Russisch-orthodoxe Kirche in Tschechien: Weiße Substanzen im Kofferraum
Der russische Metropolit Hilarion, zuletzt in Tschechien tätig, wurde kurzzeitig festgenommen. Er soll in Drogengeschäfte verwickelt sein.
Die russisch-orthodoxe Kirche (RPZ) ist immer für einen Skandal gut. Dafür braucht es nicht unbedingt den Moskauer Oberhirten und Patriarchen Kyrill I., der bei Russlands Angriffskrieg in der Ukraine stramm an der Seite von Kremlchef Wladimir Putin steht.
Schlagzeilen macht derweil ein anderer hoher geistlicher Würdenträger, und zwar Hilarion (Alfejew), Metropolit und zuletzt an der St.-Peter-und-Paul-Kirche in der tschechischen Stadt Karlsbad tätig. Am Dienst vermeldete sein Telegram-Kanal, Hilarion und sein Kameramann seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Beide seien ohne Anklage und verfahrensrechtliche Auflagen freigelassen worden.
Was war vorgefallen? Am Sonntag nahmen Polizeikräfte Hilarion sowie seinen Begleiter fest, nachdem sie deren Auto an einer Tankstelle in der Nähe von Karlsbad gestoppt hatten. Bei einer anschließenden Durchsuchung des Wagens seien im Koffer angeblich vier kleine Behälter mit einer weißen Substanz gefunden worden.
Während einer mehrstündigen Vernehmung am Dienstag wies Hilarion den Vorwurf, etwas mit dem Besitz verbotener Substanzen zu tun zu haben, entschieden zurück. „Ich habe keine Verbindung und hatte niemals eine Verbindung zum illegalen Drogenhandel. Für mich als Geistlichen ist schon der bloße Verdacht eines solchen Umstandes eindeutig erlogen. Ich bestehe auf einer vollständigen, unabhängigen und verfahrensrechtlich einwandfreien Untersuchung der Geschehnisse“, erklärte er und sprach von einer Provokation.
Anonyme Drohungen
Zuvor war auf Hilarions Telegram-Kanal behauptet worden, dass der Festnahme eine längere Phase des Drucks auf den Metropoliten und die orthodoxe Gemeinde in Karlsbad vorausgegangen sei und er selbst angeblich wiederholt anonyme Drohungen, auch mit körperlicher Gewalt, erhalten habe. Er sei dazu aufgefordert worden, seinen Wirkungsort Karlsbad zu verlassen.
Hilarion war seit 2009 Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats und sogar als potenzieller Nachfolger von Kyrill I. gehandelt worden. Im Juni 2022 entband die Synode der RPZ Hilarion von dieser Funktion und betraute ihn mit der Leitung der Diözese Budapest und Ungarn.
In diese Zeit fallen schwere Vorwürfe seines Assistenten, Hilarion habe ihn wiederholt sexuell belästigt. Zudem soll sich der Metropolit regelmäßig mit dem damaligen Regierungschef Viktor Orbán getroffen und sich für Aufhebung der gegen Russland verhängten Sanktionen ausgesprochen haben.
Nach Informationen der Novaya Gazeta Europe habe der Kirchenmann die ungarische Staatsbürgerschaft erhalten und ein luxuriöses Anwesen in der Nähe von Budapest erworben. Im Dezember 2024 wurde er erneut suspendiert und nach Tschechien versetzt.
Persona non grata
Das russische Aussenministerium hatte die unverzügliche Freilassung Hilarions gefordert. Man betrachte diesen Vorfall als eine vorsätzliche, inszenierte Provokation, die darauf abziele, sowohl den Metropoliten persönlich als auch die Orthodoxie prinzipiell zu diskreditieren, die in der Tschechischen Republik in jüngster Zeit Angriffen ausgesetzt gewesen sei, hieß es.
Andrei Kurajew, russischer Theologe, Publizist und Blogger, der in Prag lebt und in Russland als „ausländischer Agent“ gelistet ist, macht sich seinen eigenen Reim auf den Fall Hilarion. „Die Tschechische Republik betrachtet ihn als Persona non grata“, zitiert die Novaya Gazeta Europe Kurajew. „Da er im Besitz eines europäischen (ungarischen) Passes ist, kann sie ihn nicht einfach ausweisen. Sie kann jedoch auf russische Art und Weise verfahren.“
Von offizieller Seite in Tschechien hieß es am Dienstag, forensische Analysen hätten bestätigt, dass es sich bei dem Fund in Hilarions Auto um eine verbotene Substanz handele. Die Ermittlungen in diesem Fall würden fortgesetzt.
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