Shitstorm für männlichen Vorstand: Der ADAC ist ein Altherrenverein
In der neuen Chefetage des Automobilclubs sitzen nur ältere, weiße Männer. Diversität sieht anders aus, finden viele Twitternutzer*innen.
Am Samstag veröffentlichte der ADAC ein Foto des neuen Vorstands, für den der Automobil-Club postwendend einen Shitstorm erhielt. Zu sehen sind auf dem Bild acht Herren mit Anzug und Krawatte, die bei der Hauptversammlung des Automobil-Clubs am Nürburgring gewählt wurden.
Das Foto des neuen Vorstands erinnert an ein Bild der Führung des Bundesinnenministeriums, das vor einem Jahr ähnliches Aufsehen erregte. Twitter-Nutzer*innen empörten sich über die Homogenität der Chefetage, die nur aus älteren Männern mit heller Hautfarbe besteht.
„Tolle Diversität – bei der Krawattenfarbe“, kritisierte ein Kommentar. Eine andere Userin schrieb: „Ihr wisst aber schon, dass Frauen auch Auto fahren dürfen?“ Ein Vorstand bestehend aus „alten weißen Männern“ sei nicht zeitgemäß, so der Konsens.
In vier Tweets nahm der ADAC Stellung zu den Vorwürfen und verneinte, dass „das Bild des ‚Altherrenvereins‘“ dem eigenen Selbstverständnis entspreche. Außerdem folgten die Hashtags „#diversity #engagement“.
Derzeit ist rund ein Viertel der Deutschen Bevölkerung Mitglied in dem Automobil-Club. Davon sei knapp die Hälfte weiblich, so der ADAC via Twitter. Das sei nur leider in den Gremien noch nicht repräsentiert. Trotzdem sollen sich Männer wie Frauen ehrenamtlich engagieren, so die Aufforderung des Verkehrsclubs.
Empfohlener externer Inhalt
In eigener Sache (3): JA – knapp die Hälfe der @ADAC Mitglieder (und Angestellten) sind Frauen. NEIN – in den ehrenamtlichen Gremien ist das LEIDER (noch) nicht repräsentiert. #diversity #engagement pic.twitter.com/MjIiv6NWj9
— ADAC (@ADAC) 12. Mai 2019
Ein weiterer Twitternutzer fasste die Ungerechtigkeit des Unternehmens-Auftritts zusammen: „Also der ADAC wirbt für das Modell ‚alte weiße Männer bezahlt, aber Frauen ehrenamtlich (unbezahlt)‘ – hab ich das jetzt richtig verstanden?“
Jens Kuhfuß, Vizepräsident für Finanzen, meinte auf der Hauptversammlung: „Es muss wieder cool und hip sein, Mitglied im ADAC zu sein.“ Ein modernes Image fördert der Verkehrsclub mit einer solch homogenen Zusammensetzung der Chefetage aber nicht. Auch ein Hashtag #diversity kann nicht über die strukturelle Benachteiligung hinwegtäuschen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert