WM und kleine Staaten : Turnier der Underdogs
Diese WM ist ein bisschen anders als die früheren. Vor allem, weil jetzt kleine Staaten mal im Rampenlicht stehen – und ihre Teams gewinnen.
Foto: Jacob Kupfermann/dpa/AP
W er wünscht sie sich nicht bei jeder Weltmeisterschaft, die große David-gegen-Goliath-Geschichte? Bei der der Underdog das große Wunder vollbringt. Und man das Gefühl hat, es gibt sie noch, die Fußballmärchen. Bei dieser WM in Nordamerika hat man dieses Gefühl: Diesmal kommen die Kleinen ganz groß raus. Wenn das kleine Kap Verde, auf Weltranglistenplatz 67, Topfavorit Spanien kein einziges Tor gönnt. Und das, obwohl manch spanischer Spieler allein den gleichen Marktwert hat wie das kapverdische Team zusammen. Wenn eine haitianische Exilmannschaft es schafft, ihrem Land für ein paar Tage Hoffnung und Freude zu schenken – abseits von politischer Instabilität und Bandenkriminalität. Wenn Ecuador und Bosnien unter den Freudentränen ihrer Fans in die K.-o.-Runde einziehen. Ja, Länder wie Usbekistan und Curaçao überhaupt in Erscheinung treten dürfen. Da muss selbst die größte Infantino- und Mega-WM-Kritikerin zugeben, dass man sich der Begeisterung nicht entziehen kann.
Diese WM ist tatsächlich ein bisschen eine der Underdogs. Aber eben nur ein bisschen. Es sind nämlich genau diese Geschichten, die die aufgeblähte WM legitimieren sollen. Und von Trumps menschenverachtender Politik, den Folgen fürs Klima, den übertriebenen Ticketpreisen ablenken soll. Aber es ist nun mal eben kein Wunder, dass auch das eine oder andere kleine Land bei einer WM spielt, für die sich mehr denn je qualifizieren konnten.
Eigentlich fängt die Fußballweltmeisterschaft mit dem Sechzehntelfinale jetzt erst richtig an. 32 Mannschaften sind übrig, so viele wie bei der letzten WM 2022 in Katar überhaupt qualifiziert waren. Sollte es in den kommenden Tagen die DR Kongo, Kap Verde, Bosnien oder Paraguay tatsächlich ins Achtel- oder gar ins Viertelfinale schaffen, dann kann man tatsächlich von Wundern sprechen.
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Viel wahrscheinlicher indes ist, dass sich in wenigen Wochen niemand mehr für die Kleinen interessiert. Höchstens, wenn es um den nächsten Urlaub auf Kap Verde geht. Oder bei der nächsten globalen Krise.
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