Siebter globaler Klimastreik: „Verkehrspolitik ist Riesenthema“

Die Bundesregierung macht ungesehen Dinge, die sehr klimaschädlich sind, sagt Klimaaktivistin Maira Kellers. Und die Energiewende sei zu langsam.

Der Autoverkehr fließt am Morgen vor dem Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni.

Kann auch ein Resultat des Klimawandels sein: Extreme Wintereinbrüche Foto: Christoph Soeder/dpa

taz: Maira Kellers, durch die Coronapandemie ist der Klimabewegung ihre schärfste Klinge genommen worden: der Massenstreik auf der Straße. Was hatte das für Konsequenzen?

Maira Kellers: Wir haben unsere Hauptaktionsform verloren, aber wir haben versucht, möglichst viel digital Präsenz zu zeigen, und ich glaube, das hat auch echt ganz gut geklappt.

15, engagiert sich bei Fridays for Future in Köln und ist eines der jüngsten Mitglieder im bundesweiten Organisa­tionsteam der Bewegung.

Der Streik hat im Netz stattgefunden?

Wir haben uns in Telefonkonferenzen getroffen und Schilder gemalt, die dann alle in die Kamera gehalten und auf Instagram und Twitter gepostet. Davon sind wir aber irgendwann abgekommen und haben uns einfach viel auf Pressearbeit fokussiert. Wir haben Gespräche mit Po­li­ti­ke­r*in­nen gesucht und irgendwann haben Greta und Luisa (Thunberg und Neubauer, Anm. d. Red.) mit Frau Merkel geredet. So etwas gab es immer wieder. Jetzt fangen wir auch wieder an, auf die Straße zu gehen.

Ist klimapolitisch im letzten Jahr genug passiert?

Ich hatte mir erhofft, dass es mehr gewesen wäre. Unsere Regierung macht ungesehen Dinge, die total klimaschädlich sind und gar nicht 1,5-Grad-konform. Es gibt sogar Studien darüber, dass, wenn jetzt diese sieben Dörfer abgebaggert werden, das 1,5-Grad-Ziel wirklich nicht mehr einhaltbar ist für Deutschland. 30 Minuten mit dem Zug von mir entfernt wird da gerade global entschieden, ob wir an diesen Kipppunkt geraten oder nicht.

Zum Beispiel?

Beim Tagebau Garzweiler, wo ich momentan super viel bin, sollen sieben Dörfer abgebaggert werden. Da verlieren die Menschen, die dort wohnen, ganz direkt ihr Zuhause. Zugleich sind Menschen im Globalen Süden immer stärker den Folgen des durch die Kohleverbrennung forcierten Klimawandels ausgesetzt.

Die Bewegung hat die Bundestagswahl zur Klimawahl ausgerufen. Welche Themen müssen in den Wahlprogrammen der Parteien stehen?

Die Energiewende, die wir dringend brauchen und die zu langsam ist. Und Verkehrspolitik ist, glaube ich, ein Riesenpunkt. Wir in Köln haben zum Beispiel auch unseren Streik am Freitag mit dem Thema „autofreie Innenstadt“ geframt. Wir dürfen nicht weiter Emissionen über einen motorisierten Individualverkehr ausstoßen, sondern müssen dringend auf einen kostenlosen, für alle zugänglichen und flexiblen ÖPNV umsteigen, um eine klimagerechte Verkehrswende hinzubekommen und damit das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten.

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