Klima-Demo in Kiel

Verkehrsader blockiert

Zu Fuß gegen Feinstaub: 1.600 Menschen gehen im Norden Deutschlands gegen Verkehrsfolgen auf die Straße – inklusive Sitzblockade.

Leute sitzen auf dem Boden, dahinter stehen Polizisten

Auf die Demo folgt die Sitzblockade: Protest gegen den Autoverkehr auf dem Kieler Theodor-Heuss-Ring Foto: dpa

HAMBURG taz | Dort wo es weh tut, haben Klima-Aktivisten am Freitagnachmittag in Kiel demonstriert. Rund 1.600 Menschen zogen über den Theodor-Heuss-Ring, eine zentrale Verkehrsader der Stadt – bei schönstem Wochenendverkehr. Die Polizei sperrte dafür eine Fahrtrichtung. Als die Demonstration weiterzog, blieben mehrere Dutzend Protestierende zurück: Sitzblockade. Die Veranstalter schlossen sie förmlich aus.

Kiel hat mit 60 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft unter den deutschen Großstädten die dritthöchste Belastung. Zulässig sind 40 Mikrogramm. Um Fahrverbote zu umgehen, hat Bürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bereits das zulässige Tempo auf der Verkehrsachse von 70 auf 50 Stundenkilometer gedrosselt. Auch vor originellen Ideen, wie die schadstoffbelastete Luft an der Straße abzusaugen, schreckte er nicht zurück.

Den Organisatoren der Aktion „Straßenparty statt Rush Hour“ reicht das nicht. Sie sehen die Verkehrswende als notwendigen Bestandteil einer Klima-Wende. In Kiel gehe es wie in ganz Deutschland mit der Abkehr vom Auto aber nur schleppend voran.

„Ulf Kämpfer würde uns gerne als isolierte Splittergruppe darstellen“, kritisiert Julia Schröder von der Turbo-Klima-Kampf-Gruppe (TKKG). Dabei stünden 20 Organisatoren hinter der Demo – vom Asta über Extinction Rebellion, die Grüne Jugend, den Verkehrsclub Deutschland (VCD) bis hin zu lokalen Verkehrs- und Umweltinitiativen.

Während der Automobilclub ADAC die Genehmigung der Stadt als „nicht nachvollziehbar“ kritisierte, verteidigte sie Bürgermeister Kämpfer mit einem Verweis auf das Demonstrationsrecht. Zugleich kritisierte er die als Demo-Anmelder auftretende TKKG aber für ihren angeblichen Radikalismus: „Das sind Leute, die nicht nur mit dem Autoverkehr auf dem Kriegsfuß sind“, behauptete er, „sondern eigentlich mit der gesamten Gesellschaft.“

Das 20er-Bündnis fordert für Kiel und Umgebung einen umfangreichen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und flächendeckend Tempo 30. Bei zweispurigen Straßen solle eine Spur Fahrrädern vorbehalten sein; andere Straßen sollten zu Flaniermeilen gemacht werden.

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