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Songtextbuch über den Briten Dan TreacySongs, die dem Herzen Schmerzen bereiten

Ein Buch mit Songtexten und Erinnerungen von Be­glei­te­r:in­nen huldigt Dan Treacy. Er ist das Mastermind der britischen Band Television Personalities.

Tragischer Held: Dan Treacy Foto: Alison Wonderland

Seit bald zehn Jahren schon sind die Television Personalities (TVP) Geschichte, aber auserzählt ist ihre Story noch lange nicht. Sänger und Songschreiber Dan Treacy, 1960 geboren und eine gleichsam charismatische wie tragische Figur des britischen Pop, lebt heute in einem Pflegeheim. Musik machen kann er nach langjährigem Drogenkonsum und einer Gehirn-OP zwar nicht mehr.

Die Faszination für Treacy und seine für spätere Genreentwicklungen wie Postpunk und Indie-Pop so wichtige Band lebt weiter. Es werden immer noch Alben veröffentlicht, zuletzt eine Compilation mit Radiosessions aus den Jahren 1980 und 1993, unter anderen mit dem BBC-Moderator John Peel. 2021 erschien mit „Dreamworld“ eine sehr lesenswerte fiktionale Biografie über Dan Treacy und die Television Personalities. Verfasst hat sie der französische Romancier Benjamin Berton, ins Deutsche übersetzt hat das Buch der Hamburger (taz-)Autor Gregor Kessler.

Kessler ist seit seiner Jugend im Saarland Die-Hard-Fan der TV Personalities. Nun hat er mit „If I Could Write Poetry“ die erste Sammlung mit 100 Songtexten von Dan Treacy im Mainzer „Ventil Verlag“ vorgelegt. Dort sind bereits Werke mit Songtexten von Rio Reiser, Frank Spilker und Hildegard Knef erschienen. Zudem hat Kessler in mühevoller Anbahnung 44 Wegbegleiter:innen, Mu­si­ke­r:in­nen und Fans gebeten, sich jeweils einen TVP-Song auszusuchen und einen Text darüber zu schreiben.

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Musikjournalisten sollten es grade nicht sein. „Ich habe Menschen gesucht, deren persönliche Perspektive mich interessiert hat“, erzählt Kessler. So fließen in „If I Could Write Poetry“ viele unterhaltsame, anrührende und aufschlussreiche Anekdoten und Einblicke zu einer großen Würdigung von Dan Treacy und seiner 1977 im Londoner Stadtteil Chelsea gegründeten Band zusammen.

Das Buch über Dan Treacy

Gregor Kessler (Hrsg.): „If I Could Write Poetry. Dan Treacy. Selected Lyrics“, Ventil Verlag, Mainz, 2026, 272 S., 22 Euro

Zwischen Fiasko und Brillanz

Evan Dando etwa, Sänger der US-Indieband The Lemonheads, beschreibt, anlässlich einer gemeinsamen Silvesternacht in Berlin kurz nach dem Mauerfall, in einem selbstkritischen Statement seine Freundschaft mit Dan Treacy. Zwei Brüder im Geiste; auch als Performer, deren Konzerte zwischen Fiasko und Brillanz schwankten.

Oder Mark Sheppard: Der erste Schlagzeuger der TVPs und heutige Hollywood-Schauspieler sitzt beim Videointerview mit Gregor Kessler auf seiner Terrasse in Los Angeles, eine Zigarre in der Hand, und zeigt sich von seiner sensiblen Seite. In seinem Text schreibt er über die Schüchternheit und die Ängste von Treacy, über dessen „beautifully cynical poetry“. Und über dessen Liebe zur Pop-Art und der barocken Phase von Sixtiespop. Sheppard hat den Song „I know where Syd Barrett lives“ gewählt, er handelt von dem enigmatischen ersten Pink-Floyd-Gitarristen. Ein psychisch angeknackster Eremit, wie es später auch Dan Treacy selbst wurde.

Punk war noch relativ frisch und noch skandalträchtig, als die TV Personalities begannen. Ein Fernsehinterview von Bill Grundy mit den Sex Pistols, inklusive gegenseitiger Pöbeleien, endete mit der Entlassung des Moderators und erhöhter notorischer Bekanntheit für Johnny Rotten und Co. Für einen kritischen und humorbegabten Beobachter popkultureller Entwicklungen wie Dan Treacy Grund genug, auf der zweiten Single der TVPs im spöttischen Ton und mit geträllerten „Ooos“ und „Lalalas“ nach dem Verbleib des Fernsehmoderators zu fragen.

Auf „Where’s Bill Grundy Now?“ von 1978 findet sich mit „Part Time Punks“ auch der Signatursong der Band. Dan Treacy nimmt hier die Gleichförmigkeit und Spießigkeit der vermeintlich revolutionären Punkszene als einer der ersten aufs Korn. „They play their records very loud/And pogo in the bedroom/In front of the mirror/But only when their mum’s gone out“.

Frust im Hochhaus

Anfangs waren Treacys Songtexte noch humorvoll, aber mit sozialkritischem Anklang – vergleichbar mit den Dokudramen des britischen Regisseurs Ken Loach. So etwa für die Debütsingle „14th Floor“, deren Text von der Anonymität und dem Frust von Be­woh­ne­r:In­nen eines Hochhauses handelt. Später wurden sie immer autobiografischer, es ging um Schmerz und Trauer und auch über die persönliche Enttäuschung über den ausbleibenden kommerziellen Erfolg.

Die Television Personalities waren immer eine Art Vehikel für Dan Treacys Texte. Seine Songs sind eher realistische und glaubwürdige Kurzgeschichten, als ausgefeilte Verse, und sie wirken so wenig poliert wie die schrammeligen Gitarren. Lofi-Pop mit brüchiger Stimme, aber mit eingängigen Hooklines. „…Songs that ripped my heart out, Songs that made me cry …“, wie es Alison Withers, Treacys frühere Freundin und große Liebe, in ihrem anrührenden Beitrag über den Song „Coming Home Soon“ schreibt.

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