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Start der Tour de France FemmesMehr Konkurrenz, mehr Action, mehr Emotionen

Die Tour der Frauen verspricht ein Kontrastprogramm zu der der Männer zu werden. Die Liste der Favoritinnen ist lang – und der Ausgang offen.

Am Samstag beginnt in Lausanne die Tour de France Femmes. Die verspricht, sportlich ein reizvolles Kontrastprogramm zur letzte Woche in Paris zu Ende gegangenen Tour de France der Männer zu werden. Die war ja kaum mehr als ein Soloprogramm von Gesamtsieger Tadej Pogačar. Bei den Frauen hingegen ist das Feld der Favoritinnen so groß und auch so ausgeglichen wie noch nie.

Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot muss sich in erster Linie mit ihren Vorgängerinnen Demi Vollering und Kasia Niewiadoma-Phinney auseinandersetzen. Heftig an die Tür klopft aber auch das erst 23-jährige spanische Großtalent Paula Blasi – die jüngst die Vuelta gewann. Am anderen Ende der Alterspyramide steht Rückkehrerin Anna van der Breggen (36), die mit Podiumsplätzen beim Giro und der Vuelta in diesem Jahr ihre gute Verfassung unterstrich.

Niewiadoma-Phinney wiederum hat mit dem Rosenheimer Klettertalent Antonia Niedermaier in ihrem Rennstall Canyon/SRAM eine ebenfalls erst 23-Jährige, die auch gut für einen Podiumsplatz ist. Als die taz die Veteranin Marianne Vos, 39 und im 21. Profijahr, nach den drei gefährlichsten Rivalinnen für ihre Visma – Lease a Bike-Teamkollegin Ferrand-Prévot befragte, meinte die Niederländerin nur: „Da kann man nicht bei drei haltmachen. Es gibt mindestens zehn.“

Diese Vielfalt entzückt auch die Renndirektorin der Tour Marion Rousse. „Fast jedes Wochenende hatten wir eine andere Siegerin“, blickt sie auf den bisherigen Wettkampfkalender der Womens World Tour zurück. Und tatsächlich gab es in den vergangenen sechs Etappenrennen sechs unterschiedliche Siegerinnen, während bei den Männern die Top-Stars Pogačar, Jonas Vingegaard und Isaac Del Toro neun der elf Etappenrennen unter sich aufteilten.

Dichter in der Spitze

Und auch die Tour de France der Frauen feierte in ihren bisherigen Austragungen jeweils unterschiedliche Siegerinnen, während bei den Grand Tours der Männer die Frage bestenfalls lautet: Pogačar oder Vingegaard.

In der Spitze ist der Frauenradsport dichter geworden. Das liegt an besseren Ressourcen, zumindest bei den großen Rennställen, die meist an Männerteams gekoppelt sind. Für die sind Höhentrainingslager inzwischen Pflicht, wie auch die Kombination aus Höhen- und Hitzetraining. Darüber hinaus hat die Genderdifferenzierung im Training zugenommen.

„Das Training wird stärker an den Menstruationszyklus angepasst. Und wir haben zuletzt auch mehr Wert auf den Fettstoffwechsel gelegt. Frauen haben da aufgrund des höheren Körperfettanteils sogar Vorteile gegenüber den Männern“, erzählt Rutger Tijssen, Trainer und Generalmanager bei der Frauenabteilung von Visma –Lease a Bike.

Das wieder ins Programm genommene Zeitfahren führte schließlich zu verstärkten Windkanaltests der Rennställe. „Ich fing ja bei einem Niveau von minus 10 an“, erzählt Titelverteidigerin Ferrand-Prévot lachend in einer Medienrunde. Im Wettkampf hat die Umsteigerin aus dem Mountainbikesport in den letzten vier Jahren tatsächlich nur ein einziges Zeitfahren absolviert, und das war auch noch das Teamzeitfahren bei der Vuelta 2025. „Wir machten jetzt viele Tests, um die beste Position auf dem Zeitfahrrad zu finden, waren immer wieder im Windtunnel, machten auch Simulationen vom Rennen. Inzwischen fühle ich mich wohl auf dem Zeitfahrrad“, betont sie.

Optimale Balance zwischen Körpergewicht und Kraft

Dass sie als überlegene Toursiegerin des letzten Jahres in dieser Saison noch keinen Sieg feiern konnte, bekümmert sie nicht sonderlich. „Mein großes Ziel ist die Tour de France. Die ganze Vorbereitung war darauf ausgerichtet. Deshalb war ich im Frühjahr zwar gut, mit immerhin einem zweiten Platz bei der Flandernrundfahrt und einem dritten bei Paris–Roubaix, aber es sprang eben doch kein Sieg heraus“, meint sie.

Sie führt das auch darauf zurück, dass sie sich erst jetzt wieder ihrem idealen Wettkampfgewicht wie bei der letzten Tour angenähert habe. Die ganze Saison als Hungerstecken zu verbringen, hält offenbar selbst die Französin, die im letzten Jahr wegen ihres extremen Abnehmens sogar von Berufskolleginnen kritisiert wurde, für wenig zielführend. Zur Tour aber will sie in bester Verfassung sein, das heißt in der optimalen Balance zwischen geringem Körpergewicht und maximalem Kraftpotential in den Beinen.

Die neun Etappen zwischen Lausanne und Nizza werden darüber Aufschluss geben, wie gut ihr dies gelingt. Als kleinen Bonus hat sie noch, dass der Col d’Èze, der auf der letzten Etappe rings um Nizza gleich vier Mal befahren wird, ihr liebster Trainingsberg ist. „Ich fahre den fast jeden Tag, kenne die Straße gut. Und mir gefällt die Vorstellung, dann nach der Tour dorthin zurückzukehren und zu sagen, ich bin den im Rennen gefahren und habe dort mein Bestes gegeben, ausnehmend gut“, meint sie. Um dann, im Hinblick auch auf das starke Feld der Kontrahentinnen, einzuschränken: „Vielleicht heule ich dann auch.“

Die 5. Tour de France Femmes verspricht eben, ein sehr offenes Rennen zu werden, offen auch für jede Art von Emotion. Die deutschen Hoffnungen ruhen neben Niedermaier vor allem auf Etappenjägerinnen wie Liane Lippert (Movistar), Roubaix-Siegerin Franziska Koch (FDJ) und Gravel-Umsteigerin Rosa Klöser (Canyon).

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