Sonnenfinsternis und Solarenergie: Wenn die Sonne nicht mehr liefert
Eine Sonnenfinsternis kann eine gewaltige Herausforderung für die Stromwirtschaft sein. Auch diesmal in Deutschland?
Foto: Alexandra Roth/Funke Foto Services/imago
Am Mittwochabend wird über Deutschland eine Sonnenfinsternis zu beobachten sein, bei der kurz nach 20 Uhr bis zu 90 Prozent der Sonnenscheibe durch den Mond verdeckt sind. Angesichts der großen Leistung an installierter Photovoltaik in Deutschland sind solche Phänomene längst auch für die Stromwirtschaft relevant geworden. Was bedeutet das konkret?
Wird die partielle Verdunkelung der Sonne heute für die Stromversorgung relevant sein?
Kaum. Das liegt schlicht daran, dass sie erst am Abend auftritt. Gegen 19.15 Uhr, wenn das Himmelsereignis startet, werden nur noch rund acht Gigawatt an Photovoltaik im Netz sein. Zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis läge auch unter normalen Bedingungen die Erzeugung nur noch bei rund einem Gigawatt. Daher teilte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit, die reduzierte Einspeisung werde „keinen Einfluss auf die Stromversorgung haben“. Träte eine so markante Sonnenfinsternis heute am Mittag bei mehr als 60 Gigawatt Solarstrom auf, wäre das Ereignis für die Stromwirtschaft eine riesige Herausforderung.
Gab es schon mal eine Sonnenfinsternis, die schwieriger war?
Ja. Am 20. März 2015 gab es am späten Vormittag eine Sonnenfinsternis, die in Deutschland die Sonne um bis zu 83 Prozent verdunkelte. Die Stromwirtschaft hatte sich lange auf das Ereignis vorbereiten müssen. Tennet teilte seinerzeit im Vorfeld mit, die Anspannung sei „außerordentlich groß“. Vor allem zum Ende der Sonnenfinsternis waren die Auswirkungen erheblich: Im Netz gab es einen Anstieg der PV-Leistung um rund vier Gigawatt in nur einer Viertelstunde. Die Änderung der Netzlast erfolgte dreimal so schnell, wie man es unter normalen Umständen jemals erlebt hatte.
Entsprechend hatten die Übertragungsnetzbetreiber sich auf den Tag vorbereitet und doppelt so viel Regelleistung unter Vertrag genommen wie üblich. Seither hat Deutschland seine Photovoltaik mehr als verdreifacht. Gäbe es heute zu sommerlicher Mittagszeit eine markante Sonnenfinsternis, wäre der Effekt für die Stromwirtschaft so durchschlagend, als würde im Minutentakt jeweils ein Großkraftwerk ausfallen.
Aber die nächsten Sonnenfinsternisse sind absehbar …
Am 2. August 2027 wird es wieder eine geben, die eine Bedeckung von rund 50 Prozent am späten Vormittag erreichen wird. Dann werden in Deutschland bereits weit mehr als 120 Gigawatt Photovoltaik installiert sein – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Stromwirtschaft, wenn es ein sonniger Tag wird.
Spiegelt die heutige Sonnenfinsternis sich im Strommarkt wider?
Ja. Am Spotmarkt, der jeweils am Vortag die erwarteten Strommengen für jede Viertelstunde handelt, ergab sich für die Zeit von 19.45 Uhr bis 20 Uhr ein Preis von 461 Euro pro Megawattstunde. Das ist der Spitzenwert des Tages. Doch es gab dieses Jahr schon deutlich höhere Preise: Am 24. Juni, während der ersten Hitzeperiode dieses Sommers, lag der Spitzenwert bei 747 Euro. Für die meisten Stromkunden sind diese kurzfristigen Preisausschläge allerdings nicht relevant, weil sie zu jeder Zeit den gleichen Strompreis bezahlen. Kunden mit einem dynamischen Tarif sollten aber nicht unbedingt während der Sonnenfinsternis ihr Auto an der heimischen Wallbox laden.
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