Serie „How To Kill Your Sister“: Sterben hat keine Logik
Die belgisch-deutsche Serie „How to Kill Your Sister“ erzählt vom Tod, ohne dass einem das Lachen vergeht. Aber Wut ist auch dabei – auf die Männer.
Foto: Michel Vertongen/zdf
Zwei Energydrinks schlürfende Schwestern, die mit einem wackelig befestigten Holzsarg auf dem Dach über Landstraßen von Belgien nach Südspanien tuckern: Anna (Emma Rotsaert) ist in der belgisch-deutschen Koproduktion „How to Kill Your Sister“ todkrank und bittet ihre Schwester Kat (hervorragend: Marjan De Schutter) nach langer Kontaktpause um eine letzte Reise ins spanische Santa Rita. Dort möchte Anna mit Kats Hilfe selbstbestimmt sterben.
In Santa Rita verbrachten die Schwestern einst unbeschwerte Jugendsommer mit ihren mittlerweile tödlich verunglückten Eltern. Nun hat Anna die Stadt zum Ort ihres Ablebens auserkoren.
So weit, so todtraurig die Grundprämisse der sechsteiligen Serie. Wer nun eine Geschichte über Sterbehilfe, über Familientraumata, über Abschied und Trauer erwartet, hat recht – und dann auch wieder nicht.
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Die Serie verschreibt sich dem belgischen Surrealismus: Sie nimmt nicht nur unerwartete Abbiegungen, sondern macht direkt einen U-Turn nach dem anderen – immer weiter hinein in eine filmische Absurdität, die jeder Logik entbehrt und deswegen vielleicht die beste Art ist, Sterben zu thematisieren.
Batman statt blonde Locken
Auf ästhetischer Ebene werden Symbole ad absurdum geführt, mit einer Buddhastatue muss ein Dieb außer Gefecht gesetzt werden, die Perücke – wohl eines der Symbole für eine Krebserkrankung schlechthin – wird in einem feministischen Akt der Ermächtigung durch Kostümmasken ersetzt: lieber Pferd und Batman als blonde Locken.
Die für den Absurdismus so typische Verwischung von Realität und Fantasie passiert in dieser Serie ständig, zum Beispiel dann, wenn die Sänger:innen der zarten, feinfühligen Filmmusik auf der Rückbank des Autos sitzen und die Schwestern bei ihrer Reise in körperlicher Anwesenheit begleiten.
Immer wieder begegnet den Schwestern der Tod in seiner Zufälligkeit und Willkürlichkeit – in einem Fremden etwa, der sich erst erhängen will und dann mit größtem Genuss in saftige Pfirsiche beißt.
Absurdes Erzählen widmet sich klassischerweise existenziellen Themen und das Auffangen des Todes durch Absurdität gelingt in dieser Serie unter der Regie von Jonas Geirnaert, ohne jemals in Klamauk abzurutschen; die Erzählweise hält bei allem Humor einen Raum der Ernsthaftigkeit.
Neben einem mutigen, jungen Versuch absurden Erzählens ist „How to Kill Your Sister“ außerdem vor allem eines: eine feministische Ansage mit Ausrufezeichen. Die Schwere und Tragik der schwesterlichen Biografien werden maßgeblich durch die Männer verursacht, unter denen sie leiden.
Die Schwestern erleben Wut aufeinander und Entfremdung voneinander, beides verursacht durch männliche Gewalt aus dem Außen. Am Ende aber finden sie Frieden; und die Täter ereilt auf fast biblische Weise Vergeltung. Der Sarg und mit ihm alle Traumata werden vom Auto genommen und zerschmettert, das Leben neu begonnen – egal, wie lange es noch andauern wird.
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