piwik no script img

Prozess gegen Boston-AttentäterPlädoyer ohne Sühne

Der mutmaßliche Boston-Marathon-Attentäter Dschochar Zarnajew äußert sich zum ersten Mal vor Gericht. Er plädiert auf nicht schuldig. Der Prozess wird Monate dauern.

BOSTON dpa | Der mutmaßliche Bombenleger von Boston hat vor Gericht auf unschuldig plädiert. In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Festnahme wies Dschochar Zarnajew alle 30 Anlagepunkte zurück, die gegen ihn nach dem Terroranschlag am 15. April beim Marathon in der US-Metropole erhoben wurden. Gekleidet in organfarbener Gefängniskleidung und einem schwarzen T-Shirt antwortete er „nicht schuldig“, nachdem die Anklage verlesen worden war.

Rund 30 Opfer und Angehörige der Verletzten und Toten wohnten dem kurzen Gerichtstermin bei. Dschochar Zarnajew soll zusammen mit seinem älteren Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze gelegt haben. Ihm wird deshalb der Einsatz von Massenvernichtungswaffen vorgeworfen. Laut der Anklage koordinierten die Täter die Detonationen per Handy.

Hunderttausende waren in die Metropole gekommen, um den Wettlauf zu beobachten. Bei den Explosionen starben ein achtjähriger Junge, eine 29 Jahre alte Frau und eine chinesische Studentin. Außerdem gab es über 260 Verletzte. Darüber hinaus soll sich Zarnajew wegen Tötung eines Polizeibeamten verantworten.

Dschochar Zarnajew war nach tagelanger Fahndung in der US-Ostküstenstadt gefasst worden. Er wurde schwer verletzt und verbrachte lange Zeit im Krankenhaus. Bei dem Gerichtstermin war sein linker Arm in einem Gips. Sein Bruder Tamerlan kam während der Flucht bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, rund 80 bis 100 Zeugen während der Verhandlung aufrufen zu wollen. Der Prozess wird ihrer Schätzung nach rund drei bis vier Monate dauern. Die nächste Anhörung ist für den 23. September geplant. Weitere Punkte der Anklage sind Verschwörung, die Nutzung von Feuerwaffen, Fahrzeugentführung, Sachbeschädigung und vielfache Körperverletzung.

Weil Zarnajew im US-Bundesstaat Massachusetts nach Bundesrecht angeklagt wurde, könnte ihm die Todesstrafe drohen, obwohl Massachusetts sie nicht erlaubt. Rechtsexperten vermuten aber, dass sich Ankläger und Verteidiger vorab auf lebenslange Haft einigen – im Gegenzug zu einer umfassenden Aussage des Angeklagten über die genauen Hintergründe der Tat.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Z
    Zyniker

    Wieso in Gottes Namen werden diese permanenten rassistischen, antisemitischen und volksverhetzenden Kommentare dieser End The Schwachköpfe hier veröffentlicht???

  • J
    Jörn

    Vielleicht ist er ja tatsächlich unschuldig? Nur weil jemand einen Koffer dabei hat, der dann explodiert, muss er noch kein Attentäter sein. Andere Erklärungsmöglichkeiten sind durchaus denkbar. Wäre interessant den Tatablauf aus seiner Sicht zu hören.

  • E
    end.the.occupation

    Freiheit für Dschochar Zarnajew!!!

     

    Der Mossad ist für die Explosion verantwortlich, und die Behörden versuchen jetzt einem Muslim die Tat in die Schuhe zu schieben.