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Politik im neuen SyrienDas Ende der SDF

Die De-facto-Streitkräfte der kurdischen Autonomieregierung in Nordostsyrien sollen in die Armee integriert werden. Was bedeutet das für die Kämpfer*innen?

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Die sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) lösen sich offiziell auf. Am Mittwoch verkündete ihr nun ehemaliger Chef Maslum Abdi, dass sich die kurdischen Kämpfer ins neue syrische Militär eingliedern. Die SDF haben ihre Mission beendet, sagte Abdi auf einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast in Damaskus. Die Gruppe habe die Fusion mit der syrischen Armee vollzogen und sei keine eigenständige Streitkraft mehr.

Die SDF sind ein Bündnis aus verschiedenen bewaffneten Gruppen, das sich 2015 im Krieg in Syrien gebildet hat. Die Einheiten wurden angeführt von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Sie sollten das selbstverwaltete kurdische Autonomiegebiet in Nord- und Ostsyrien verteidigen. Sie wurde unter anderem dafür bekannt, dass Frauen an vorderster Front mitkämpften. Und dafür, im syrischen Bürgerkrieg mit Unterstützung der USA gegen den radikal-islamistischen sogenannten Islamischen Staat (IS) gekämpft zu haben. Die SDF erfuhren lange enge Unterstützung durch die USA.

Die SDF standen allerdings auch in der Kritik: Laut UN-Daten sollen sie von Januar 2014 bis September 2020 über 900 Minderjährige rekrutiert haben. Menschenrechtsorganisationen kritisierten außerdem Folter und willkürliche Tötungen in den Gefängnissen der SDF, unter anderem von Ex-Kämpfern des IS.

Im Dezember 2024 wurde das Regime des syrischen Diktators Baschar al-Assad unter Anführung der Miliz Hajat Tahrir al-Scham gestürzt. Der heute als moderat geltende Ex-Dschihadist Ahmed al-Scharaa übernahm das Präsidentenamt. Washington setzt auf al-Scharaa und seine Regierung. Und unterstützt deren Bemühungen, ganz Syrien unter Regierungskontrolle zu vereinen.

Gemischte Gefühle gegenüber der Regierung

Das verlief nicht ohne Konflikt: In den kurdischen Stadtvierteln Aleppos und in Nordostsyrien führten die kurdisch-angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit den Regierungstruppen, die dem syrischen Innenministerium unterstehen, in diesem Winter heftige Kämpfe. Zehntausende Kur­d*in­nen wurden vertrieben.

Viele Kur­d*in­nen haben Angst vor den neuen Machthabern in Damaskus. Sie blicken mit Sorge auf die islamistische Vergangenheit von al-Scharaa. Die SDF waren für sie ein Sicherheitsgarant.

Zur Angst vor der Regierung trugen auch Kämpfe in der alawitisch dominierten Küstenregion und im vornehmlich drusisch besiedelten Suwaida im vergangenen Jahr bei. Bei den Kämpfen zwischen mit der Regierung verbundenen Bewaffneten und Regierungstruppen gegen lokale Antiregierungskämpfer kamen Tausende um. Darunter waren auch viele Zivilist*innen, vor allem seitens der Alawiten und Drusen.

Abkommen vom 10. März 2025 und dem 18. Januar 2026 beendeten schließlich die heftigen Kämpfe. Die SDF vereinbarten mit der neuen syrischen Regierung, sich in die neue syrische Armee zu integrieren. Ein Dekret des Präsidenten aus diesem Januar sicherte den Kur­d*in­nen sprachliche und kulturelle Rechte sowie Schutz und Staatsbürgerschaft zu.

Laut Maslum Abdi habe Übergangspräsident al-Scharaa zugesagt, dass die Kurden das Recht auf Bildung in ihrer eigenen Sprache erhalten. Offen bleibt allerdings das Schicksal der rein weiblichen Kampfeinheiten der SDF. Ihre Eingliederung gilt als ungewiss. Denn die neue Regierung in Damaskus lehnt Frauen im Kampfeinsatz gemäß ihrem extrem konservativen Weltbild ab.

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