Nostalgie der 90er und 2000er : Die Diddl-Maus ist zurück
Die Zeichentrickmaus aus den 90er und 2000ern ist zurück. Wer Diddl-Papier sammelte, gehörte auf dem Schulhof dazu. Nicht alle konnten sich das leisten.
E ine Zeichentrickmaus mit großen Ohren und Füßen. Nicht von Micky Maus ist die Rede, sondern von Diddl – ein kleiner Konsumtrend, der in den 90ern und 2000ern auf deutschen Pausenhöfen darüber entschied, wer mitmachen konnte und wer nur zusah.
Seit Montag spüren viele Millennials Nostalgie, denn die Diddl-Maus feiert ihr Comeback im Einzelhandel mit neuen, exklusiven Produkten. Das Comeback ist wahrscheinlich beides: Geschäftsmodell und Sehnsuchtsort. Die Diddl-Maus verkauft heute nicht nur Blöcke und Plüschtiere, sondern das Gefühl einer vermeintlich unbeschwerten Kindheit.
Auf den Schulhöfen war Diddl damals mehr als nur eine Maus. Die Blöcke mit verschiedenen Diddl-Motiven, Sticker, Tassen und Plüschtiere waren Teil einer eigenen Kinderkultur. Besonders die Duftblöcke, das Papier roch süßlich, waren begehrt: Sie wurden gesammelt, sorgfältig in Folien aufbewahrt und untereinander getauscht. Ein Stück Papier wurde zur sozialen Währung.
Doch Nostalgie ist nicht für alle gleich. Für viele weiße Mittelschichtskinder war Diddl ein selbstverständlicher Teil ihrer Kindheit. Ein Besuch im Schreibwarenladen und der neueste Block gehörten einfach dazu. Für Kinder aus Familien, die jeden Pfennig umdrehen mussten, sah diese Kindheit anders aus.
Eine Frage der Zugehörigkeit
Als Kind von Einwanderern erlebte ich den Diddl-Hype zwar mit, aber nicht auf dieselbe Weise. Bei uns wurde genau gerechnet. Ein Duftblock war kein spontaner Einkauf, sondern etwas, das nicht einfach nebenbei im Einkaufswagen landete. Mein eigener Diddl-Moment fand deshalb oft während des Einkaufens statt: Ich lief zum Regal, nahm einen neuen Duftblock in die Hand, schnupperte daran und stellte ihn wieder zurück, während meine Mutter ihre Besorgungen erledigte.
Irgendwann bekam ich von Mitschülern die ersten Diddl-Blätter geschenkt. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Freundschaft. Ich bewahrte sie sorgfältig in Folien auf, bis mein Ordner langsam voller wurde. Erst dann konnte ich überhaupt anfangen zu tauschen und Teil dieser kleinen Schulhof-Kultur zu werden. Einen eigenen Diddl-Block hatte ich trotzdem nie.
Wie so viele andere Konsumobjekte offenbart das Phänomen Diddl: Auch scheinbar harmlose Kindheitstrends sind nicht frei von sozialen Unterschieden. Konsum war in den 90ern und 2000ern nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch eine Frage der Zugehörigkeit. Wer bestimmte Dinge hatte, konnte leichter dazugehören. Wer sie nicht hatte, lernte früh, von außen zuzusehen. Daran wird sich bis heute nicht viel verändert haben.
Heute könnte ich mir einen Diddl-Block kaufen. Und ich würde es wahrscheinlich sogar tun. Nicht, weil ich ihn brauche, sondern weil ich dem Kind von damals etwas zurückgeben möchte. Doch als ich in den Laden ging, war er bereits ausverkauft.
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