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Ramadan in Israel und dem WestjordanlandEinschränkungen, Gewalt und Raketenbeschuss

Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen erleben in diesem Jahr keinen schönen Ramadan: Seit Beginn des Irankriegs ist die Al-Aksa-Moschee geschlossen, immer wieder gibt es Gewalt.

Eid al-Fitr in Gaza, oder Zuckerfest trotz Krieg Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa

Zerstörte Kameras, beschlagnahmte Speicherkarten, ein gebrochenes Handgelenk: Dies ist die Bilanz von Dienstagnacht für mehrere Jour­na­lis­t*in­nen in Jerusalem. Unter ihnen sind auch ausländische Presseteams und eine Produzentin des US-Senders CNN. Das hat am Mittwoch der israelische Journalistenverband bekanntgegeben.

Laut der israelischen Zeitung Haaretz wollten die Jour­na­lis­t*in­nen Polizeigewalt in Ostjerusalem dokumentieren. Die Sicherheitsbeamten hätten demnach eine Ansammlung von muslimischen Gläubigen, die an einer Mauer der Altstadt beten wollten, gewaltsam aufgelöst. Sie sollen dabei Blendgranaten geworfen und Menschen geschlagen haben. Dann sollen sie, so die Rekonstruktion, einheimische und ausländische Pressevertreter*innen, die das Geschehen filmen wollten, angegriffen haben.

Die israelische Polizei ließ eine entsprechende Anfrage unbeantwortet, teilte indes israelischen Medien mit: Die Jour­na­lis­t*in­nen hätten an einer verbotenen Versammlung teilgenommen, sich Befehlen widersetzt und sich nicht als Pres­se­ver­tre­te­r*in­nen ausgewiesen.

Dies ist nur der letzte Fall von Gewalt während des Fastenmonats Ramadan in Israel und dem Westjordanland. Der Ramadan ist für Mus­li­m*in­nen der heiligste Monat im Jahr, tagsüber fasten viele Gläubige, beim Sonnenuntergang brechen sie das Fasten gemeinsam mit Familie und Nachbarn, dann beten sie in der Moschee. Er endet in diesem Jahr am Donnerstagabend.

Menschenansammlungen verboten

Doch seit Beginn des Irankriegs sind große Menschenansammlungen in Israel verboten. Die Behörden haben die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem geschlossen, die Altstadt abgeriegelt und den Zutritt Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen untersagt, die nicht dort leben. „Aus Sicherheitsgründen“, hieß es. Die Geschäfte bleiben zu.

Die israelische Nichtregierungsorganisation Association for Civil Rights in Israel (ACRI) schickte am Mittwoch einen Brief an die Jerusalemer Polizei und forderte die Behörden auf, die Einschränkungen in der Altstadt aufzuheben. Ebenso verlangt die NGO, dass die Geschäfte der größtenteils arabischstämmigen Bevölkerung dort wieder öffnen und Gebete im kleinen Kreis rund um die Mauern stattfinden dürfen. Schließlich würden Cafés und Geschäfte überall sonst in Jerusalem unter Auflagen weiter betrieben, sowie jüdische Be­su­che­r*in­nen in der Altstadt spazieren.

Immer wieder versuchten Muslim*innen, das traditionelle Abendgebet in der Nähe der Al-Aksa-Moschee abzuhalten. Und seit Wochen häufen sich die Meldungen von gewaltsamen Vertreibungen rund um die Altstadt, in der sich die Moschee befindet. Ein Video, das der taz zugespielt wurde, zeigt einen Mann, der die Hände in die Luft hebt, umgeben von drei Polizisten, die ihn zu Boden werfen, in Handschellen legen und ihm das Smartphone wegnehmen. Ein weiterer Mann versucht, mit den Polizisten zu reden, wird aber aggressiv zurückgewiesen. Auf Nachfrage äußerte sich die Polizei nicht zum Vorfall.

Laut dem palästinensischen Verein Palestinian Prisoner’s Society haben israelische Sicherheitskräfte mehr als 100 Menschen seit Beginn des Konflikts mit Iran in Ostjerusalem und dem Westjordanland festgenommen.

Vier Frauen durch Raketenteile getötet

In diesem Letzteren ist die Gewalt derweil eskaliert. Mehrmals täglich erreichen inzwischen Meldungen von Siedlerangriffen die Nachrichtenagenturen. Mindestens sechs Menschen sind dabei bislang umgekommen, weitere wurden von Sol­da­t*in­nen erschossen.

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (UN) monierte in seinem jüngsten Bericht, seit Beginn des Konflikts mit Iran habe sich die Lage zugespitzt. Laut UN gab es seit Beginn des Ramadans 188 Verletzte und 15 Tote, inklusive eines Elternpaars und zwei ihrer Kinder am vergangenen Sonntag.

Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen im Westjordanland unterliegen derzeit starken Bewegungseinschränkungen, anders als die israelischen Siedler*innen. Checkpoints hindern oder versperren den Weg zu Dörfern und Städten, was den Alltag, die Arbeit der Be­woh­ne­r*in­nen sowie deren Zugang zu Schulen und Kliniken stark beeinträchtigt.

Außerdem sind palästinensische Gemeinschaften bei Luftangriffen ungeschützt, Bunker gibt es hier nicht. Erst am Mittwoch kamen vier Palästinenserinnen nahe Hebron ums Leben, als Fragmente einer iranischen Rakete auf einen Friseursalon fielen. Auch in Israel gab es einen Toten und mehrere Verletzte durch iranischen Beschuss.

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