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Reformen in Kuba Ein Reformpaket als Türöffner für Verhandlungen?

Kommentar von

Knut Henkel

Die Revolution entdeckt den Markt wieder. Während Havanna Reformen wagt, hält Washington an seiner Politik der Eskalation fest.

R aúl Castro hat die 176 Reformmaßnahmen, die die Regierung von Präsident Miguel Díaz-Canel mithilfe von vier kritischen Analysten erarbeitet hat, schriftlich abgesegnet. Folgerichtig ist die alte Riege der Comandantes, die der mittlerweile 95 Jahre alte Ex-Präsident anführt, einverstanden mit dem größten Reformprojekt seit dem Sieg der kubanischen Revolution 1959.

Das ist essenziell, denn die Reformagenda mutet wie eine Rolle rückwärts an. Von nun an soll der Markt in Kuba das wichtigste Instrument für die Verteilung von Gütern sein und nicht mehr der Plan. Das Reformpaket ist ein spätes Eingeständnis des Scheiterns und das kleinlaute Zurück zum Markt erfolgt vor allem mit dem Ziel, den Kollaps des eigenen Systems zu vermeiden.

Der steht quasi vor der Tür – in Form der Blockade, die die USA auf allen Ebenen versuchen über die Insel zu verhängen. Der Koloss im Norden, wie Nationaldichter José Marti die USA einst betitelte, zieht alle Register, um die autoritäre Regierung in Havanna in die Knie zu zwingen.

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Mehr noch – gerade hat Donald Trump die Option einer Militäroperation wie in Venezuela am 3. Januar offen in Erwägung gezogen. Wie lässt sich das begründen – angesichts der Tatsache, dass Kuba verhandlungsbereit ist, wie der Neffe von Raúl Castro, Raúl Guillermo Rodriguez Castro, gerade wieder bekräftigt hat?

Reicht das immense Misstrauen gegen eine politische Führung aus, die seit 1990 immer wieder gerade so viel Reformen zugelassen hat, um selbst zu überleben und die Kontrolle zu behalten? Nein, obwohl Havanna drakonisch gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Die Gefängnisse sind voll, mehr als 1.200 politische Gefangene sitzen in kubanischen Vollzugsanstalten, und die Zivilgesellschaft, die für eine Verfassungsreform und eine Amnestie für alle politischen Gefangenen eintritt, wird systematisch ignoriert.

Doch das rechtfertigt nicht das Vorgehen der USA. Die haben mehrfach auf laufende Verhandlungen hingewiesen, und die gilt es nun zu führen. Mit dem Reformpaket aus Havanna liegt eine erste Agenda auf dem Tisch. Was fehlt, ist der politische Wille aus Washington und vielleicht auch etwas Verständnis für die humanitäre Katastrophe auf der Insel.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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2 Kommentare

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  • Machiavelli

    Einfach freie Wahlen abhalten unter Einschluss von Kubaner im Ausland. Wenn freie Wahlen das System bestätigen ist das doch das Mittel gegen Sanktionen. Wenn das System abgewählt wird ist es halt vielleicht an der Zeit das Kuba im 21sten Jahrhundert ankommt. Sozialismus ist eine nette Idee aber genau wie Platos Republik sollte man Staaten nicht auf den Ideen von Philosophen aufbauen.

  • Rinaldo

    "Was fehlt ist der politischer Wille aus Washington..." , da Trump und Kosorten nichts mit demokratischen oder humanitären Aspekten am Hut haben. Im Gegenteil, eine Lösung, wie in Venezuela, als einem autoritär regierten Protektorat der USA, schwebt dem Imperialist und Autokraten Trump vor. Hoffentlich schafft es Cuba zwischen der Pest des jetzigen Zustands und der Cholera einer defakto Übernahme durch die USA, einen dritten Weg zu Demokratie und Souveränität zu gehen. Dies wird neben dem Koloss aber immer schwieriger.