Reaktionäres US-Frauenmagazin „Evie“: Glanz, Glamour, Gehorsam
Das US-Magazin „Evie“ gibt sich unpolitisch. Doch die Lektüre zeigt reaktionäre Frauenbilder: kein Sex vor der Ehe, zu Hause bleiben statt arbeiten.
Auf den ersten Blick sieht Evie aus wie jedes andere Hochglanzmagazin für Frauen. Klassisches Design, schönes Covergirl, Artikel wie „15 Sommer-Maniküren, die alles andere sind als basic“.
Doch beim Scrollen auf der Webseite erscheinen auch Titel wie „5 Gründe, warum ich aufhörte, Sex vor der Ehe zu haben“ oder „Die Anti-Woke-Leseliste für den Sommer“. Dutzende Artikel, die darlegen, wie herkömmliche Verhütungsmethoden wie die Pille vermeintlich Gesundheit, Sexleben und sogar das eigene Entscheidungsvermögen ruinieren können. Vor Artikeln mit ausführlichen und expliziten Sextipps erscheint ein Disclaimer: Der Inhalt ist ausschließlich für verheiratete Frauen bestimmt.
Das Ehepaar Brittany und Gabriel Hugoboom gründeten Evie im Februar 2019. Das gedruckte Magazin erscheint einmal im Jahr, die Website wird mehrmals täglich mit neuen Artikeln bestückt.
Evie soll das konservative Gegenstück zur Cosmopolitan sein, sagen die Gründer. Die Hugobooms sind beide Anfang 30. Sie wurde katholisch erzogen und ist seit etwa zehn Jahren „Trad-Cath“ – traditionell katholisch. Er wuchs in einer Familie mit acht Kindern auf, die Eltern praktizierten Naturheilkunde.
„Sie waren MAHA, bevor es MAHA überhaupt gab“, sagte Gabriel Hugoboom der New York Times. MAHA (Make America Healthy Again) ist der Slogan des umstrittenen US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr., der Masern mit Vitamin A und Fischöl statt mit Impfungen bekämpfen will.
Den Hugobooms gehört auch die App 28, mit der sich Workout und Wellness auf den Zyklus abstimmen und die eigene Fruchtbarkeit in den verschiedenen Phasen tracken lässt – eine Voraussetzung für natürliche Verhütung. Auch hier wird auf die vermeintlichen Gefahren von hormonellen Verhütungsmethoden hingewiesen, die jedoch als weitaus verlässlicher gelten.
Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel finanziert die App mit. Es soll die „Fruchtbarkeitskrise“ (die sinkende Geburtenrate) gewesen sein, die ihn überzeugte, 2 Millionen Dollar in 28 zu investieren. In eine App, die die am wenigsten verlässlichste aller Verhütungsmethoden promotet.
Trad-Wives, das sind Frauen, die nach traditionellen Geschlechternormen leben. Sie sind verheiratet, leben oft auf dem Land, kümmern sich dort um ihre vielen Kinder und kochen, während ihr Mann Geld verdient. Eine der bekanntesten Trad-Wive-Influencerinnen zierte das Cover der letzten Evie-Ausgabe.
Das Magazin beschreibt, wie die ideale Frau außerdem zu sein hat: schlank, classy gekleidet und feminin. Sie folgt „Etiketten“ auf Dates, Hochzeiten oder im Umgang mit ihrer übergriffigen Schwiegermutter.
„Unbeschreiblicher Oralsex“
Sie wendet sich von der „Hustle Culture“ (dem Arbeitsmarkt) ab und lebt stattdessen in ihrem „femininen Flow“. Sie hat keinen Sex vor der Ehe. Wenn sie Glück hat, ist sie mit unter dreißig verheiratet. Dann weiß sie genau, wie sie ihren Mann mit „erotischen Massagen“ verwöhnt oder „unbeschreiblichen Oralsex“ gibt. Die ideale Frau ist nicht woke und sie ist auch keine Feministin.
Das alles wird nicht ausdrücklich vorgeschrieben, aber durch die Auswahl an Tipps, Porträts und Erfahrungsberichten mehr als deutlich. Nebenbei veröffentlicht Evie Verschwörungstheorien zu Impfungen und schürt Ressentiments gegen trans Personen.
Evie passt bestens in die USA unter dem Rechtspopulisten Donald Trump. Das Magazin lässt ein reaktionäres Frauenbild schick aussehen, unterwandert Bestrebungen nach Gleichberechtigung und Selbstbestimmung und glamourisiert die finanzielle Abhängigkeit von Männern. Gleichzeitig sät es Misstrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse und agitiert gegen geschlechtliche Minderheiten.
Das passiert, während Trump weiter den Zugang zu Abtreibungen einschränkt (Hyde-Amendment), Gleichstellungsprogramme streicht (DEI) und trans Personen die staatliche Anerkennung ihrer Existenz abspricht (per Dekret am Tag seines Amtsantritts).
Kritik an hormonellen Verhütungsmethoden oder an den Herausforderungen, Familie und Beruf zu vereinen, sind vielen Frauen ein Anliegen. Als Antwort darauf präsentiert Evie die Abkehr von verlässlicher Verhütung und Arbeit für Frauen, die maßgeblich zu mehr Gleichberechtigung beigetragen haben.
Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon schwärmte einmal über die „unglaubliche Berichterstattung“ des Magazins. Der Name Evie ist eine Referenz auf Adam und Evas Verbannung aus dem Paradies im Alten Testament. Eva habe die Welt ruiniert, sagt Brittany Hugoboom der New York Times. Evie hingegen solle als eine neue Eva fungieren. „Die die Welt rettet.“
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