils Verhaftung.

Insgesamt verbrachte Khalil 104 Tage im Gefängnis, bevor er im Juni 2025 gegen Kaution freigelassen wurde. Während der Zeit verpasste er nicht nur seine Abschlussfeier an der New Yorker Universität, sondern auch die Geburt seines ersten Kindes.

Nur wenige Monate später urteilte ein Einwanderungsgericht allerdings zugunsten der Regierung und erklärte, dass der Beschuldigte nach Algerien oder Syrien abgeschoben werden dürfe. Laut dem Richter hätte Khalil bei seinem Greencard-Antrag Informationen über ein Praktikum, das er bei der UN-Organisation für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) absolviert hatte, verschwiegen.

Unterstützung von Mamdani

Khalils Anwälte streiten alle Vorwürfe ab. New Yorks neuer linker Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt Khalil im Kampf gegen dessen Abschiebung.

„Mahmoud Khalil ist ein New Yorker. Er sollte in New York City bleiben. Ich betrachte diesen Angriff auf ihn als Teil eines größeren Angriffs auf die Meinungsfreiheit, der besonders deutlich wird, wenn diese Meinungsfreiheit genutzt wird, um sich für Menschenrechte einzusetzen“, sagte Mamdani.

In einer Stellungnahme gegenüber dem Columbia Spectator erklärte Khalils Anwaltsteam, dass die Regierung ihren Mandanten derzeit weder inhaftieren noch abschieben dürfe, da das Berufungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Laut DHS-Sprecherin McLaughlin sollten alle Ausländer:innen, die sich legal in den USA aufhalten, Khalils Fall als Warnung verstehen: „Es ist ein Privileg, nicht ein Recht, in diesem Land zu leben oder zu studieren.“

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2 Kommentare

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  • Verständnisfrage: Am Anfang des Artikels wird geschrieben, dass das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil aufgehoben hat.

    Am Ende des Artikels wird geschrieben, dass die Anwälte meinen, dass das Berufungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

    Was passiert als nächstes?

  • Ob es ein Privileg ist in diesen USA zu leben, das kann man mit belegbarem Grund bezweifeln: Freedom of speech? Rassismus? Rechtsstaatlichkeit? In so einem Land möchte ich nicht leben und viele Amis ebensowenig. Nicht wenige ziehen den "Auszug aus dem gelobten (geschundenen??) Land" vor und verlassen es - für immer, mindestens aber so lange bis der Faschismus verschwunden ist....