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Proteste im GazastreifenDie Revolution fällt weitgehend aus

Im palästinensisch kontrollierten Teil des Gazastreifens waren Großproteste gegen die Herrschaft der Hamas geplant. Sie blieben klein, die Repression war groß.

Lisa Schneider

Aus Khan Younis und Berlin

Lisa Schneider und Hisham Al-Masri

Aus der angekündigten „26.-Juni“-Revolution im Gazastreifen wurde eher ein Revolutiönchen. Immerhin ein paar Hundert Menschen folgten am Freitagnachmittag dem Aufruf zu Demonstrationen gegen die Hamas – unter großer Gefahr. Sie sollten an 19 verschiedenen Orten im ganzen Gazastreifen stattfinden. Kleinere Kundgebungen fanden Berichten zufolge aber vor allem in Gaza-Stadt und im Norden statt. Videos und Bilder zeigen etwa eine kleine Versammlung, „Wir wollen leben“, und „Hamas raus“ steht auf den Schildern der Demonstrierenden.

Ein Grund, weshalb die Zahl der Protestierenden so gering blieb: Schon vor dem geplanten Beginn der Proteste begann die Hamas mit einer massiven Einschüchterungs- und Repressionskampagne. Journalisten wurde nach Informationen der taz bereits Tage zuvor nahegelegt, nicht über die Proteste zu berichten – unter Androhung von Gewalt.

Am Tag selbst berichteten lokale Quellen der taz, dass die Hamas angebliche Journalisten entsandt hatte, um Protestierende zu fotografieren. Das lässt sich nicht unabhängig bestätigen, doch Bilder in sozialen Netzwerken legen das nahe. Die Hamas entsendete außerdem Truppen auf die Straße, Videos zeigen sie bewaffnet und maskiert. In den sozialen Netzwerken und auf Telegram erklärten Hamas-nahe Kanäle im Anschluss: Die „Revolution“ sei gescheitert.

Grund genug haben die Menschen aber für Proteste. Die Hamas kontrolliert derzeit territorial nur etwas mehr als 30 Prozent des Gazastreifens, den Rest kontrolliert Israel – aber im Hamas-Gebiet befindet sich fast die gesamte noch vorhandene Zivilbevölkerung des Gazastreifens. Sie lebt großteils unter menschenunwürdigen Bedingungen: teils seit über zwei Jahren in Zelten und anderen notdürftigen Behausungen, meist ohne Arbeit, oft ohne ausreichende medizinische Versorgung, Sanitäranlagen, Trinkwasser.

Auch auf Kosten dieser Bevölkerung finanziert sich derzeit die Hamas. Wie etwa die arabische Zeitung Asharq al-Awsat berichtet, nahm die Hamas Zahlungen an ihre Mitglieder bereits kurz nach der Waffenruhe wieder auf, vor allem an den bewaffneten Flügel der Gruppe. Und weil weniger Geld aus dem Ausland kommt als vorher, müssen die nötigen Einnahmen „aus eigenen kommerziellen Quellen“ besorgt werden, wie Asharq al-Awsat schreibt.

Güter wie Tabak oder Treibstoff werden besteuert, Händler müssen Zölle bezahlen. Öffentliche Dienstleistungen – etwa eine Müllabfuhr – funktionieren aber trotz dieser Defacto-Steuern kaum.

Hinzu kommt die Gewalt der Hamas gegen die palästinensische Bevölkerung. Insgesamt 249 Fälle zählt ein UN-Bericht für den Zeitraum von August 2024 bis Januar 2026. Und das ist laut dem Bericht nur ein „Teil der Fälle und Opfer“. Zugleich wurden über 70.000 Palästinenserinnen und Palästinenser im Gazastreifen durch das israelische Militär getötet.

Der Anteil der Bevölkerung im Gazastreifen, die für eine Entwaffnung der Hamas stimmt, steigt. Laut dem palästinensischen Thinktank PCPSR sprachen sich im Oktober 2025 44 Prozent der Befragten dafür aus. Das ist nicht die Mehrheit – doch etwa ein halbes Jahr zuvor waren es nur 30 Prozent gewesen.

Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Protestwellen gegen die Hamas gegeben – in den Jahren 2019 und 2023, sowie nach Kriegsbeginn im Frühjahr 2025. Die Hamas schlug sie stets mit großer Brutalität nieder.

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