Sinkende Impfbereitschaft: Den Stoff in der Kneipe
Die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland geht zurück. Doch nur mit einer hohen Geimpftenquote ist ein guter Schutz gegen die Delta-Variante zu erreichen.

D ie Delta-Variante grassiert, die Impfstoffmengen steigen, aber die Zahl der täglichen Impfungen geht zurück. Ob es das Gefühl ist, angesichts niedriger Inzidenzen nicht mehr bedroht zu sein, oder ob es sich um ein urlaubsbedingtes Impf-Sommerloch handelt, ist offen. Fest steht: Die Impfbereitschaft in der bundesdeutschen Bevölkerung lässt nach. Das ist beunruhigend.
Wenn das Tempo der deutschen Impfkampagne nicht wieder an Fahrt gewinnt, dürfte die Pandemie noch lange dauern. So forderte Jens Spahn, es müsse „ein Impfruck durch Deutschland gehen“. Das ist richtig. Doch dafür braucht es ein viel niedrigschwelligeres Impfangebot.
Das Robert Koch-Institut hat kürzlich das Ziel für einen guten Schutz vor einer neuen Welle nach oben korrigiert. Während bisher von einer Quote zwischen 70 bis 80 Prozent die Rede war, müssen der neuen Einschätzung zufolge 90 Prozent der über 60-Jährigen und 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen geimpft sein. Gerade bei den Jüngeren zwischen 18 und 59 Jahren sind es bisher aber nur gut 55 Prozent.
Eine verstärkte und gezieltere Öffentlichkeitsarbeit, wie sie einige Bundesländer planen, ist sicherlich wichtig, kann aber nicht die einzige Strategie sein. Das Impfen muss einfacher werden, gerade wenn mehr Impfstoff verfügbar ist. Statt einen Termin machen zu müssen, sollte man sich spontan impfen lassen können. Statt zu einem Impfzentrum fahren oder einen Arzt aufsuchen zu müssen, sollte überall geimpft werden: in Fußballstadien oder bei Demos, in Einkaufsstraßen und Bahnhöfen, vor Clubs und Kneipen.
Die Devise: Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, kommt die Impfung zu den Menschen. Auf diese Art wird man vor allem die Jüngeren erreichen, die sich aus Trägheit nicht haben impfen lassen, weil der Urlaub verlockender oder die Sorge um Nebenwirkungen zu nervig ist. Einen Impfruck kann es jedenfalls nur geben, wenn das Impfen noch leichter wird – überall.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen