Serie „Selling Sex“: In immer neue Abhängigkeiten
Die ARD-Serie „Selling Sex“ soll einen Einblick in das Leben von Escorts geben. Und bleibt flach, wo Tiefe möglich wäre. Leid wird weggelacht.
Jetzt versucht sich die ARD also an Sexarbeit. Allerdings wirkt der Versuch wie ein klischeehaftes Abbild dessen, wie sich Menschen die glamouröse Escort-Welt vorstellen. Denn, obwohl es auch bei der Sexarbeit verschiedene Preissegmente gibt arbeiten die meisten Sexarbeiter*innen in Deutschland unter ausbeuterischen Bedingungen.
Die Protagonistin Nelly (Ella Morgen) in „Selling Sex“ ist aber die Ausnahme: Als fleißige Business-Studentin träumt sie davon, richtig viel Kohle zu verdienen, um nicht nur vor Designer-Schaufenstern zu stehen. Mit ihrem unbezahlten Praktikum klappt das nicht wirklich. Kurzerhand beschließt sie, als Escort anzufangen.
Sie taucht ein in eine Welt glitzernder Kleider, Partys, teurer Dessous und Sex mit Männern gegen Geld. Einmal wird sie für einen Junggesellenabschied gebucht, mal in die Alpen eingeflogen.
„Selling Sex“, in der ARD-Mediathek
Leider bleibt die Serie aber genau an den Stellen flach, an denen sie Potenzial auf Tiefe hätte. Werden die mentalen Herausforderungen vom Job thematisiert, werden sie im nächsten Moment wieder weggewischt. Hat jemand finanzielle Probleme, werden eben die Designer-Handtaschen verkauft. Und läuft das Rollenspiel mit dem Kunden schlecht, wird es weggelacht.
Männer sind wichtiger
Am meisten enttäuscht die Beziehung von Nelly und ihrer Freundin Bonnie (Manal Raga a Sabit). Eigentlich spielen sie eine große Rolle im Leben der anderen. Nur hat Nelly nun neue Prioritäten: Statt einer Freundin, auf die man sich verlassen kann, sind jetzt Männer, Sex und Geld wichtiger.
Das Ende soll empowern, ist aber unbefriedigend: Nelly kündigt ihr Praktikum, schließt ihren Master mit der Idee ab, ein Unternehmen zu gründen, dass Sexarbeiter*innen mehr Profit aushandeln soll, während sie sich von einem der reichsten Kunden abhängig gemacht hat und sich nicht mal bei ihrer besten Freundin entschuldigt.
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