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Skurrile Finanztipps„An SB-Kassen gibt es viele Tricks, wie man betrügen kann“

Das Leben ist teuer geworden: Comedian Andy Strauß gibt in seinem Programm „Dosenpfandbetrug“ Finanztipps und erklärt, wie man Konzerne austrickst.

Interview von

Wilfried Hippen

taz: Herr Strauß, in Ihrem Comedy-Programm „Dosenpfandbetrug“ geben Sie Tipps, wie man sich finanzielle Vorteile erschummeln kann. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie dafür strafrechtlich belangt werden könnten?

Andy Strauß: Nein, denn ich habe das Gefühl, dass die Leute, die in meine Veranstaltungen kommen, mich nicht ans Messer liefern werden. Und im Zweifel wird das, was ich mache, durch die Kunstfreiheit gedeckt.

taz: Was kann man da erwarten? Eine Show, eine Performance oder Lebenshilfe?

Strauß: Bei mir ist es immer all das. Mindestens ein Drittel des Auftritts ist zum Beispiel frei improvisiert. Ich erfinde da neue Lieder oder motivierende Mantras, die einen reich machen. Und dann gibt es klassische Finanztipps – etwa für eine aktive Erbehilfe.

taz: Ich hoffe, dies bedeutet nicht, dass da empfohlen wird, die Oma um die Ecke zu bringen.

Strauß: Nein, aber es geht darum, die Oma erst einmal reich zu kriegen. Kleine Vermögen werden ja in Deutschland überproportional besteuert. Darum müssen wir unser Geld so anhäufen, dass es keiner mitkriegt.

taz: Haben Sie für Ihre Finanztipps viel recherchiert oder lassen Sie da Ihre Fantasie ins Kraut schießen?

Strauß: Sowohl als auch. Da steckt viel Recherche drin, die aber oft durch Gedankenspiele erweitert wird.

Im Interview: Andy Strauß

geboren 1982, arbeitet als Poetry Slammer, Schriftsteller, Schauspieler und Hörspielregisseur.

taz: Aber ist der Witz dabei nicht, dass es ein Witz ist?

Strauß: In einem Witz steckt ja auch immer ein Körnchen Wahrheit. Und ich möchte schon, dass die Leute reicher aus meinen Veranstaltungen kommen, als sie hineingegangen sind.

Kleine Vermögen werden ja in Deutschland überproportional besteuert. Darum müssen wir unser Geld so anhäufen, dass es keiner mitkriegt

taz: Reicher in welchem Sinne?

Strauß: Nun, ist nicht zum Beispiel Erfahrungsreichtum der größere Schatz?

taz: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, dieses Programm zu machen?

Strauß: Ich wollte davon erzählen, wie man kostengünstig durch das Leben kommen kann. Und dafür fand ich das Konzept vom Dosenpfandbetrug ganz spannend. Ich habe irgendwann einmal begonnen, einen Dosenpfandroman zu schreiben. Und daraus lese ich kurze Passagen vor.

Comedyshow in Lübeck

„Dosenpfandbetrug – und 161 weitere Finanztipps für erfolgreiche Leistungsverweigernde“: 10.9., 20 Uhr, Lübeck, Tonfink, Große Burgstraße 46, 18 Euro.

taz: Mit der Dose auf dem Plakat Ihrer Veranstaltung, auf der das Symbol für Pfandflaschen ohne den dazu passenden Kodierungsstreifen auf eine Dose geklebt wurde, kann man ja schon mal keinen erfolgreichen Dosenpfandbetrug begehen.

Strauß: Das stimmt, das Plakat ist selber ein Etikettenschwindel.

taz: Was geben Sie denn sonst noch für Tipps?

Strauß: Für Festivals, die ja immer teurer werden, kann man zum Beispiel über das Jahr seine Spülmittelflaschen sammeln und sie dann gut ausspülen, denn Spülmittel lassen sich dabei restlos entfernen. Dann kann man sie mit grünem Schnaps füllen und kommt an den Leuten von der Security vorbei auf das Festivalgelände. Dort kann man dann den Leuten Shots für einen günstigen Preis anbieten. Mit Tricks wie diesem kann man überall kurz und schnell ein Pop-up-Gewerbe ausüben.

taz: Sie zeigen also, wie man das System austricksen kann?

Strauß: Das System und die Konzerne: immer nur nach oben. Ich habe zum Beispiel ein ganzes Kapitel über die SB-Kassen in Supermärkten, also den Roboterersatz von echten Menschen. Da gibt es viele Tricks, wie man die betrügen kann.

taz: Welchen Konzern haben Sie denn sonst noch auf dem Kieker?

Strauß: Es gibt einen ganzen Passus darüber, wie man, ohne sich Leistungen zu erschleichen, kostengünstig mit der Bahn fahren kann. Ein Trick ist, dass man zwar ein Ticket hat, es aber nicht entwertet, denn so behält es oft seinen Wert. Da gibt es viele Tricks, wie man das Bahnpersonal davon abhalten kann, diese Tickets digital einzuscannen. Wenn du es gut anstellt, kannst du so viele Male mit einem Ticket fahren.

taz: Schummeln Sie selber sich auch so durchs Leben?

Strauß: Ich habe mich mein ganzes Leben lang durchgewurschtelt. Ich bin zum Beispiel an die Uni gekommen, und weil ich nicht den entsprechenden sozialen Background hatte, wusste ich noch nicht einmal, was die Mensa ist. Und da lernt man dann schnell, irgendwie durchzukommen.

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