Okraschoten: Köstlicher Schleim aus der Schote
Okraschoten sehen aus wie Bohnen, sind aber keine Bohnen. Und der Schleim, den sie beim Kochen absondern, ist wohltuend.
W enn es ein Gemüse gibt, das mir Demut beigebracht hat, dann sind es Okraschoten. Als ich sie vor vielen Jahren an einem Gemüsestand entdeckte, musste ich sie sofort probieren. Weil sie ähnlich aussehen wie grüne Bohnen, dachte ich, ich könnte sie genauso zubereiten. Heraus kam ein weiches, sehr schleimiges Etwas, das mich ratlos zurückgelassen und animiert hat, vieles über Okraschoten zu lernen. Diese Erkenntnisse möchte ich heute teilen.
Okraschoten werden der Familie der Malvengewächse zugeordnet und haben überhaupt nichts mit Bohnen zu tun. Ursprünglich stammen sie wohl aus West- oder Ostafrika, was nicht mehr genau zurückverfolgt werden kann, da sie zu den ältesten Gemüsearten der Welt zählen und schon seit Jahrtausenden kultiviert werden.
Heute sind sie aus vielen Landesküchen nicht mehr wegzudenken, etwa im US-Bundesstaat Louisiana, wohin sie durch den Sklavenhandel gelangten und wo sie als Hauptzutat ins Nationalgericht Gumbo gehören.
Das Tolle an Okraschoten ist nicht nur der leicht nussige Geschmack, der mit zahlreichen anderen Gemüsesorten, Kräutern und Zitrusfrüchten wunderbar harmoniert, sondern auch das, was in dieser etwas unscheinbaren Schote steckt. Wenn ich bei meinem ersten Kochversuch gewusst hätte, dass gerade der Glibber super gesund ist und alle Schleimhäute des menschlichen Körpers schützt, hätte ich mich über das Ergebnis mehr gefreut.
Das Bindemittel ist schon mit drin
Gibt man Okraschoten in Suppen und Eintöpfe, bekommt man nicht nur die größtmöglichen gesundheitlichen Vorteile, sondern durch den Schleim außerdem ein gratis Bindemittel. Je kleiner man sie schneidet, desto schleimiger werden sie. Kocht man sie in Tomatensoße, Zitronen- oder Essigwasser, verhindert die Säure einen Großteil der Schleimbildung.
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Man kann Okraschoten aber auch kross und trocken essen. Dafür halbiere ich sie längs und mariniere sie in wenig Öl, Salz, Cayennepfeffer und etwas Sumach. Dann lege ich sie nebeneinander auf ein Blech und backe sie bei 190 Grad Umluft für 20 bis 30 Minuten. Das Ergebnis sind leckere Chips, die gut zu Dips passen und sich kein bisschen einschleimen. Klappt auch mit diesem Rezept aus Indien: Okraschoten in Ringe schneiden, mit Kurkuma, Chili und Salz mischen und heiß frittieren.
Alternativ schmore ich gern Zwiebel und Knoblauch in Öl an, gebe etwas Paprikapulver, Salz und Pfeffer hinzu, schmeiße klein gewürfelte Auberginen, Paprika und Okraschoten in den Topf und köchle alles 10 bis 15 Minuten mit etwas Gemüse- oder Hühnerbrühe ein. Am Ende gebe ich reichlich Koriander und Petersilie dazu und lasse es mir schmecken. Sie hoffentlich auch. Guten Appetit!
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