Parlamentswahl in Ungarn: Hauptsache, nicht Orbán
Vor der Wahl steht nicht nur die LGBTQIA+-Community vor einem Dilemma. Die Opposition bietet kaum Vertrauen – bleibt aber die einzige Chance auf Veränderung.
G egen Mitternacht füllt sich die Schwulenbar in der Budapester Innenstadt doch noch so halbwegs. Es ist Dienstag, eine wilde Party wird das heute eher keine mehr. Aber die Stimmung ist gut, aus den Boxen läuft Pop und Rock, unter den Gästen Junge und Ältere, Frauen wie Männer. Zoltán, Mitte dreißig, sitzt mit einem Bier an der Theke. Er kommt regelmäßig hierher, kennt den Barkeeper und einige der anderen Gäste. Auf die Frage, ob er über die bevorstehende ungarische Parlamentswahl sprechen möchte, die vieles verändern könnte, reagiert er offen.
„Ich bin kein Fan irgendeiner Partei“, sagt Zoltán, der als Übersetzer arbeitet und seinen vollen Namen nicht nennen will. Orbáns Politik lehne er ab, den Oppositionsführer Péter Magyar unterstütze er aber auch nicht. Und Zoltán fasst zusammen, was viele in Ungarn empfinden: „Ich glaube nicht, dass es hier gute Entscheidungen gibt. Nur bessere und schlechtere.“
Das Gespräch findet Mitte März statt, wenige Wochen vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April. Es geht um eine Richtungsentscheidung. Erstmals seit Jahren tritt mit Magyars Tisza-Partei jemand an, der Orbáns Fidesz das Wasser reichen könnte. Der Emporkömmling verspricht unabhängige Gerichte, freie Medien und ein Auftauen der derzeit blockierten EU-Gelder. Doch Magyar kommt aus dem Umfeld der Fidesz und steht politisch wie Orbán rechts. Ein liberaler Wandel ist unter ihm unwahrscheinlich.
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Die Wahl nicht nur eine politische Frage
Für die meisten LGBTQI-Personen ist die Wahl nicht nur eine politische Frage – sie ist eine existenzielle. Sechzehn Jahre Orbán haben das Land verändert. Er ließ kritische Medien aufkaufen, zerstörte die Rechtsstaatlichkeit, erklärte das Land für illiberal und fuhr die ungarische Wirtschaft an die Wand – mit Folgen, die das Land noch lange beschäftigen dürften.
Um an der Macht zu bleiben, hat es Orbán immer wieder auf Minderheiten abgesehen. Erst waren es Roma, später Migranten. In den letzten Jahren hetzte Fidesz, jene Partei, die dank ihrer Zweidrittelmehrheit deckungsgleich mit dem ungarischen Staat geworden ist, gegen Schwule und Lesben, Transpersonen und Queere. Brüssel habe sie mit der EU-„Regenbogenideologie“ infiziert.
Es blieb nicht nur bei Anfeindungen. Die ungarische Regierung ließ auch die Gesetze ändern: 2012 schrieb sie fest, dass die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann. 2020 machte sie das Geburtsgeschlecht in allen amtlichen Dokumenten unveränderbar. 2021 stellte sie mit dem sogenannten „Propagandagesetz“ unter Strafe, Minderjährige mit Inhalten über Homosexualität oder Geschlechtsidentität in Berührung zu bringen. 2025 schließlich verbot das Parlament im Eilverfahren die Budapester Pride und ähnliche Veranstaltungen.
Dabei lehnten bereits vor fünf Jahren 73 Prozent der Ungarinnen und Ungarn die Behauptung der Regierung ab, Schwule und Lesben würden Kindern schaden. Das zeigt eine repräsentative Befragung von Amnesty International und der Budapester NGO Hátter Society. Auch der internationale Ipsos Pride Report 2025, für den 26 Länder untersucht wurden, zeigt liberale Einstellungen: Drei Viertel der Menschen in Ungarn befürworten legale Geschlechtsänderungen von Transpersonen. Gleichzeitig befürworten nur 29 Prozent Antidiskriminierungsgesetze für LGBTQI, einer der niedrigsten Werte aller befragten Länder. Sympathie und Solidarität sind offenbar zweierlei.
Bei der ungarischen Parlamentswahl am 12. April treten fünf Parteien auf nationalen Listen an: Péter Magyars Tisza liegt seit Monaten in allen Umfragen deutlich in Führung. Sie entstand als Abspaltung der derzeit mit Zweidrittelmehrheit regierenden Fidesz. Tisza ist ebenso rechtskonservativ, will jedoch Rechtsstaatlichkeit und Medienfreiheit wiederherstellen und das Verhältnis zur EU normalisieren.
Darüber hinaus tritt die rechtsextreme Mi Hazánk an, die es laut Umfragen als einzige der Kleinparteien in die neugewählte Nationalversammlung schaffen könnte. Die demokratische Koalition (DK), eine sozialdemokratische Partei des früheren Premiers Ferenc Gyurcsány, sowie die Partei des Zweischwänzigen Hundes (MKKP), 2014 als linke Satirepartei gegründet, dürften die Fünfprozenthürde hingegen nicht erreichen. In diesem Fall käme es zu einem Parlament mit ausschließlich rechten Parteien.
Ungarns LGBTQI-Community steht für ein progressives Milieu, das in den vergangenen sechzehn Jahren zunehmend unter Druck geraten ist: Akademiker, Kulturschaffende, Alternative und andere Andersdenkende – all jene, die spüren, dass der Staat sie nicht meint, wenn er von der Nation spricht.
Opposition schweigt zu LGBTQI-Themen
Gerade deshalb sorgt die Haltung des Oppositionsführers für Unsicherheit. Während Orbán gezielt gegen bestimmte Gruppen Stellung bezieht, schweigt Magyar zu LGBTQI-Themen vollständig. Weder in Reden noch in seinem 240-seitigen Wahlprogramm finden sie Erwähnung. Zwar zeichnet er das Bild eines Ungarns für alle und wirbt gegen gesellschaftliche Spaltung. Doch ob er die diskriminierende Gesetzgebung zurücknehmen will und ob ihm die Rechte dieser Community tatsächlich ein Anliegen sind, bleibt offen.
Márk Erdei, Koch
Es ist nicht so, als ob nicht auch andere Parteien zur Wahl stünden. Dezidiert für Gleichberechtigung setzen sich die Partei des Zweischwänzigen Hundes, 2014 als Satirepartei gegründet, und die Sozialdemokraten ein. Beide landen in den Umfragen jedoch bei nur je zwei Prozent und damit weit von der Fünfprozenthürde entfernt. Wer für sie stimmt, riskiert, seine Stimme zu vergeuden.
Es ist ein Dilemma: Die einzigen Parteien, die offen für LGBTQI-Rechte eintreten, haben keine realistische Chance; wer auf Systemwechsel hofft, muss für eine Partei stimmen, die über diese Rechte schweigt. Wie also soll man sich als progressiver, linker oder liberaler Mensch am Wahlsonntag verhalten?
Márk Erdei (29) hat es für sich bereits entschieden. Er vertraut Magyar nicht, sagt der schwule Koch. Der neue Oppositionsführer sei egozentrisch und machthungrig, man wisse nicht genau, was er an der Regierung alles machen würde. Dennoch will Erdei für ihn stimmen: „Wenn Orbán gewinnt, ist Ungarn am Arsch. Wenn Magyar übernimmt, haben wir immerhin die kleine Chance, dass es besser wird.“ Das bezieht er auf LGBTQI-Rechte und auf die politische Lage insgesamt.
Bereits im Juni 2025 sprach Erdei mit der taz, als er zum ersten Mal bei der Budapest Pride mitmarschiert ist. Zuvor habe er das nicht als notwendig erachtet, doch als die Regierung kurzerhand die Parade verbieten ließ, platzte ihm der Kragen. Die Pride fand dennoch statt und blieb, anders als von manchen befürchtet, am Ende friedlich. Die Polizei setzte das Verbot nicht durch. Das war auch kaum möglich, denn Hunderttausende Menschen sind auf die Straße gegangen, mehr denn je.
Erdei ist überzeugt, dass Orbán mit dem Verbot der Pride einen Fehler gemacht hat. Lange habe die Regierung die LGBTQI-Community genutzt, um von zahlreichen Korruptionsskandalen abzulenken. Doch diese Strategie sei nicht aufgegangen, sagt Erdei: „Im vergangenen Jahr haben wir gezeigt: Legt euch nicht mit Minderheiten an – sie werden immer für sich einstehen.“
Hoffnung auf Verbesserung
Kritisch sieht Erdei, dass Magyar keine Position zum Verbot der Pride bezogen hat, auch nicht mitmarschiert ist – auch wenn er die strategischen Überlegungen dahinter nachvollziehen kann. Magyar will schließlich Stimmen aus allen Lagern gewinnen. Dennoch haben sich viele in der Community Rückenwind vom neuen Hoffnungsträger erhofft – wurden dann aber enttäuscht.
Eszter Mihály hat das Pride-Verbot von Anfang an begleitet. Als LGBTQI-Rechtsreferentin bei Amnesty International Ungarn leitete sie die Kampagne dagegen. Ihr Urteil fällt klar aus: „Das Pride-Verbot war ein Testballon der Regierung: Können wir damit Hass schüren und das als Wahlkampfthema nutzen?“ Die Antwort, so Mihály: Nein, denn die Regierung ist zu weit gegangen.
Nikoletta Bogádi, Ex-Fidesz-Wählerin
Das Versammlungsgesetz, das im Windschatten des Pride-Verbots verabschiedet worden war, weitete die Gesichtserkennung auf alle Ordnungswidrigkeiten aus, also auch auf die Teilnahme an Protesten jeder Art. Lehrer, Ärzte, Busfahrer, die für bessere Löhne gestreikt hatten: Plötzlich merkten viele, dass dieses Gesetz längst nicht nur gegen LGBTQI gerichtet war. Die Pride wurde zum Symbol eines breiteren Kampfes um Versammlungsfreiheit – und war am Ende die größte Antiregierungs-Demonstration in der Geschichte Ungarns.
Schon einige Jahre davor wandte sich Nikoletta Bogádi (49) von Orbán ab. Sie war jahrelang Fidesz-Wählerin und hatte kein Interesse an queerpolitischen Debatten. Dann outete sich aber ihr ältestes Kind erst als schwul, dann als trans. Das sei nur eine Phase und wachse sich aus, sagte Bogádi zunächst. Als sich nichts änderte, begann sie zu recherchieren. „Wenn man dumm war, muss man nicht so bleiben“, sagt sie heute. „Man muss lernen, nachdenken, empathisch sein.“ Drei Jahre später outete sich ihr zweites Kind als schwul, was für sie kein großes Thema mehr war.
Mittlerweile engagiert sich Bogádi neben ihrem Brotberuf in einem Büro ehrenamtlich für LGBTQIA+-Rechte. Sie gibt Interviews, tritt auf Veranstaltungen auf, schreibt Kommentare in den sozialen Medien. Sie verkörpert ein breiteres progressives Milieu, das Orbáns Politik als Bedrohung erlebt – nicht nur als queere Person, sondern als Bürgerin.
Von seiner Politik ist ihre Familie schließlich direkt betroffen. Ihr trans Sohn, heute 23 Jahre alt, kann seinen Namen nicht legal ändern. Wenn er sich ausweisen muss, etwa auf der Post oder im Bus, hält er einen Ausweis vor, dessen Name und Foto nicht zu ihm passen. Eine fast tägliche Demütigung, gesetzlich verankert. Auch der Vater wollte die neue Geschlechtsidentität zunächst nicht akzeptieren, erzählt Bogádi ebenso wie manche Freunde und Bekannte. Mittlerweile hätten sich die meisten damit aber arrangiert.
Die Familie lebt heute in Budapest. Das ist kein Zufall: Bogádi zog von einer ländlichen Gemeinde im Westen Ungarns hierher, weil die Kinder dort verbale Übergriffe erlebten, in der Schule und im Alltag. „Wir mussten weg“, sagt Bogádi. In der Hauptstadt sei es besser, doch die staatliche Diskriminierung sei auch hier zu spüren. „Wir sind müde. Es wäre schön, in einer normalen Welt zu leben, wo ich nicht jede zweite Person als potenzielle Bedrohung sehen muss.“
Ähnliche Erfahrungen macht Levi (31), selbst trans. Er arbeitet in der Kreativindustrie und engagiert sich ehrenamtlich bei Transvanilla, einer spendenfinanzierten Organisation für die Rechte und Unterstützung von Transpersonen. Obwohl er seit Jahren in hormoneller Behandlung ist, trägt er in seinen Dokumenten noch einen Frauennamen. Bei Kontrollen, etwa im Wahllokal, führt das oft zu irritierten Blicken. Viele Transpersonen fürchten solche Situationen. Deshalb organisiert die Community Begleitungen zur Wahl – das nimmt vielen die Angst.
Mittlerweile verfängt die Anti-LGBTQIA+-Politik nicht mehr so stark. Durch die diskriminierenden Gesetze gehe es keinem einzigen Menschen besser, sagt Levi. Das Narrativ hat sich deshalb verschoben, von „Brüssel macht eure Kinder schwul“ zu „Brüssel schickt eure Kinder in die Ukraine“. Die Feindbilder wechseln, die Logik bleibt dieselbe.
Dass Magyar zu LGBTQIA+ schweigt, ist für viele in der Community kein Zufall, sondern Strategie. Levi versteht das, denn Magyar wolle keine Angriffsflächen bieten und auch ins Fidesz-Lager ausstrahlen. Problematisch findet er diese Strategie trotzdem.
Noch schärfere Worte findet Bogádi. Ob Tisza aus taktischen Gründen schweige oder das Thema schlicht nicht für wichtig halte, laufe für sie auf dasselbe hinaus – Magyar sei nicht zu vertrauen. Nur die kleinen Parteien wagten es, offen über die Situation von LGBTQIA+ zu sprechen. Deshalb sei ihr die Zweischwänzige Hund-Partei am sympathischsten, „echte Liberale“ seien das. Es sei eine große Schande, dass sie kaum eine Chance hätten, ins Parlament einzuziehen. „Es ist nicht leicht, in Ungarn ein linker Mensch zu sein“, sagt Bogádi. „Ich vertrete eine Minderheit der Minderheit.“ Ein hundertprozentiges Rechtsparlament sei jedenfalls alles andere als ihr Wunschtraum, auch wenn derzeit Umfragen zufolge alles darauf hinausläuft.
Einen möglichen Hebel und zugleich einen Hoffnungsschimmer für eine konservative Tisza-Regierung bieten die derzeit blockierten EU-Gelder für Ungarn. Wenn Magyar seine Versprechen ernst meine und die Gelder zurückholen will, müsse er auch beim Thema LGBTQIA+ liefern, sagt Amnesty-Expertin Mihály. Denn eine der Bedingungen dafür sei explizit die Abschaffung des Propagandagesetzes. Das Schweigen könne er sich dann nicht mehr leisten.
Ein Schweigen, das nicht nur die LGBTQIA+-Community betrifft. Fanni Csernus, ebenfalls bei Amnesty Ungarn, hat das Tisza-Programm auf Frauenrechte geprüft und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Tisza spreche zwar Missstände an wie mangelnde Geburtsversorgung, Lohndiskriminierung und fehlenden Zugang zu Menstruationsprodukten. Auch forderte die Partei Vaterschaftsurlaube und eine Gleichbehandlungsstelle. Doch Kernpunkte fehlen laut Csernus: die Ratifizierung der Istanbul-Konvention, ein Straftatbestand für Rachepornografie, umfassende Sexualerziehung. Bei seinen Auftritten spricht Magyar nicht über diese Themen. Csernus steht bereit, ihre Expertise einzubringen, egal welche Regierung danach frage. Nachsatz: „Unter Orbán war das bisher nicht der Fall.“
Dessen Politik ist eine andere: Progressive Organisationen sollen ausgehungert, kritische Stimmen zum Schweigen gebracht werden.
Dorottya Rédai kennt das aus nächster Nähe. Die promovierte Genderwissenschaftlerin leitet die NGO Labrisz, Ungarns älteste Lesbenorganisation, gegründet 1999. 2020 koordinierte sie das Kinderbuch „Meseország mindenkié“ („Märchenland für alle“) mit queeren Figuren für Schulklassen – ein gefundenes Fressen für Orbán und seine Propaganda.
Das Buch wurde zwar zum Bestseller, doch für Labrisz hatte die Aufmerksamkeit Folgen: Schulprogramme sind seither kaum noch möglich, staatliche Förderung bleibt aus. Zudem könnte ein geplantes „Transparenzgesetz“ künftig ausländische Finanzierung weitgehend unterbinden.
Wer ist der nächste Feind?
Rédai sagt, sollte die Fidesz gewinnen und das Gesetz verabschieden, müsse Labrisz grundlegende Entscheidungen über seine Zukunft treffen. Konkrete Pläne gebe es dafür jedoch nicht. Denn genau darin liege das Problem: Das Regime lähme, weil unklar bleibe, worauf man sich vorbereiten müsse. „Sie brauchen immer einen Gegner“, sagt Rédai. Nie zu wissen, ob man selbst als Nächstes zum Feind erklärt wird, sei eine der gravierendsten Folgen dieser Politik.
Auch mit Blick auf Oppositionsführer Magyar bleibt sie zurückhaltend. Zwar enthält das Programm der Tisza-Partei positive, allgemein gehaltene Aussagen – etwa zur Versammlungsfreiheit „für alle“ oder zu einem Land, in dem es keine Rolle spielt, wen man liebt. Doch ob sich daraus konkrete Verbesserungen für LGBTQIA+-Rechte ergeben, bleibt offen.
Dieses Klima der Unberechenbarkeit ist es, das viele zermürbt – und das die Frage des Auswanderns für manche konkret werden lässt. Auch Levi denkt darüber nach, formuliert es jedoch als moralisches Dilemma: Wenn alle LGBTQIA+-Menschen gehen, wer werde dann hier für ihre Rechte kämpfen? Für ihn stellt sich die Frage momentan nicht akut, denn seine Freunde und Familie sind in Ungarn.
Koch Erdei klingt in seiner Entscheidung schon weiter: Wenn Orbán im Amt bleibt, will er nach Frankfurt ziehen, wo er bereits Bekannte hat. Auch Bogádi, die einstige Fidesz-Wählerin, spielt mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen, vielleicht nach Wien. Dort könnte sie ihr LGBTQIA+-Engagement vielleicht zum Hauptberuf machen, was ihr in Ungarn nicht möglich sei.
Zoltán, der Mann an der Theke der Schwulenbar, will jedenfalls im Land bleiben. Im vergleichsweise liberalen Budapest sehe man kaum Homophobie, wie er sagt. Als er einmal während der Pride-Woche mit einem Regenbogen-Armband vor einer Bar saß, kam eine Gruppe vorbei, und einer kehrte zurück mit einer Flasche Pálinka, einem ungarischen Obstbrand: „Willst du einen? Ich hab dein Armband gesehen.“ Vor zehn, fünfzehn Jahren, sagt Zoltán, wäre das noch anders gewesen.
Wählen wird er auf jeden Fall – nur weiß er noch nicht, wen. Orbán wird es jedenfalls nicht sein. Und was die Zukunft bringt? „Wir werden sehen.“
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