Pläne der EU-Kommission: Mit Strom gegen den Klimawandel
Europa soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden und damit Emissionen reduzieren. Die EU-Kommission sieht dafür Strom als Schlüssel.
Foto: Arnulf Hettrich/imago
Die EU-Kommission will die Elektrifizierung in Europa erheblich vorantreiben. Bislang liegt der Stromanteil am Endenergieverbrauch bei 23 Prozent, im Jahr 2040 soll er bei 46 Prozent liegen. Um das zu erreichen, sollen die Steuern auf Strom künftig nicht mehr höher sein als die Steuern auf fossile Energien.
Heute werden fossile Energien sogar noch subventioniert. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sprach bei der Vorstellung der Pläne am Freitag von 97 Milliarden Euro, die jährlich an öffentlichen Zuschüssen in den fossilen Sektor fließen. In Anbetracht des Klimawandels sei diese Förderung vergleichbar mit einem Arzt, der einem Diabetes-Patienten Zucker verabreiche.
Um den Umstieg auf strombasierte Prozesse in der Industrie und in Gebäuden zu beschleunigen, peilt die EU-Kommission ein Verhältnis vom Strom- zum Gaspreis von maximal 2,5 an. Helfen soll dabei auch eine „robuste CO2-Bepreisung“, wie die Vizepräsidentin der Kommission, Teresa Ribera, sagte: „Der Emissionshandel ist die zentrale Triebkraft auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen.“
Wichtig sei eine Stärkung des Emissionshandelssystems (ETS), auch um dem Vertrauen der Unternehmen, die im Vorgriff auf einen steigenden CO2-Preis bereits investiert haben, gerecht zu werden. Allerdings sehen Kritiker diesen Anspruch mit den ebenfalls am Freitag vorgestellten Plänen der Kommission gerade nicht erfüllt, weil Europa in der Realität das Tempo der CO2-Reduktion sogar reduzieren will: „Wer Milliarden in klimaneutrale Produktion investiert hat, wird im Regen stehen gelassen“, beklagte die Umweltorganisation Germanwatch.
Problem Flugverkehr
Brüssel strebt außerdem an, dass künftig neben den bereits vom ETS erfassten innereuropäischen Flügen auch solche in Drittstaaten in das Handelssystem aufgenommen werden, wenn die Zielorte nicht weiter als 5.000 Kilometer vom Mittelpunkt Europas entfernt sind. Germanwatch wiederum kritisierte, dass damit ein Großteil des internationalen Flugverkehrs „weiter einen Freibrief“ erhalte.
Da im Flugverkehr eine Elektrifizierung keine Option ist, setzt die Kommission hier auf den verstärkten Einsatz von alternativen Kraftstoffen, die als SAF bekannt sind (Sustainable Aviation Fuels). Sie werden entweder aus Biomasse gewonnen oder als synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) unter Einsatz von Strom erzeugt.
Da die verfügbare Menge an Strom durch die fortschreitende Nutzung der erneuerbaren Energien immer mehr schwankt, müsse man ihn verstärkt dann nutzen, wenn er anfällt, sagte Energiekommissar Jørgensen. Um den Stromkunden neben den variierenden Preisen am Spotmarkt der Strombörse weitere Anreize zur zeitlichen Verlagerung von Verbräuchen zu geben, müsse man Flexibilität künftig zusätzlich mit dynamischen Netzentgelten belohnen. Dafür brauche man aber viel mehr intelligente Stromzähler.
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