Sehnsucht nach dem Underdog: Ist Elversberg unser neues Fußballmärchen?
Nein, Elversberg ist kein Fußballzwerg. Und die Fußballwunder von heute sind keine Wunder, sondern Ergebnis jahrelanger guter Arbeit in den Vereinen.
Foto: Jan Huebner/Imago
E lversberg! Fußballkleinwüchsiger Bundesligaaufsteiger, Dorf am Arsch der Welt, zwei Spiele, zwei Siege, und am kommenden Sonntag haut man den FC Bayern weg. Ähem. Da ist sie wieder, die Sehnsucht, dass die Kleine die Große, der David den Goliath, der Igel den Hasen schlagen kann – und für aufrechte Linke selbstverständlich, dass der Kapitalismus am Ende doch durch Solidarität, Gemeinschaft, Moral und so weiter überwunden wird.
Das ist das eine. Das andere ist die abgeklärte Checkerperspektive, dass es sich hier um Illusionen von entfremdeten und sinnsehnsüchtigen Individuen im Spätkapitalismus handelt, um für kurze Zeit der Monotonie des Arbeitsprozesses zu entfliehen.
Oder um routiniertes Handwerk von Journalisten, die wider besseres Wissen Clickmärchen produzieren. What goes up, must come down, nicht nur bei „Springer“ fahren die Berichtgegenstände im Aufzug erst nach oben und dann wieder nach unten. Ich will ausnahmsweise aber nicht rumzetern, sondern darauf hinweisen, dass die „Fußballwunder“ von heute keine Wunder sind, sondern Ergebnis jahrelanger guter Arbeit von Leuten, die in führenden Positionen im Management eines Fußballklubs arbeiten.
Freiburg als Role Model
Dazu gehört die Akquise von Geld, am besten großer Sponsor plus Mittelstand. Elversberg ist so gesehen eben kein „Fußballzwerg“ – oder wenn es einer wäre, dann wäre der Mitaufsteiger Schalke auch einer. Der Unterschied besteht darin, dass die „Tradition“ von Schalke in jahrzehntelanger Erfolglosigkeit besteht, die von Elversberg in einer kontinuierlichen positiven Entwicklung. Ob die ausbaubar ist, wird man in den kommenden Jahren sehen.
Die Zeiten sind lange vorbei, als ein Aufsteiger namens 1. FC Kaiserslautern direkt Deutscher Meister werden konnte. Das war 1998 im Mittelalter der Bundesliga. Im Fußball ist nicht immer noch „alles möglich“, wie man gern beschwört. Aber eben auch nicht nichts. Sondern manches, wenn eine überschaubare Gruppe von Leuten über Jahre gut arbeitet.
SC Freiburg, FC Augsburg, Mainz 05, das sind die großen Erfolgsgeschichten der Neuzeit. Speziell der SC Freiburg ist das Vorzeigeunternehmen für all jene, die sich jenseits der Unternehmens-, Milliardärs- und Kommanditgesellschaftskultur langfristig in der nationalen Spitze etablieren wollen. Freiburg ist das Role Model für Klubs wie Elversberg, Paderborn, Heidenheim und alle Klubs, deren Tradition in der Zukunft liegen soll.
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