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Spanien wirft Portugal aus der WMAm Ende entscheidet die Bank

Portugal und Spanien spielen verblüffend ähnlich – bis La Roja die Joker zückt. 666 Millionen Follower können also doch irren.

Alina Schwermer

Aus Arlington

Alina Schwermer

Am Ende hielten alle Kameras auf ihn: den größten Influencer der Welt mit über 666 Millionen Followern, der nebenbei irgendwie immer noch Fußball spielt. Wie er da einsam auf dem Rasen stand wie einst Franz Beckenbauer. Würde er Tränen vergießen? Ja, Cristiano Ronaldo tat ihnen den Gefallen – und die Boulevardmedien hatten ihre Schlagzeile.

Und so ging es nach Portugals 0:1-Aus im Achtelfinale gegen Spanien vor allem um den spielerisch unwesentlichsten Mann auf dem Platz, zehn Ballkontakte in der ersten Halbzeit, sechs in der zweiten, beim berühmten Übersteiger blieb er hängen. Mit 41 Jahren hatte er gerade sein wohl wirklich letztes WM-Spiel, nun ja, überstanden. Dann sollten alle Spieler in der Mixed Zone huldigende Worte über Ronaldo sagen. Schwer atmete die Historie in Dallas.

Dabei gab es ja viel Interessanteres. Denn da spielten zwei hochtalentierte Teams gegeneinander um den Einzug ins Viertelfinale. Ein Spanien, das mit den Magiern Rodri, Pedri und Lamine Yamal, aber auch mit der besten Abwehr der WM mit null Gegentoren und Turnierüberraschungen wie Mikel Oyarzabal schon wieder verdammt nahe dran ist, das gefürchtete Spanien rund um 2010 zu werden. Eines, das vertikaler spielt als einst, spektakulär anzuschauen.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Bei Portugal wiederum kann man vor lauter Ronaldo-Gedöns schon mal vergessen, mit was für einem begabten, ausbalancierten Team die Iberer zur WM anreisten, darunter die aufregende PSG-Achse Nuno Mendes, João Neves und Vitinha. Und in der Tat bereiteten die technisch starken und im Zweikampf gedankenschnellen Portugiesen den Spaniern viel Kopfzerbrechen, wenn auch die Spielanlage konventioneller war.

Ähnliche Spielanlage

„Es war ein sehr schwieriges Spiel“, resümierte Kapitän Rodri später. „Portugal ist wahrscheinlich das Team, was uns spielerisch am meisten ähnelt. Es ist schwer, ihre Linien zu durchbrechen, sie spielen sehr geeint.“ In der ersten Hälfte ergab diese Kombination ein wahres Fußballfest mit reichlich Torchancen auf beiden Seiten und einem groß aufspielenden Dani Olmo, der sich zum König der Steckpässe krönte. In der zweiten Hälfte wiederum schienen beide Teams eher in Sorge, einen zu kassieren. Es dauerte bis in die Nachspielzeit, bis Spanien diesen einen, den genialen Einfall hatte: Nach einem wundervollen Steilpass des eingewechselten Torres traf Joker Mikel Merino.

Ich hebe mir die Tore gern für den letzten Moment auf

Mikel Merino

Dass der eher unscheinbare Mittelfeldmann wieder einmal ein wichtiges Spiel für Spanien entschied (Deutsche dürften sich an 2024 erinnern), illustriert, welche Qualität in der Breite der spanische Kader hat. „Er ist ein sensationeller Spieler“, schwärmte Rodri. „Er hat diese Fähigkeit, im entscheidenden Moment da zu sein.“ Und Trainer Luis de la Fuente erklärte: „Für mich ist Mikel eine sichere Bank, er lässt einen nie im Stich.“

Der so Gelobte schien Freude an seiner Rolle zu empfinden: „Du musst als Einwechselspieler eine 100-Prozent-Überzeugung mitbringen. Ich hebe mir die Tore gern für den letzten Moment auf.“

Und es gab da auch noch eine andere gute Geschichte: Zum Viertelfinale wird Merinos Familie mit seinem zwei Monate alten Baby anreisen. „Die WM hatte auch eine nicht so schöne Seite, nämlich die ersten zwei Lebensmonate meines Sohnes zu verpassen“, so Merino. Es war ein wiederkehrendes Thema dieser WM, nachdem der Belgier Jérémy Doku heftige Anfeindungen erhalten hatte, als er den Wunsch äußerte, zur Geburt seines Kindes abzureisen. Zumindest findet sie nun also ein wenig statt, die Vaterrolle der Profis.

Fußball schlägt Machtspiele

Für die Spanier geht es jetzt gegen eben dieses Belgien. Das Team des frischgebackenen Vaters Doku watschte die USA ordentlich mit 4:1 ab. Eine kurze Erleichterung für diese Skandal-WM nach Donald Trumps Intervention zugunsten des gesperrten Falorin Balogun und massiven Protesten von Belgien und der Uefa. Nun muss niemand rausfinden, was eigentlich im Falle eines US-Sieges passiert wäre. Verdächtig erinnerte die Geschichte an den Präzedenzfall Ronaldo, der ebenfalls von einer urplötzlichen Aufhebung seiner Rot-Sperre profitiert hatte und erst deswegen die ersten beiden WM-Spiele absolvieren konnte.

Fuß­ball­freun­d:in­nen durften sich nun über die Erkenntnis des Spieltags freuen: Machtpolitische Unterstützung im Falle der USA und Influencer-Value im Fall Ronaldo reichten nicht, um ein schwächeres Team ins Viertelfinale zu hieven. Diesmal zumindest nicht. Ronaldo raus, Neymar raus, das gab auch Hoffnung, dass es ab dem Viertelfinale vielleicht mehr um sportliche Meriten geht als um kickende Influencer.

Vor lauter Cristiano Ronaldo ging der vorangekündigte Rücktritt von Portugals Coach Roberto Martínez fast unter. Ronaldo hat indes seine Klammerumarmung ums Nationalteam noch nicht gelöst. Denn ob der Übermann endlich zurücktritt, weiß man noch nicht. Zu seinem Schaffen erklärte er in der dritten Lothar-Matthäus-Person: „Vor Cristiano hatte Portugal nie einen großen Titel gewonnen.“ Die Hoffnung auf die Zeit nach Cristiano muss womöglich warten.

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