Rechtsextremer Aufmarsch in Hamburg

Ein chaotischer Haufen

Breiter Protest begleitet eine Aktion des rechtsextremen Bündnisse „Deutscher Michel wach endlich auf“. Schon nach der Kundgebung war Schluss.

Am Hamburger Rödingsmarkt schwenkt eine Gruppe Menschen schwarz-rot-goldene Fahnen und solche der identitären Bewegung

Mit der Laufdemo war es Essig: Teilnehmer der „Michel-wach-auf-Kundgebung“ Foto: dpa

HAMBURG taz | Lauter, bunter und weit mehr: Am Sonntagnachmittag haben mehr als 800 Menschen gegen den angekündigten Marsch des rechtsextremen Bündnisses „Deutscher Michel, wach endlich auf“ demonstriert. Das „Hamburger Bündnis gegen rechts“ (HBgR) hatte zu dem Protest gegen die vermeintlichen Retter des christlichen Abendlands aufgerufen.

Bei der Abschlusskundgebung, einen Steinwurf von der Hauptkirche St. Michaelis entfernt, fragten in einer gemeinsamen Rede Pröpstin Isa Lübbers und Propst Martin Vetter, „ob den rechtsextremen Veranstaltern eigentlich bewusst ist, welchen Tag sie sich für ihre Laufdemo ausgesucht haben?“

Am 29. September begehen die christlichen Kirchen den Tag des Erzengels Michael, erinnerten Lübbers und Vetter bei strömendem Regen. Eine Statue dieses Engels steht vor dem Michel. Sie symbolisiere Michaels Kampf gegen gott- und menschenverachtende Einstellungen , sagten Lübbers und Vetter. „Mit seinem Schild beschützt er sich und die Seinen vor feindlichen Angriffen von der rechten Seite.“

Zur gleichen Zeit versammelten sich nur wenige hundert Meter die Straße runter die ersten Deutscher-Michel-Anhänger auf dem Rödingsmarkt. Am Ende kamen zu der Aktion, die ein Organisationsteam um Thomas Garldo verantworte, knapp 70 Anhänger.

Gehetzt wurde mit Verzug

Der Gegenprotest war bis auf den Rödingsmarkt zu hören. Noch lauter wurde es, als vor der Polizeiabsperrung am Rödingsmarkt Richtung Elbe Gegendemonstranten erschienen. „Nationalismus raus aus den Köpfen“ riefen sie und „Ganz Hamburg hasst die AfD“. Auf einem großen Transparent stand „Hamburg bleibt stabil! No pasaran!“, auf einem kleinen Schild: „Herz statt Hetze“.

Und gehetzt wurde – allerdings mit Verzug: Redner und Bühne kamen zu spät. Um 14 Uhr twitterte die Polizei, dass die Versammlungsleitung am Rödingsmarkt den Marsch zum Michel und zurück abgesagt habe. Von der Bühne, einem LKW-Anhänger, an dem viele Deutschland-Fahnen angebracht waren, wetterte derweil Hartmut Issmer gegen die „links-grünen Spinner“ und die „internationale Finanzlobby“, die mit der CO2-Debatte und der Diesel-Diskussion nur eines wolle: den Standort Deutschland zerstören.

Issmer, der aus dem hessischen Erlensee stammt und die „Volksbewegung – Patrioten für Deutschland“ vertritt, hat schon öfters mit antisemitischen Begriffen gespielt. Er rief auch, dass das Deutsche Volk erwachen müsse.

Michael Stürzenberger aus München griff ebenfalls die Klimaschützer sowie „die Antifa“ an, die nach Nordkorea ohne Rückfahrticket geschickt werden solle.

Aryan Circle dabei

Der mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Stürzenberger streichelte die Seele der Anwesenden. Sie seien die wahren Patrioten und sie würden mehr, rief Stürzenberger, den der bayrische Verfassungsschutz beobachtet.

Die Teilnehmerschaft setzte sich wie bei den Vorläufer-Aktionen von „Merkel muss weg“ aus vermeintlichen Wutbürgern, rechten Hooligans und AfD-nahen Herren und Damen zusammen. Erstmals sichtbar wurde mit einem eigenen T-Shirt die Kameradschaft „Aryan Circle“. Die wenigsten Teilnehmer kamen aus Hamburg.

Das Kräfteverhältnis habe heute gestimmt, kommentierte Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen rechts: 90 zu zehn Prozent– ein Erfolg bei Dauerregen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben