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Femizid-ÄußerungNuhr von der Kunstfreiheit gedeckt

Der Comedian Dieter Nuhr ist selbst dran schuld: Er, der Anti-Böhmermann der ARD, beschwert sich über die mediale Darstellung, die er selbst ändern könnte.

U m es gleich vorwegzusagen, Dieter Nuhr ist von der Kunstfreiheit gedeckt. Das ist zwar schmerzlich, aber gut so. Warum sich die ARD „so einen“ leistet, darf und muss trotzdem gefragt werden. Rund 5.000 Menschen haben bereits eine Petition bei Innit unterschrieben, in der die ARD aufgefordert wird, ihm „keine weiteren Auftritte, Sendeplätze oder Produktionen mehr zu finanzieren“.

Das ist so nett wie aussichtslos. Anstelle eines herzhaften „Weg damit!“ wäre es sinnvoller, mit den Verantwortlichen in den Sendern, ihren Gremien und vor allem mit Dieter Nuhr mal etwas tiefer in die Aussprache einzusteigen, wie sich Nuhrs Aussagen mit öffentlich-rechtlichen Werten vertragen.

Um sich mal auf dasselbe Niveau zu begeben. Die ewige Antwort, das sei alles ja nuhr lustig bzw. satirisch gemeint, ist keine. Ist Nuhr in der ARD also genauso ein Missverständnis wie Julia Ruhs’ „Klar“ auf der Politreportage-Seite?

Weil es Menschen gibt, die so was gut finden oder vermeintlich mit ihren Ansichten nicht ausreichend abgeholt werden, verbiegt die ARD sich gerne immer mal wieder fürs vermeintliche Publikum. Allerdings laufen die „Neusten Nationalen Nachrichten“ bis auf weiteres nuhr bei „extra3“ vom NDR und sind lustig gemeint. „Wir machen kein Programm für Rechtsextreme“, hat vor zwei Wochen MDR-Intendant Ralf Ludwig im Spiegel-Gespräch noch einmal bekräftigt.

Dafür kann er nichts

Dass so etwas überhaupt gesagt werden muss! Dafür kann Dieter Nuhr übrigens nichts, auch wenn er natürlich provoziert. Und ihn Welt-TV dafür auch gleich vor den Springer-Karren spannt. Da haut er dann „Omas gegen rechts – was ist das für ein Bullshit?“ raus. Nur um dann ein sehr differenziertes Bild von dem zu zeichnen, was er wirklich meint und dass ihm die starre „Entweder-Oder“-Haltung der Republik als ehemaligem Gründungsmitglied der Grünen auf den Geist geht.

Nuhr sollte sich lieber mal in Sendungen mit Erkenntnisfortschritt begeben

„Das ist für Menschen, die Ihre Programme schauen, wahrscheinlich ein überraschendes, faires Bild“, sagt der verdutzte Welt-TV-Moderator dann. Genau hier liegt das Problem von Nuhr. Er beschwert sich laufend, dass Dinge mit, um und über ihn aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Nuhr: Das ist selbstverschuldetes Schicksal. Diesen Zusammenhang müsste und könnte er mitliefern, gerade auch in der ARD. Tut er aber nicht. Damit verrät sich unser Anti-Böhmermann auch als Komiker/Kabarettist, wie die FAZ schon letzte Woche feststellte.

Anstatt bei „Welt-TV“ milde Vereinnahmungsversuche locker abzuschütteln, sollte sich Nuhr lieber mal in Sendungen mit Erkenntnisfortschritt begeben. Zu Marie Lina Smyreks „smypathisch“ zum Beispiel, wo regelmäßig Menschen mit ihrem eigenen Scheiß konfrontiert werden. Das ist auch öffentlich-rechtlich, allerdings made by ZDF. Aber die haben im Vergleich zur ARD in Sachen Satire und Comedy aktuell eh die Nase vorn.

Oder müssen wir das jetzt differenzierter sehen? „Wo ist die Petition und der Gremien-Förderpunkt für mehr Frauen in Comedy und Satire bei ARD und ZDF?“, fragt die Mitbewohnerin. Was auch ’ne ganze Menge erklärt.

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Steffen Grimberg

Steffen Grimberg Medienjournalist

2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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