Die Wahrheit: Dampfer unter Drogen
Irische Posse: Rund 100.000 Euro pro Woche kostet es die Steuerzahlenden dort, weil ein beschlagnahmtes Schiff mit Koks nicht vom Hafenacker kommt.
B raucht jemand ein Schiff? Die irische Regierung sucht dringend einen Abnehmer. Die MV Matthew, ein in Panama registrierter Massengutfrachter, wurde im September 2023 bei einer gemeinsamen Operation von irischer Finanzbehörde, Marine, Armee und Polizei vor der Südküste Irlands beschlagnahmt. An Bord befanden sich 2.253 Kilogramm Kokain im Wert von rund 157 Millionen Euro – der größte Drogenfund der irischen Geschichte.
Die Matthew, die bis vor dem Vorfall MV Honmon hieß, war aufgrund von Informationen von US-Behörden seit Wochen überwacht worden und wollte den irischen Trawler Castlemore zur Warenübergabe treffen, bevor der auf einer Sandbank festsaß und die Matthew Motorprobleme bekam. Im Juli 2025 wurden acht Männer verschiedener Nationalitäten zu Haftstrafen zwischen 13 und 20 Jahren verurteilt.
Seit zweieinhalb Jahren liegt die Matthew unter der Obhut der Steuerbehörde im Hafen von Cork vor Anker, es kostet wöchentlich 110.000 Euro für Liegeplatz und Proviant, Abfallentsorgung, verschiedene Reparaturen und Wartungsarbeiten, Honorare und Versicherungen. Bisher hat sich das alles bereits auf mehr als 14 Millionen Euro summiert.
Auf dem Schiff ist nämlich eine Besatzung von 13 Personen rund um die Uhr anwesend, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die irische Steuerbehörde hat erklärt, sie finanziere nur das Nötigste für die Instandhaltung des Schiffes, doch wegen seiner Größe stelle es ein erhebliches ökologisches und wirtschaftliches Risiko dar, weshalb es bemannt und versorgt werden müsse.
Bis zur Beschlagnahmung war das Schiff rund neun Millionen Euro wert, doch seitdem ist der Wert erheblich gesunken, da die Türen während der Aktion wohl mit Sprengstoff geöffnet worden sind. Außerdem sind unschöne Löcher entstanden, als das Schiff von der Armee beschossen wurde. Darüber hinaus wurde die gesamte Navigationsausrüstung zu Beweiszwecken entfernt.
Der Verkauf ist immer wieder verschoben worden, weil das Schiff als Beweismittel im Strafprozess benötigt wurde. Der Vorsitzende der Steuerbehörde, Niall Cody, glaubt nicht mehr, dass plötzlich noch ein Käufer auftaucht. Er sagte, es sei wahrscheinlicher, dass das Schiff verschrottet werden müsse, was die Gesamtkosten auf mehr als 20 Millionen ansteigen ließe. Cody hofft, dass die Sache bis zum Sommer erledigt sein wird. Der ganze Schlamassel mit der MV Matthew und die damit verbundenen Kosten werde die Steuerbehörde aber keinesfalls davon abhalten, in Zukunft weitere Schiffe mit Drogenfracht zu beschlagnahmen.
Was ist eigentlich mit den beschlagnahmten Drogen? Würde man die heimlich auf dem Schwarzmarkt verkaufen, hätte man genügend Mittel, um eine ganze Reihe weiterer Drogendampfer hopps zu nehmen und instand zu halten. Dadurch entstünde ein Kreislauf, der Irlands Wirtschaft von Donald Trumps Launen unabhängig machen würde.
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