Sport machen statt glotzen: Ansage aus der Tiefe der Küche
Unser Autor wird mitten während der WM von seiner Frau ins Fitnessstudio gescheucht. Doch seine Qualen dort finden ein schnelles Ende.
D ie Fußball-Weltmeisterschaft ist schon seit mehreren Wochen im Gange, als meine Frau wie ein durchgedrehter Olli Kahn aus der Tiefe der Küche ins Wohnzimmer stürmt und mich grob regelwidrig vom Sofa schubst. Ich klatsche wie ein nasser Sack auf den Fußboden.
„Eminanim, wie kannst du es wagen, dich den WM-Regularien zu widersetzen, die die Fifa extra für Ehefrauen erlassen hat?“, beklage ich mich. „Du darfst mich während des Spiels nicht mal ansprechen.“
„Osman, das war doch ganz eindeutig eine Schwalbe von dir“, kontert sie lachend. „Jetzt heb endlich deinen dicken Hintern hoch, wir gehen Sport machen! Seit Beginn dieser verdammten Fußballspiele sind schon mehrere Männer vor dem Fernseher tot umgekippt. Mit so einer Herzattacke ist nicht zu spaßen.“
„Schatz! Mach dir keine Sorgen, ich ernähre mich doch absolut gesund und bewege mich regelmäßig. Mindestens zweimal am Tag stehe ich vom Sofa auf und gehe aufs Klo. Und vor dem Spiel hab ich alles verdrückt, was du mir unter der Tür durchgeschoben hast: drei riesige Lammkoteletts und fünf große Knoblauchzehen. Mein Blut ist so dünn wie Seide.“
Schnupperkurs im Fitnesszentrum
Meine Frau steckt mich trotzdem eigenhändig in Mehmets viel zu enge Sportklamotten und schiebt mich nach draußen.
„Ich hab dir im Fitnessstudio einen kostenlosen Schnupperkurs organisiert“, sagt sie grinsend. Und aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass es kein Entkommen gibt, wenn sie so grinst.
„Also gut, gehen wir. Das nächste Spiel beginnt erst in zwei Stunden. Kann man sich dort auch duschen? Der Spielplan hat mir einfach keine Zeit dafür gelassen.“
Im Fitnesszentrum entdecke ich mindestens 20 Masochisten, die sich freiwillig foltern. Ich hätte nie gedacht, dass während der WM überhaupt ein Mann das Haus verlässt. Na ja, in zwei Stunden sitzen sie sicher wieder mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher.
Zuerst stellt mich Eminanim aufs Laufband. Mit einem nassen Handtuch hinter mir peitscht sie mich unermüdlich nach vorn. Danach hetzt sie mich zum nächsten Gerät, dann gleich weiter zum nächsten und gönnt mir keine Sekunde Verschnaufpause.
Zehn Minuten später bekomme ich keine Luft mehr, bin klatschnass und völlig am Ende: „Eminanim, ich kann nicht mehr. Schau doch, alle anderen haben auch aufgehört und gehen an die Bar“, stöhne ich und flüchte auch dahin.
Hausverbot für den Stinkstiefel
Als die Leute mich sehen, quetschen sie sich verzweifelt in die äußerste Ecke, wie die Kaninchen vor der berühmten Schlange. Die Trainerin brüllt böse aus zehn Metern Entfernung, während sie ihre Nase zuhält: „Herr Engin, verlassen Sie sofort meine Anlage!“
„Wie bitte? Warum schmeißen Sie mich raus, obwohl sie mir doch diesen als Schnupperkurs getarnten Folter selbst aufgeschwatzt haben? Das ist doch klarer Fall von Ausländerfeindlichkeit!“
„Nein, klarer Fall von Knoblauchfeindlichkeit! Wegen dieses schrecklichen Knoblauch-Gestanks kann keiner mehr atmen. Ab sofort haben Sie hier lebenslanges Hausverbot, Sie Stinkstiefel!“
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