Proteste in Izmir: Türkische Polizei setzt Wasserwerfer ein
Nach dem umstrittenen Führungswechsel bei der größten Oppositionspartei reißen die Proteste nicht ab. Die Polizei geht hart gegen Demonstrierende vor.
Foto: Berkcan Zengin/reuters
dpa | In der westtürkischen Metropole Izmir setzt die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, die gegen die Absetzung der Führung der größten Oppositionspartei CHP protestieren. Zu den Protesten aufgerufen hatte der abgesetzte Parteichef Özgür Özel. Bereits vor Beginn der Proteste hatte die Polizei den Cumhuriyet Meydani (Platz der Republik) abgesperrt.
Demonstranten flüchteten in die Seitenstraßen, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. Rund um den Versammlungsplatz befanden sich demnach schätzungsweise mehr als tausend Protestierende, die Slogans riefen wie „Schulter an Schulter gegen den Faschismus“ und „Kämpfend werden wir gewinnen“.
Demonstrierende bezeichneten den als Interimsparteiführer eingesetzten Kemal Kiliçdaroğlu als „Verräter“. Mit dem Ausruf „Tayyip Kemal“ setzten sie ihn in Verbindung mit dem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Es wurde eine Rede des abgesetzten Parteichefs Özel erwartet.
Oppositioneller Parteichef abgesetzt
Vergangene Woche hatte ein Gericht den CHP-Parteitag 2023 für ungültig erklärt und Özel als Parteivorsitzenden abgesetzt. Im Raum stehen Vorwürfe, dass Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Die CHP-Führung weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Als CHP-Chef setzte das Gericht vorläufig Özels umstrittenen Vorgänger Kiliçdaroğlu ein. Das löste Proteste in der Hauptstadt Ankara und Istanbul aus.
Die Demonstrierenden kamen nach eigenen Angaben aus unterschiedlichen Motivationen zu dem Protest. Die 50-jährige Yasmin erklärte etwa, sie sei dort, um die Türkische Republik zu verteidigen. Sollte der abgesetzte Parteichef Özel eine neue Partei gründen, würde sie diese „auf jeden Fall unterstützen“. Ähnlich äußerte sich eine 26 Jahre alte Demonstrantin.
Vor seiner Absetzung vom Parteivorsitz vergangene Woche hatte Özel der Zeitung Pencere in einem Interview erklärt, er werde die CHP auf keinen Fall aufgeben. Eine Ersatzpartei werde nur dann gegründet, wenn die CHP von der Regierung aufgelöst werde.
Eine andere Demonstrantin Mitte dreißig kritisierte vor allem das Vorgehen der Polizei gegen die CHP-Zentrale in Ankara vergangene Woche. Dort war die Polizei mit Gewalt in das Gebäude eingedrungen. Bilder zeigten Auseinandersetzung mit CHP-Anhängern, die sich in dem Gebäude verschanzt hatten.
Ein älterer Mann am Rande der Demonstration sagte mit Bezug auf die neue Parteiführung, er wünsche sich, dass die „Verräter“ von Bienen gestochen würden.
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