Reiches Energie-Monitoring: Die simulierte Bremse
Eine Studie bereitet Argumente gegen das Energiemonitoring des Wirtschaftsministeriums vor. Ministerin Reiche mahnt „Realismus“ an.
Wenn sich der Ausbau der erneuerbaren Energien verlangsamt und weniger E-Autos und Wärmepumpen verfehlt werden, als von der Bundesregierung anvisiert, könnten die Emissionen im Verkehrs- und Gebäudesektor bis 2035 um 28 bis 35 Millionen Tonnen CO2 jährlich steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsinstituts Enervis, die von Greenpeace und der Energiegenossenschaft Green Planet Energy in Auftrag gegeben wurde und der taz vorliegt.
Mit der Studie will Greenpeace dem Energiemonitoring zuvorkommen, das das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) beim EWI Essen in Auftrag gegeben hat. Im Monitoring soll der künftige Strombedarf Deutschlands geschätzt werden. Kommt das RWI zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Schätzungen zu hoch ausgefallen waren – weil es zum Beispiel mit weniger grünem Wasserstoff, E-Autos und Wärmepumpen rechnet -, könnte das die Ausbauziele von Wind- und Solaranlagen gefährden.
Man müsse ein „Stückchen mehr Realismus“ wagen, sagte Reiche am Montag. Es müsse weiter in Erneuerbare investiert werden, aber „wir brauchen eine Zeitenwende, wenn Sie so wollen, in der Energiepolitik“. Sophia van Vügt, Energieexpertin bei Greenpeace fürchtet ein „fossiles Comeback“ und hält dagegen: „Statt die Ziele runterzuschrauben, sollte die Bundesregierung alle Anreize auf eine schnelle Elektrifizierung ausrichten.“
Für die Studie hat Enervis ein Szenario mit den aktuellen Ausbauzielen und Schätzungen für den Strombedarf verglichen mit Strombedarf-Schätzungen von industrienahen Gruppen wie dem Bund der Deutschen Industrie und EnBW. Damit wollen die Studienautor*innen dem Energiemonitoring nahekommen, falls es den Strombedarf kleinrechnet.
Dabei haben sie auch herausgefunden: Ein langsamerer Ausbau von Wind und Solar bei geringerem Strombedarf würde für 79 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Strommix sorgen, nur drei Prozent weniger als unter den derzeitigen Zielen. Aber falls der Verkauf von Wärmepumpen und E-Autos noch anzieht, würden jährlich 5,6 Millionen Tonnen CO2 mehr ausgestoßen als unter den aktuellen Ausbauzielen.
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