Russische Deserteure in Kasachstan: Ausgeliefert wegen „Rauchens einer Wasserpfeife“
Kasachstan war für verfolgte Russ:innen ein Zufluchtsort. Das hat sich geändert. Seit Januar werden immer mehr Menschen an Russland ausgeliefert.
Foto: Maxim Shipenkov/epa
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Am 18. Februar 2026 öffnet „Mediazona“ mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland.
Kasachstan ist seit der Vollinvasion in der Ukraine zu einem der wichtigsten Emigrationsziele für Russ:innen geworden. Das liegt am visafreien Einreiseverfahren und der Möglichkeit, mit einem Inlandspass einzureisen. Bislang galt das Land für verfolgte Russ:innen als relativ sicher. Seit Ende Januar häufen sich jedoch Nachrichten, dass die Regierung in Astana Asylsuchende, Deserteure und Antikriegsaktivist:innen an Russland ausliefert.
„Die Politik gegenüber Russ:innen hat sich ohne vorherige Anzeichen geändert“, sagt der kasachische Menschenrechtler Artur Alchastow im Gespräch mit Mediazona. Ihm zufolge gab es keine öffentliche Debatte und keine offiziellen Erklärungen, aus denen man hätte schließen können, dass sich die Lage für Russ:innen nun zum Schlechteren wenden würde. Seit den letzten Wochen häufen sich die Abschiebungen.
Kasachische Sicherheitskräfte arbeiten zusammen mit russischen Geheimdiensten
Am 1. Februar wurde der Programmierer Alexander Katchurkin nach Russland abgeschoben. Gegen ihn waren zwei Verwaltungsprotokolle wegen unerlaubten Überquerens der Straße und „Rauchens einer Wasserpfeife in einem Gebäude“ erstellt worden. Er wurde am Flughafen in Russland festgenommen und wegen Geldtransfers in die Ukraine des Landesverrats beschuldigt.
Lesen Sie die Tagebücher aus Kasachstan: Wie Kasachen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine Entscheidungen treffen – warum einige auf russischer Seite kämpfen, während andere sich ukrainischen Einheiten anschließen und an der Front gegen Russland stehen.
Am 2. Februar wurde Semyon Bazhukov, der aus einer Militärbasis in Priozersk geflohen war, an russische Militärs übergeben. Zelimkhan Murtazov, der in der Einheit „Achmat“ diente und nicht aus dem Urlaub zurückkehrte, hat seit dem 26. Oktober 2025 die Transitzone des Flughafens von Astana nicht mehr verlassen – aus Angst, an Russland ausgeliefert zu werden.
Am 5. Februar hat ein Gericht in Astana den Antrag auf Flüchtlingsstatus des russischen Offiziers Jewgeni Korobow abgelehnt. Dieser war desertiert und hatte das Land mit gefälschten Dokumenten verlassen. Korobow ist der elfte russische Deserteur, dem die kasachischen Behörden seit Beginn der russischen Invasion Schutz verweigert haben.
Am 10. Februar hat die Generalstaatsanwaltschaft Kasachstans dem Antrag Russlands auf Auslieferung der St. Petersburger Aktivistin Julia Emelianowa stattgegeben. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen des Diebstahls eines Telefons von einem Taxifahrer eingeleitet. Eine ähnliche Entscheidung traf die Generalstaatsanwaltschaft bereits am 30. Januar beim gesuchten Tschetschenen Mansur Movlaev. Beide hatten in Kasachstan Asyl beantragt.
Bislang war die Lage vor allem für Ukrainer:innen in Kasachstan sehr schlecht, die meisten erhielten keinen Flüchtlingsstatus. In den kommenden Monaten dürfte sich nun die Situation auch für Russ:innen noch weiter verschärfen.
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