Präsident der Republika Srpska: Geflüchteter Dodik taucht in Moskau auf
Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik wird per Haftbefehl gesucht. Der Freund Putins will den serbischen Landesteil von Bosnien und Herzegowina abspalten.
Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik ist nach eigenen Angaben in Moskau angekommen. Die bosnische Justiz hatte am Donnerstag einen internationalen Haftbefehl gegen den Präsidenten des serbischen Landesteils von Bosnien-Herzegowina ausgestellt. Nach tagelanger Ungewissheit über sein Verbleiben bestätigte er per Video seinen Aufenthalt in der russischen Hauptstadt.
Für die Aufnahme ließ sich Dodik vor dem Grabmal eines unbekannten Soldaten filmen. Er lobte den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „historischen Anführer […] des russischen Volks“. Dodik gab aber an, bisher nicht von seinem „Freund“ empfangen worden zu sein.
Der Autokrat und Nationalist steht unter Verdacht, gegen die Verfassung des Landes verstoßen zu haben, weshalb er vor Gericht vorgeladen wurde. Dodik forderte wiederholt, den serbischen Landesteil vom Rest Bosnien-Herzegowinas abzuspalten.
Er weigerte sich, der Vorladung des Gerichts zu folgen, woraufhin Mitte März die Staatsanwaltschaft seine Verhaftung anordnete. Die bosnische Justiz warf dem Präsidenten der von bosnischen Serben bewohnten Republika Srpska vor, die Grenzkontrollen umgangen zu haben und ins Ausland gereist zu sein. Auch Parlamentspräsident Nenad Stevandić und Regierungschef Radovan Višković werden per Haftbefehl gesucht.
Dodiks Lage verschärft sich
Wie weit die Freundschaft Putins Dodik weiterhelfen kann, ist unklar. Denn Dodik steckt in großen Problemen. Seine Republika Srpska ist pleite und seine Versuche, den serbisch dominierten Teilstaat von Bosnien-Herzegowina abzutrennen, sind bisher kläglich gescheitert. Der Antrag auf einen internationalen Haftbefehl bei Interpol verschärft Dodiks Lage. Interpol wird bald in dieser Sache entscheiden, heißt es in Lyon, dem Sitz der internationalen Behörde.
In Sarajevo hofft man auf eine schnelle Entscheidung auf internationaler Ebene. Spekuliert wird schon darüber, wie und unter welchen Umständen Dodik überhaupt in seinem Land verhaftet werden könnte. Denn die Polizei des serbisch dominierten Teilstaates Republika Srpska, MUP, ist auf Linie gebracht und würde wohl nicht gegen Dodik vorgehen.
Auch die gesamtstaatliche Polizei Sipa steckt in der Zwickmühle, denn Dodik hat angewiesen, dass alle serbischen Mitglieder der Sipa nur seinen Befehlen gehorchen sollen. Zwar gibt es leisen Widerstand gegen diese Anweisung, ob die Sipa jedoch bereit ist, die Verhaftung des serbischen Anführers in Bosnien zu übernehmen, bleibt zweifelhaft. Und auch die europäischen Truppen in Bosnien-Herzegowina, die Eufor, weigern sich, diese Verantwortung zu übernehmen. Denn Dodik hat eine bewaffnete Leibgarde, die jederzeit bereit ist, ihren Chef gewaltsam zu verteidigen.
Da sich Dodik aber derzeit im Ausland aufhält, bleiben mögliche Verhaftungsszenarien reine Spekulation. Für Dienstag ist er in einem weiteren Verfahren wegen Geldwäsche von einem Gericht in Sarajevo vorgeladen. Es geht um die Finanzierung seines Anwesens im Belgrader Prominentenviertel Dedinje.
Serbenführer weist Vorwürfe von sich
Dodik hat sich zudem politisch weitgehend isoliert. Während seines Besuchs in Israel am vergangenen Montag kam es zu diplomatischen Spannungen, da er sogar von der israelischen Regierung als unerwünschte Person betrachtet wurde. Dodik weist die Vorwürfe von sich und inszeniert sich als Opfer internationaler Intrigen.
Auch Dodiks Mentor, der serbische Präsident Alexandar Vučić, kann ihm wohl momentan kaum zur Seite stehen: Seit vergangenem Herbst befindet sich Serbien fest im Griff von Protesten gegen die Regierung. Wie es daher für Dodik weitergeht, bleibt ungewiss.
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