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China will Maduro zurückPekings Taktik zwischen Öl und Großmachtfantasien

China und Venezuela sind strategische Partner und haben miteinander Ölgeschäfte betrieben. Was bedeuten die jüngsten Weltgeschehnisse nun für Taiwan?

Fester Zusammenhalt zwischen Maduro (l. auf Plakat) und Xi Jinping? Venezuela ist letztlich aber nicht wichtig genug für China Foto: Cristian Hernandez/ap

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums hat die US-Intervention in Venezuela scharf verurteilt. Peking sei „zutiefst schockiert“, hieß es am Samstag laut dem Parteiblatt China Daily. Solche hegemonialen Handlungen der USA verletzten das Völkerrecht und die Souveränität Venezuelas, erklärte der Sprecher. Dies bedrohe Frieden und Sicherheit in Lateinamerika und der Karibik: „China ist strikt dagegen.“ Am Sonntag forderte Peking die USA zur Freilassung von Venezuelas bisherigem Staatschef Nicolás Maduro und seiner Ehefrau auf.

Nur wenige Stunden vor Maduros Gefangennahme durch US-Spezialtruppen hatte ihn der chinesische Lateinamerika-Sondergesandte Qiu Xiaoqi noch mit einer Delegation in dessen Präsidentenpalast in Caracas getroffen. Peking hatte Sorgen, die USA könnten auch chinesische Öltanker beschlagnahmen.

Schon im November hatte China die US-Regierung bezüglich Venezuela vor einer Verletzung der Sicherheit und Souveränität anderer Länder gewarnt. Laut Washington Post sollen Maduro und sein letzter internationaler Gast Qiu auch besprochen haben, wie Peking das Regime unterstützen könne und wie rund 600 bilaterale Verträge vor den USA zu schützen seien.

China ist Venezuelas wichtigster internationaler Partner, umgekehrt ist Venezuela für Peking ein Brückenkopf in Lateinamerika. Dort hat China in den letzten Jahren wirtschaftlich und politisch stark an Einfluss gewonnen, während Washingtons Gewicht rückläufig war. Bereits 2014 vereinbarten China und Venezuela eine „umfassende strategische Partnerschaft“. Als Chinas Machthaber Xi Jinping Maduro im Mai bei Moskaus Weltkriegsfeierlichkeiten traf, sprach er von einer „eisernen Freundschaft“.

Einig in der Ablehnung der US-Hegemonie

Xi und Maduro teilen nicht nur eine ähnliche Weltsicht samt Abneigung gegen US-Hegemoniestreben. Ihre Volkswirtschaften sind auch durch Öl- und andere Handelsinteressen verbunden. Letztere umfassen etwa chinesische Technologieproduktie etwa von Huawai, aber auch Waffen.

Künftig könnten die Handelsbeziehungen zwischen China und Venezuela stark von Washingtons Gnaden abhängen

China kaufte zuletzt etwa 80 Prozent der venezolanischen Ölexporte. Zwar machen die nur etwa vier Prozent der gesamten chinesischen Ölimporte aus, doch vergrößern sie Chinas Unabhängigkeit von anderen Ölquellen. Die chinesischen Kredite werden mit künftigen Öllieferungen abgesichert. Das wirtschaftlich angeschlagene Venezuela steht derzeit etwa mit 60 Milliarden Dollar bei China in der Kreide und hat als Schuldner einen miesen Ruf.

Künftig könnten die Handelsbeziehungen zwischen China und Venezuela stark von Washingtons Gnaden abhängen. Sollte die von Donald Trump verkündete Übernahme der venezolanischen Ölindustrie durch US-Konzerne zum versprochenen Boom in Venezuela führen, könnten ironischerweise davon auch Chinas Banken und die Exportwirtschaft profitieren – zumindest theoretisch.

Laut Trump soll China weiter Öl aus Venezuela bekommen können – über US-Konzerne: „Was andere Länder betrifft, die Öl haben wollen, wir sind im Ölgeschäft und wir werden es ihnen verkaufen. Wir sagen nicht, dass wir es ihnen nicht verkaufen,“ hatte Trump bei seiner Pressekonferenz nach Maduros Gefangennahme erklärt.

Andererseits begründete er die US-Intervention aber auch damit, dass Maduro auswärtigen Feinden der USA zu Einfluss in der Region verholfen hätte. China nannte er dabei aber so wenig beim Namen wie bei der Frage künftiger Ölgeschäfte.

Peking will wegen Venezuela keinen Krieg mit den USA

So sehr Trumps Machtdemonstration im Umgang mit Venezuela China empört, so wenig ist Peking jenseits diplomatischer Schützenhilfe bisher auch nur ansatzweise bereit oder in der Lage, Venezuela vor Ort in irgendeiner Form militärisch beizustehen. Dafür ist Caracas für Peking nicht wichtig genug.

Umgekehrt ist es zu früh, aus Trumps völkerrechtswidrigem Einsatz militärischer Mittel abzulesen, dass dieser China ermuntern könnte, gegenüber Taiwan ähnliche Schritte zu unternehmen. Das mag passieren, doch gehen etwa von der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA befragte China-Experten davon aus, dass Pekings Taiwan-Strategie langfristig ist und sich nicht kurzfristig an Trump orientiert. Mit anderen Worten: Taiwan ist auch ohne Trumps Kanonenbootpolitik nicht vor China sicher.

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