Starker Zuwachs bei Corona-Infektionen: Jetzt nicht locker lassen

Trotz steigender Inzidenz werden vielerorts die Vorsichtsmaßnahmen aufgehoben. Gerade jetzt sei vor leichtfertigen Schritten gewarnt.

Impfausweis Foto: Helmut Fricke/dpa

Dass die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland wieder steigt, ist inzwischen allgemein bekannt. Doch wie stark dieser Anstieg ist, haben in der Politik viele noch nicht mitbekommen. Dort herrscht immer noch Freude darüber, dass der Inzidenzwert einstellig ist. Dass der entscheidende Wert die Veränderungsrate ist, haben auch bei der vierten Welle noch nicht alle verstanden. Und die sieht derzeit leider gar nicht gut aus:

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen ist zuletzt um mehr als 50 Prozent pro Woche gestiegen. Wenn es bei diesem Wachstum bliebe, wäre die derzeit noch einstellige Inzidenz in sechs Wochen wieder dreistellig. Dass es so kommt, ist nicht gesagt – schließlich wird die Quote der vollständig Geimpften bis dahin noch stark steigen. Doch was dadurch an zusätzlichem Schutz gewonnen wird, droht durch mangelnde Vorsicht an anderer Stelle verloren zu gehen.

Denn trotz der steigenden Zahlen werden die Regeln vielerorts gelockert: So dürfen in Nordrhein-Westfalen seit letzter Woche Diskotheken und Clubs wieder öffnen. In Sachsen fällt an diesem Freitag die Maskenpflicht im Einzelhandel. Bei der Aufhebung der Schutzmaßnahmen wird oft argumentiert, dass Corona durch die Impfungen kein großes Problem mehr sei. Und es stimmt ja auch, dass vollständig Geimpfte vor schweren Verläufen und Tod ziemlich gut geschützt sind.

Die gleiche Zahl von Infektionen führt darum in Zukunft zu weniger In­ten­siv­pa­ti­en­t*in­nen und Toten als in der Vergangenheit. Doch zum einen sind aktuell noch nicht einmal die Hälfte der Menschen doppelt geimpft, und zumindest die Kinder unter 12 werden auf absehbare Zeit ungeimpft bleiben. Zum anderen steigt die Zahl der Toten und Schwerkranken dank der Impfungen bei zunehmenden Neuinfektionen zwar weniger stark, aber sie steigt trotzdem – das ist in England mit seiner hohen Impfquote klar zu sehen.

Nichtsdestotrotz stehen aufgrund der Impfungen die Chancen gut, dass ein neuer Lockdown nicht nötig sein wird. Es wäre aber unklug, diese gute Perspektive jetzt durch voreilige Lockerungen aufs Spiel zu setzen.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

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