Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens: „Söder zeigen, was eine Harke ist“
Auf einer Informationsveranstaltung in Köln wird für die Olympischen Spiele und positives Denken geworben. Kritische Nachfragen gibt es kaum.
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Einen prestigeträchtigeren Ort als die „Champions Hall“ im deutschen Sport- und Olympia-Museum hätte sich der Kölner Stadt-Anzeiger kaum aussuchen können. Am Mittwochabend hatte die Zeitung zu einer Informationsveranstaltung über die Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens eingeladen. Umgeben von Artefakten aus der Olympiageschichte wollten sich die etwa 250 Zuhörer*innen ein Bild von dem Konzept machen, mit dem Köln als Zugpferd das Internationale Olympische Komitee (IOC) überzeugen will.
Die Gäste auf dem Podium brachten jede Menge Olympiaerfahrung und Begeisterung mit: Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Fechterin Britta Heidemann, Goldmedaillengewinnerin der Spiele 2008 in Peking und Niklas Börger, Projektleiter der Olympiabewerbung aus der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei informierten über die Bewerbung von „KölnRheinRuhr“.
Geladen hatte der Stadt-Anzeiger, weil in den kommenden Tagen bei den 817.000 wahlberechtigten Kölner*innen Briefwahlunterlagen eingehen werden. Die Stadt lässt darüber abstimmen, ob sich Köln für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben soll. Dasselbe passiert in den 16 anderen Kommunen der Region Rhein-Ruhr.
Das Ergebnis wird am 19. April feststehen. Der DOSB will im September entscheiden, welche Stadt er ins Rennen schickt. Die Münchnerinnen und Münchner hatten sich im vergangenen Oktober bereits für eine Bewerbung ausgesprochen, Hamburg und Berlin sollen folgen.
„Deutschland wieder dran“
Burmester, seit November 2025 im Amt, wünscht sich eine Kölner Stadtgesellschaft, die nicht auf jede Idee mit einem „Nein, weil…“, sondern mit einem „Ja, wenn…“ antwortet. Denn mit einer pessimistischen Einstellung, so Burmester, könne man Köln in zehn Jahren abschließen.
Britta Heidemann unterstrich, dass Sport in positiver Sicht viel bewegen könne, wofür sie Applaus erntete. Zusammen mit Niklas Börger, der zu Beginn einen Kurzvortrag über das Bewerbungskonzept gehalten hatte, stellte die Runde klar, dass die Olympischen Spiele ein Katalysator für gesellschaftliche, wirtschaftliche und sportliche Entwicklungen in Deutschland sein können. Börger hob hervor, dass aus der Sportwelt bereits zu spüren sei, „dass Deutschland wieder dran“ sei. Das Konzept sei einzigartig, weil es eine kompakte Umsetzung der Spiele ermögliche, auf Nachhaltigkeit setze und die Bevölkerung durch die Ratsbürgerentscheide mit einbinde.
Burmester und Börger präsentierten sich als sachliche Projektmanager. Börger hob den Unterschied zwischen Durchführungskosten, die das IOC trägt, und Investitionskosten des Ausrichters hervor. Insgesamt sei die Einnahmen-Ausgaben-Prognose derzeit positiv – auch, weil die Bundesregierung eine deutsche Olympiabewerbung finanziell unterstützen will.
Um Kritik zuvorzukommen, erklärten Burmester und Heidemann, wie sich das IOC gewandelt habe: Früher hätten sich die Ausrichterstädte an den Spielen ausrichten müssen, mittlerweile habe sich das umgekehrt. Auch die Entscheidungsprozesse seien transparenter geworden.
Der langjährige Sportfunktionär zog immer wieder Beispiele von den Spielen 2024 in Paris heran, weil es dort gelungen sei, „etwas auszulösen“. Neue Schwimmbäder seien gebaut und zusätzliche Sportstunden in Grundschulen geschaffen worden. Gleichwohl müsse auch über Kritikpunkte wie Klimabilanz und soziale Gerechtigkeit gesprochen werden.
Das vorgelegte Konzept könne nichts garantieren, betonte Börger, aber im Groben könnten schon Ideen entwickelt werden, um die Stadtentwicklung, den öffentlichen Personennahverkehr und den Wohnungsbau in Köln und den anderen Ausrichterstädten weiterzuentwickeln.
In Köln ist allerdings die Haushaltslage extrem angespannt. Die Kölner Verkehrsbetriebe vermelden Jahr für Jahr Rekorddefizite. In den kommenden Jahren müssen drei wichtige Rheinbrücken saniert werden. Und nicht zuletzt: Der Zustand der Kölner Sportstätten ist weitgehend desolat. Mehr als 80 Prozent müssten wieder in Schuss gebracht werden.
Burmesters Prestigeprojekt scheint der neue Stadtteil Kreuzfeld im Kölner Norden zu sein, in dem das Leichtathletikstadion und das olympische Dorf ihre Heimat finden sollen. Die geschaffene Infrastruktur soll danach zu Wohn- und Geschäftsräumen umgewandelt werden. Pläne für den Bau dieses Stadtteils gibt es bereits seit Anfang der 1990er Jahre.
Die anvisierten Infrastrukturprojekte für Köln überzeugten nicht alle Zuhörenden, weil katastrophale Kölner Langzeitbaustellen wie die Oper nicht gerade das Gefühl vermitteln, die Millionenstadt am Rhein könnte eine vom olympischen Geist getragene Renaissance durchleben.
Doch kritische Nachfragen und Kommentare kamen im Olympia-Museum kaum auf. Die Runde hätte zudem gut durch andere Perspektiven wie zum Beispiel von NOlympia-Colonia oder Vertreter*innen aus dem Breitensport ergänzt werden können.
Viel Erwartbares wurde erzählt. In seinem Schlusswort konnte Torsten Burmester dann doch noch mit einer besonderen Motivation für die Kölner Bewerbung überraschen. Er sagte, er wolle „Markus Söder zeigen, was eine Harke ist“.
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