Schwäbische Verlagsgruppe auf Abwegen: Das Ganze hat System
Einst kamen aus Schwaben Zeitungen, die dem christlichen Weltbild verpflichtet waren. Nun ist der Verlag zur Arena rechter Kulturkämpfer geworden.
Foto: Manfred Bail/imageBROKER/imago
D eutschlands Zeitungen werden immer unaktueller. Die Sonntagszeitungen erscheinen mittlerweile schon am Samstag, und auch mit der Kommentierung aktueller Ereignisse ist das so ’ne Sache.
Am Montag hat der Nordkurier aus Neubrandenburg den da schon fünf Tage alten Summs kommentiert, dass der Lerchenberg seinen „ZDF heute Live“-Beitrag über Elon Musk und die Ausschreitungen in Belfast ändern musste. Weil die Anmoderation dem Tech-Bro sehr deutlich unterstellte, direkt zu Gewalt aufgerufen zu haben.
Der Kommentar stammt direkt vom Chefredakteur der ganzen Zeitungsgruppe, zu der der Nordkurier gehört. Von daher darf hier Absicht unterstellt werden. Die nächste Lüge: „Öffentlich-Rechtliche pfuschen sich immer tiefer in die Krise“, schreibt Christoph Reisinger.
Noch schlimmer: „Es war journalistisch-handwerklicher Pfusch mit Vorsatz, kein Versehen, kein Flüchtigkeitsfehler“, geht es weiter und schließt mit „ZDF und ARD müssen sich nach dem Fall Musk mehr denn je die Frage gefallen lassen: Wer braucht sie noch in einer internetdominierten Medienwelt voller Hass- und Lügen-Blasen, wenn sie nicht der Wahrheit verpflichtet berichten?“
Was sich von selbst versteht
Jetzt ließe sich die Frage stellen, was denn bitte die ARD mit dem ZDF-„Fall Musk“ zu tun hat? Hier lohnt ein genauerer Blick auf Herrn Reisinger. Der übt sich im schlecht verstellten Kulturkampf gegen alles Öffentlich-Rechtliche und ist seit Januar Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung und damit auch Chef des „Editorial Boards“ für alle Tageszeitungen der Schwäbischen Verlagsgruppe aus Ravensburg. Dazu gehören neben dem Nordkurier noch die Schweriner Volkszeitung, die Norddeutsche Neueste Nachrichten (Rostock) sowie der Zollern-Alb-Kurier (Balingen).
Das Ganze hat System, „Rechtsruck in Ravensburg“ titelte die taz ja schon 2024 über das regionale Großverlagshaus in Tief Südwest und Hoch Nordost. Reisinger ist dabei nicht ganz so derb zugange wie der frühere Chefredakteur des Nordkuriers, Lutz Schumacher. Deshalb ist Schumacher auch nicht Chefredakteur, sondern Geschäftsführer und CEO beim Schwäbischen Verlag.
Und damit in Sachen Populismus auch ja nichts schiefgeht, ist Jan David Sutthoff für alle digitale Plattformen der Titel verantwortlich. Sutthoff war mal kurzzeitig Chefredakteur bei Julian Reichelts Populismusschleuder Nius.
Schuhmacher baut den Laden seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren grundsätzlich in Richtung rechtskonservativ-populistische Anschlussfähigkeit um. Dass es da gern gegen die Öffentlich-Rechtlichen geht, versteht sich von selbst.
Weniger verständlich ist, warum die Verleger- und Besitzerfamilien des Schwäbischen Verlags dahinterstehen. Die Schwäbische trägt stolz den Untertitel „Tageszeitung für christliche Kultur und Politik“.
Vielleicht sollten sie den ein oder anderen aus ihrer Führungsmannschaft zum Teufel jagen. „Die moderne Kirche 4.0 bedeutet seelsorgerische Beratung oder kleine Beichte, statt öffentliche Buße und Ausschluss. Sichert heute wie damals die eigene Autorität“, sagt die Mitbewohnerin.
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