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Streiks im Nahverkehr Solidarität setzt klares Zeichen

Nanja Boenisch

Kommentar von

Nanja Boenisch

Fridays for Future unterstützt am Freitag Streikende im ÖPNV. Wie viel das bringt? Unklar. Dennoch ist die Zusammenarbeit ein wichtiges Signal.

D ie Verkehrswende kostet Geld. Das deutsche Schienennetz ist in denkbar schlechtem Zustand und braucht Milliardeninvestitionen. Auch in sichere Fuß- und Radwege oder neue Schnellbusse mit E-Antrieb müssen ordentliche Summen fließen, wenn der Wandel hin zur klimafreundlicheren Mobilität gelingen soll.

Und die Verkehrswende braucht Personal. Wenn die Beschäftigten im Schienen- und Nahverkehr bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne fordern und dafür Arbeitskämpfe wagen, neigen Po­li­ti­ke­r:in­nen und Fahrgastvertretungen schnell dazu, die Kosten für den Klimaschutz gegen die Personalkosten aufzuwiegen. Nein, nein, kein Geld für die Beschäftigten, heißt es dann allzu oft, sonst ist für die In­frastruktur nichts mehr übrig.

Dieses Argument greift zu kurz – das zeigt die Unterstützung von Fridays for Future (FfF) für die Streiks der Gewerkschaft Verdi auf eindrucksvolle Weise. Mehrere Lokalgruppen wollen am Freitag solidarisch mitstreiken, einige beteiligen sich mit Redebeiträgen an den Streikkundgebungen. Auch Greenpeace ruft dazu auf, sich mit den Beschäftigten zu solidarisieren.

Ganz neu ist das nicht: Schon bei vergangenen Warnstreiks haben sich einzelne Kli­ma­ak­ti­vis­t:in­nen oder Ortsgruppen hinter die Streikenden im ÖPNV gestellt. Andersherum unterstützte Verdi bereits Klimastreiks von Fridays for Future und sicherte ihnen damit eine Verbindung zu Ar­bei­te­r:in­nen – wichtig für eine Klimagruppe, die immer noch vor allem studentisch organisiert ist und schon einige Male an dem Vorhaben, einen wirklich klassenübergreifenden Protest zu organisieren, scheiterte.

„Wir fahren zusammen“ erstmals bei Tarifverhandlungen

Das feste Bündnis aus Gewerkschaft und FfF – „Wir fahren zusammen“ – ist aber jung. Bei den jetzigen Tarifverhandlungen sind Verdi und die Klimagruppe zum ersten Mal als Bündnispartner direkt in einem Arbeitskampf aktiv.

Noch lässt sich nicht sagen, wie viel das Bündnis am Freitag und darüber hinaus erreichen kann. Immerhin aber setzt die Solidarität von Fridays for Future schon jetzt ein deutliches Zeichen – und erinnert vor allem die Politik daran, dass sich Beschäftigte nicht gegen die Verkehrswende ausspielen lassen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Nanja Boenisch

Nanja Boenisch Redakteurin

Schreibt im Ressort Wirtschaft + Umwelt über Mobilität und Verkehrswende.
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