piwik no script img

Proteste vor dem SozialausschussGleiche Arbeit, weniger Lohn

Angestellte freier Träger im sozialen Bereich fordern Bezahlung nach dem landeseigenen Tarifvertrag. Dafür demonstrieren sie vor dem Abgeordnetenhaus.

Jonas Wahmkow

Aus Berlin

Jonas Wahmkow

„Geld her für würdige Löhne“ – das forderten rund sechzig Sozialarbeiter:innen, Er­zie­he­r:in­nen und andere Beschäftigte aus dem sozialen Bereich am Donnerstagmorgen vor dem Abgeordnetenhaus in der Niederkirchstraße in Mitte. Hier wird gleich der Sozialausschuss tagen, an ihn richten die De­mons­tran­t:in­nen ihre Forderungen. Aufgerufen zu der Kundgebung hatten Ver­tre­te­r:in­nen der Gewerkschaften GEW, Verdi und die antikapitalistische Gruppe Hände weg vom Wedding.

Hauptkritikpunkt der Protestierenden ist die tarifliche Ungleichbehandlung von Angestellten, die bei gemeinnützigen freien Trägern beschäftigt sind. „Uns sind Fälle bekannt, da bekommen Beschäftigte rund 600 Euro weniger im Monat als ihre beim Land angestellten Kolleg:innen“, berichtet Max Bitzer, Sekretär bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Gehaltsunterschiede zwischen 10 und 15 Prozent seien keine Seltenheit, sagt Bitzer.

Um die Lohnlücke zu schließen, fordern die Gewerkschaften eine Kopplung an den Tarifvertrag TV-L, nach dem auch die direkt beim Land beschäftigten So­zi­al­ar­bei­te­r:in­nen bezahlt werden. Eine solche Kopplung der Gehälter gab es bereits, sie fiel aber 2002 den Sparmaßnahmen zum Opfer. Dadurch konnten die um Aufträge konkurrierenden freien Träger Kosten senken, indem sie die Löhne drückten – ein deutlicher Lohnabfall war die Folge.

Bereits 2017 forderte das Abgeordnetenhaus den Senat auf, die Löhne anzugleichen, passiert ist seitdem wenig. „Gerade in diesen Tagen muss soziale Arbeit gestärkt werden“, fordert eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt während der Kundgebung. Pandemie, Inflation und steigende Gaspreise würden zusätzlichen Druck auf die Branche ausüben. „Unsere Kli­en­t:in­nen sind massiv von den Preissteigerungen betroffen“, klagt die Sozialarbeiterin, eine ausreichende Betreuung sei aufgrund des Personalmangels nicht zu gewährleisten. Viele der Teil­neh­men­r:in­nen berichten von Überstunden und systematischer Überbelastung.

Auch im Sozialausschuss ist die Situation der freien Träger Thema. Auch dort forderten die zur Anhörung eingeladenen Ver­tre­te­r:in­nen der freien Träger und Ge­werk­schaft­le­r:in­nen feste Mittelzusagen aus dem Haushalt. „Eine flächendeckende tarifliche Bezahlung könnte ein einfaches Mittel sein, um die zahlreichen Aus­stei­ge­r:in­nen wieder zurückzuholen“, fasst Ulrike Eichinger, Professorin für soziale Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule am Ende der Ausschusssitzungen die Forderungen zusammen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • 6G
    659975 (Profil gelöscht)

    Das wird die Länder wenig kümmern.

    Außerdem, warum kämpfen die Gewerkschaften nicht mal für die Lehrer im Angestelltenverhältnis? Die gibt es auch und diese bekommen ebenfalls erheblich weniger, für die exakt gleiche Arbeit, als ihre Beamten- Kolleginnen.



    Da wären die Gewerkschaften bei den Ländern an der richtigen Adresse.

    Also, wo ist hier der Protest?



    In diesem Fall sind die Gewerkschaften jedoch sehr selektiv.....es wird nur das genommen, das auch populär ist.