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Preise für Edelmetalle steigen weiterGoldenes Warnsignal

Kommentar von

Wolfgang Mulke

Wer Gold besitzt, darf sich freuen – die Wirtschaft eher nicht. Die steigenden Preise für das Edelmetall sind Indikator für pessimistische Anleger.

Wenn es echtes Gold ist, ist es echt goldwert Foto: Olaf Schuelke/imago

E s sind rosige Zeiten für die Besitzer von Schmuck, Barren oder Nuggets aus Gold und Silber. Der Preis für die Edelmetalle steigt von Rekord zu Rekord. Inzwischen kostet eine Unze, gut 31 Gramm, mehr als 4.400 Dollar. Das sind 66 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Für Silber gleichen Gewichts werden fast 70 Dollar berechnet. Hier ist das Plus noch höher. Der Wertzuwachs mag für die Besitzer erfreulich sein, für die Weltwirtschaft ist er ein Warnsignal.

Denn Gold dient vor allem als Krisenwährung. Es wirft keine Zinsen ab, gilt aber als Schutz vor Inflation. Industriell wird es nur in geringem Umfang benötigt. Der größte Anteil geht in die Produktion von Schmuck oder landet in den Tresoren von staatlichen Zentralbanken oder Anlegern. Gerade die Notenbanken gehören in diesem Jahr zu den Aufkäufern. Sie wappnen sich offenkundig gegen geopolitische Verwerfungen. Denn im Zweifel lässt sich Gold jederzeit verkaufen und so ist es zum Beispiel möglich, Einfluss auf Währungskurse nehmen.

Hier kommt der US-Dollar ins Spiel. Die erratische Zollpolitik der USA und die Angriffe des Präsidenten auf den Chef der Notenbank Fed sorgen für einen Vertrauensverlust in die wichtigste Leitwährung. Dazu kommt die hohe Verschuldung nicht nur der USA, sondern auch mancher europäischen Staaten. Irgendwann könnte die Versuchung der Politik steigen, dieses Minus durch eine hohe Inflation abzubauen. Da flüchtet das Kapital lieber vorsichtshalber in vermeintlich sichere Werte.

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Das lässt auf pessimistische Erwartungen des Schwarms hinsichtlich der Entwicklung der Weltwirtschaft schließen. Der Edelmetallmarkt fungiert in gewisser Weise als Krisenthermometer. Beim Silber sieht es etwas anders aus. Der Rohstoff wird in großem Stil von der Industrie benötigt, etwa für die Herstellung von Solaranlagen. Die Förderung hält mit dem Bedarf nicht mit. Insofern ist die Entwicklung hier eher Ausdruck eines Missverhältnisses von Angebot und Nachfrage. Ob es weiter aufwärts geht, ist indes ungewiss. Verschwinden die Gründe für den Anstieg, ist auch ein Kurssturz durchaus denkbar.

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