Podcastserie über Klonpferde: Tiere wie Maschinen
In einer Doku erkunden die Autoren die Welt geklonter Polopferde. Es ist ein gruseliger Ausflug in die Hirne Superreicher mit Allmachtsfantasien.
Foto: imagebroker/imago
Irgendwann im Laufe der Recherche stehen die Journalisten Kilian Mazurek und Jonatan Geller-Hartung in Argentinien in einem Stall voller gleicher Klonpferde. Ein Pfleger erklärt: „Das Verhalten ist gleich. Sie reiten sich gleich, sie haben vor denselben Dingen Angst, sie haben den gleichen Charakter. Sie sind alle gleich.“ Die Journalisten finden das gruselig und sind zugleich fasziniert.
Es ist der Stall des argentinischen Polosuperstars Adolfo Cambiaso, jenes Mannes, der das Klonen in den Polosport gebracht hat. 2016 bestritt er erstmals ein Finale auf sechs Klonen seiner legendären Stute Cuartetera – und siegte überlegen. Seither klonen große Poloklubs wie wild. Adolfo Cambiaso hat seine Cuartetera inzwischen ganze 63 Mal geklont. Die Klone, die Nummern statt Namen tragen, stehen auf verschiedenen Kontinenten für ihn bereit, für möglichst große Berechenbarkeit. Wie ein Automodell.
Die sechsteilige Deutschlandfunk-Serie „Unsterblich: Die Klonpferde“ ist kein Investigativformat. Was der Podcast erzählt, ist bekannt, erst recht seit einem viel beachteten Gerichtsstreit 2024 zwischen Cambiaso und seinem Geschäftspartner Alan Meeker. Weder Cambiaso noch die Familie des mittlerweile verstorbenen Meeker wollten mit den Journalisten reden, man ist diskret in diesen Kreisen. Dass „Unsterblich: Die Klonpferde“ trotzdem so gut funktioniert, liegt vor allem an der krassen Geschichte. Wer beschäftigt sich schon mit dem Überreichen-Hobby Polo? Und wie verbreitet Klonpferde im Sport sind, kann durchaus erschrecken.
Klonen mit Gottes Segen
Zum Glück sind die Randfiguren der Szene recht redefreudig. Da ist ein Tierarzt, der für Cambiaso Klone betreut hat und berichtet, viele seien mit gesundheitlichen Defekten geboren, einige „ziemlich verrückt“ gewesen. 88 Prozent der Embryonen sterben. Der Mann ist einer der wenigen, der sich hier moralische Gedanken macht. Den Geist der Szene fasst eher ein beteiligter US-amerikanischer CEO zusammen: „Gott gibt uns die Technik und die Herrschaft über die Tiere. Wenn er es nicht wollte, hätte er uns nicht die Fähigkeit gegeben.“ Der Mensch ist halt ein Herrenwesen.
Nicht umsonst wabern durch die Serie auch Peter Thiel und Sam Altman, mit deren Geld US-Start-ups seit 2025 menschliche Embryos genetisch aufrüsten. Eine argentinische Firma kommt zu Wort, die 2025 mit der Crispr/Cas-Methode, auch Genschere genannt, Polopferde zur Welt brachte, kräftiger und explosiver. Sie will „das Superpferd“ schaffen. Der argentinische Poloverband verbot 2025 deren Einsatz. Klonpferde jedoch sind vom internationalen Reitsportverband FEI seit 2012 erlaubt, weil sie vermeintlich keinen Vorteil bringen.
Man bekommt den Eindruck: Die Dopingspiele Enhanced Games, die 2026 den Übersportler schaffen sollten und floppten, waren kein Ende, sondern der Anfang. Die Moralfrage indes bleibt komplex. Die Autoren problematisieren nicht die Technik per se (längst wollen sich viele Menschen durch Klonen ein geliebtes verstorbenes Tier zurückholen), sondern die Tatsache, dass Klonen und Genmanipulation in den Händen rechter Überreicher liegen. Ja, es ist eine gruselige Serie.
Und der Sport? Diese Frage kommt ein wenig zu kurz. Reitsport an sich wird im Podcast nicht problematisiert. Der kapitalistische Sport begreift Menschen wie Pferde als Ware und Maschine. Für die Gier nach dem Superwesen braucht er nicht erst das Klonen. Die Rekordjagd hat den Sport groß gemacht – und den Umgang mit Protagonist:innen völlig entmenschlicht. Adolfo Cambiasos namenlose 63 Klone sind in diesem System nur folgerichtig. Seine legendäre ursprüngliche Stute Cuartetera hatte wegen ihrer perfekten Reaktionen einen Spitznamen: Maschine.
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