Präsidentschaftswahlen in Peru: Bleibt ein Linker an der Spitze?
Die Auszählung der Präsidentschaftswahlen hält ganz Peru seit drei Tagen in Atem. Das Zünglein an der Waage sind die Peruaner im Ausland.
Am Sonntag hatten die Peruanerinnen die Wahl zwischen der Diktatorentochter Keiko Fujimori und dem linken Abgeordneten Roberto Sánchez. Für die Peruanerinnen war die Wahl eine Neuauflage der Wahlen von 2021. Damals stand Keiko Fujimori dem linken Dorfschullehrer Pedro Castillo gegenüber. Letzterer gewann damals äußerst knapp mit 44.000 Stimmen Vorsprung und regierte Peru eineinhalb Jahre. 2020 versuchte er den Kongress aufzulösen und Peru per Dekret und mit einer Notstandsregierung zu führen, woraufhin er abgesetzt und verurteilt wurde.
Das Ergebnis der diesjährigen Wahlen dürfte noch knapper ausfallen. Am Dienstagmittag, zwei Tage nach der Wahl, steht das Ergebnis weiterhin aus. Um 14 Uhr MEZ, sind rund 97 Prozent der Stimmen ausgezählt. Bisher führt Sánchez mit 0,15 Prozentpunkten vor Fujimori. Da vor allem die Stimmen der Peruaner im Ausland noch nicht ausgezählt sind, könnte sich dieses Verhältnis zu Gunsten Fujimoris, die bereits zum vierten Mal antritt, wenden. Auslandsperuaner gelten mehrheitlich als Fujimori-Wähler. Dazu kommen über 1.500 angefochtene Wahlzettel, die nun von Spezialgerichten überprüft werden müssen. Wenn es sein muss, auch in zweiter Instanz.
Wer immer auch die Wahl hauchdünn für sich entscheiden wird, wird ein Land regieren müssen, das seit Jahrzehnten tief gespalten ist zwischen der pulsierenden Hauptstadt Lima und den Städten an der Pazifikküste einerseits und den indigen und ländlich geprägten Anden andererseits. Keiko Fujimoris Vater Alberto verpasste Peru vor 35 Jahren den Neoliberalismus als Staatsreligion, machte die Straßenverkäufer glauben, sie seien aufstrebende Unternehmer und ihres Glückes Schmied.
Die Menschen auf dem Land, die auf über 3.000 Meter unter beschwerlichen Bedingungen Landwirtschaft betreiben, bekamen Almosen und ab und zu eine Straße und galten als Fortschrittsverhinderer oder sogar Terroristen, wenn sie sich weigerten, ihr Land für eine industrielle Mine herzugeben.
Ein anderes Peru
Dazu kommt ein jahrhundertealter Rassismus und Klassismus zwischen Hauptstadt und Anden, ein Erbe der spanischen Kolonialherren. Er ist in den Köpfen der Menschen bis heute fest verankert und prägt den Alltag und den Stil der peruanischen Politik.
Roberto Sánchez, ganz im Gefolge des inhaftierten Castillo, steht für das andine Peru und für mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Fujimori steht für den Kapitalismus der Küstenstädte. Beide werden in Parlament und Senat die zwei größten Fraktionen anführen, sind für Mehrheiten aber auf Verbündete angewiesen. Beide Kandidaten hatten in der ersten Wahlrunde gemeinsam nicht mal 30 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt.
Im Vorfeld der Wahlen schmiedete vor allem Sánchez Bündnisse mit anderen linken Parteien, die nicht in die Stichwahl gekommen sind und gemäßigter links sind als seine eigene Partei Juntos por el Perú. Damit wollte er diejenigen Wähler gewinnen, die zwar Keiko Fujimori ablehnen, nicht aber ein liberales Wirtschaftsmodell. Keiko Fujimori hingegen hat sich als die Frau für Law and Order gegen die grassierende Kriminalität dargestellt und ansonsten die bekannten Rezepte ihres Vaters Alberto Fujimori verkündet.
Peru hatte in den vergangenen 10 Jahren acht Präsidenten. Die Fraktionen im Parlament, an erster Stelle die Partei, die Keiko Fujimori anführt, agierten in eigenem und kurzfristigem Interesse und setzten Präsidenten nach Belieben ein und ab. Für Politik und Behörden bedeutete dies vor allem Stillstand, während die Korruption, die Kriminalität und illegale Ökonomien weiter um sich griffen. Falls Sánchez gewinnen sollte, wird er wahrscheinlich genauso ausgebremst von Parlament und Senat wie seine Vorgänger. Aber auch eine Präsidentin Keiko Fujimori könnte nicht einfach durchregieren.
Auszählung könnte sich verzögern
Doch noch starrt ganz Peru gebannt auf die Auszählungsplattform der Wahlbehörde, in der jede ausgezählte Stimme eingespeist wird und man im Minutentakt sieht, zu wessen Gunsten sich der Zeiger neigt.
Im schlimmsten Fall werden die Peruanerinnen erst Anfang Juli erfahren, wer ab 28. Juli ihr Land regieren wird. Dann wird die oberste Wahlbehörde alle angefochtenen Wahlzettel beschieden haben und das offizielle Ergebnis bekannt geben.
Bisher wollen sowohl Fujimori wie auch Sánchez das Ergebnis anerkennen.
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