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Protest gegen LAP-CoffeeSymbolischer Vandalismus

Kommentar von

Marisa Haug

LAP-Filialen werden immer wieder beschmiert. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar, der Protest bleibt aber symbolisch und wirkungslos.

Auch Yuppies mögen günstigen Kaffee Foto: dpa

W as haben die Warschauer Straße und der Boxhagener Platz in Friedrichshain oder die Graefe-, Adalbert- und Bergmannstraße in Kreuzberg gemeinsam? Sie alle sind Orte, die seit langem gentrifiziert werden. Und sie sind Orte, an denen sich LAP-Filialen breit gemacht haben.

Statt beim halbwegs billigen Späti-Bier über teure Läden zu meckern, kommt man jetzt in Versuchung beim halbwegs billigen LAP-Kaffee über LAP zu meckern. Beides wäre nachvollziehbar. Also sowohl den Kaffee für ein bis drei Euro zu trinken, als auch die LAP-Filialen expat-like oder hipsterhaft zu finden, vielleicht sogar ätzend, und sich über die Start-Up-Mentalität der beiden Gründer Ralph Hege und Tonalli Arreola aufzuregen.

Der Hauptvorwurf lautet so: Die beiden Gründer würden LAP erfolgreich machen wollen, in dem sie durch günstige Preise andere Café-Konkurrent*innen ausstechen und LAP schließlich verkaufen. Seit der Gründung von LAP im Jahr 2023 ist die Kette auf bereits 22 Filialen allein in Berlin angewachsen.

Beschmierte Filiale am Boxhagener Platz Foto: privat

Wahrscheinlich ähnlich oft wurden LAP-Filialen mit „Verpisst euch“-Graffitis besprüht. So auch vergangenes Wochenende: In der Filiale am Boxhagener Platz hat die Scheibe einen Sprung bekommen, beim nächsten Mal sei sie komplett weg, wird anonym gedroht. Hage selbst berichtete der taz im Dezember, es habe zwischen Sommer und Winter vergangenen Jahres 50 Fälle von Vandalismus in LAP-Läden gegeben. Geschlossen hat deswegen keine der Filialen.

Gastronomie im Fokus

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kiez-Bewohner*innen gegen die Ausbreitung großer Ketten zur Wehr setzen. Schon im Jahr 2007 war die Aufregung groß, als die Eröffnung der ersten McDonald's-Filiale in Kreuzberg bevorstand. Selbsternannte Bürger gegen Burger kritisierten die Ausbeutung bei McDonald's, die Gentrifizierung des Kiezes und der Stadt, den Kapitalismus. Zu recht. Der McDonald's öffnete trotzdem.

Es sind Kämpfe gegen politische und wirtschaftliche Entwicklungen, die Preise und Mieten letztendlich in die Höhe treiben. Sie nur auf dem Schlachtfeld von McDonald's- oder LAP-Fillialen zu führen, bringt es nicht.

Ähnlich ist das bei E-Scootern. Auf ihnen rasen Jugendliche, Expats und gelegentlich vielleicht auch Armin Laschet zwanzig Jahre nach der McDonald's-Eröffnung die Skalitzer Straße an der Burger-Filiale entlang. Sie lieben dieses Verkehrsmittel, andere hassen es. Treten es beiläufig beim Vorbeigehen um und stapeln es zu Türmen, so dass man sich fragt, ob das Kunst ist oder weg kann. Bei verschlammten und verrosteten E-Scootern, die aus dem Kanal geangelt am Ufer liegen, ist diese Frage schon beantwortet. Aber eine andere bleibt auch hier: Was hat's gebracht?

Erleichterung wahrscheinlich, Stärke. Kurz war man wehrhaft. Und auch die, die vorbeigehen, denken sich vielleicht: Endlich zeigt's mal jemand! Weniger E-Scooter gibt es deswegen nicht. Billiger und besser ausgebaut ist der öffentliche Nahverkehr deswegen auch nicht. Der Protest bleibt ein Symbol. Und auch Symbole können etwas bewirken, aber überschätzen sollte man diese Wirkung nicht.

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taz berlin
hat Politikwissenschaft in Berlin studiert und lernt Journalismus am ifp München. Schreibt für die taz über Berliner Politik und Gesellschaft.
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