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Neues Militärbündnis in NahostMit dem Mecca Defence Agreement gegen die Regionalkrise

Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei wollen sich künftig in allen Verteidigungslagen beistehen. Die Bedrohung sitzt in Teheran – aber nicht nur.

Die Welt im Nahen Osten ordnet sich neu. Ausgerechnet in der für den Islam heiligen Stadt Mekka haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan ein für die Region völlig neues Sicherheitsabkommen geschlossen: das Mecca Defence Agreement. Damit ergänzen sich drei Mittelmächte: Saudi-Arabien verfügt als größter Ölstaat am Golf über gewaltige Geldreserven, Pakistan als einziges islamisches Land über Atomwaffen und die Türkei stellt die zweitgrößte Nato-Armee und ist bedeutende Rüstungsproduzentin.

Der Pakt ist eine Reaktion auf die eskalierende Regionalkrise seit dem US-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar und den folgenden iranischen Vergeltungsschlägen auf arabische Golfstaaten. Vor allem Riad nimmt zur Kenntnis, dass die USA nicht mehr die Schutzmacht für die arabischen Golfstaaten sind.

Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten sei bereits mehrfach „erschüttert“ worden, sagt Andreas Reinicke, Direktor des Deutschen Orient-Instituts: „Diese Ursprungsidee, die Amerikaner verteidigen den Golf, ist im Grunde genommen ad acta gelegt. Man braucht etwas Neues“, so der frühere EU-Sonderbeauftragte für den Friedensprozess im Nahen Osten.

Der Text des Abkommens ist bisher nicht öffentlich. In einer gemeinsamen Erklärung zu den gegenseitigen Verteidigungsgarantien heißt es, diese seien darauf ausgerichtet, „die kollektive Abschreckung gegen jegliche Aggression zu stärken“. Es werde festgelegt, „dass jeder bewaffnete Angriff gegen einen der drei Staaten als Angriff gegen alle drei Staaten angesehen wird“. Weiter heißt es darin: „Das Abkommen sieht die Stärkung aller Aspekte der Verteidigungszusammenarbeit zwischen den drei Staaten vor.“ Es seien gemeinsame Manöver, Austausch von Geheimdienstinformationen, Kooperation in Rüstungsfragen und andere Punkte geregelt, heißt es in regierungsnahen Medien der drei Unterzeichnerstaaten.

Nach Angaben der beteiligten Länder steht der Beitritt auch anderen Staaten wie Ägypten und Katar offen.

Ein Grund für den Pakt ist wohl die Bedrohung durch Iran

Vor allem Saudi-Arabien will sich gegen Angriffe aus Iran und der von Teheran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen schützen. Beide attackieren derzeit außerdem das Ölexportgeschäftsmodell des Landes: Iran blockiert die Straße von Hormus, die Huthis die Meerenge Bab al-Mandab, die Riad als Alternativroute durch das Rote Meer dienen soll und am Jemen vorbei verläuft. Durch die Straße von Hormus werden normalerweise ein Fünftel der globalen Öl- und ein Viertel der Flüssiggasexporte verschifft.

Teheran kritisierte den neuen Pakt gleich: „Die Saudis sollten wissen, dass ein Abkommen auf dem Papier mit der Türkei und Pakistan ihnen keine Sicherheit bringen wird, genauso wenig wie ihnen jahrelanges einseitiges ‚Ausbeuten‘ durch die Amerikaner Sicherheit gebracht hat“, schrieb Ebrahim Rezaei, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, auf der Plattform X. „Ändert eure Politik, damit ihr nicht bei anderen um Sicherheit betteln müsst.“

Und dann sind da noch Israel und die Emirate

Saudi-Arabien, die Führungsmacht des sechs arabische Golfstaaten umfassenden Gulf Cooperation Councils und wirtschaftlich wichtigstes Land der Region, geht mit dem Abkommen einen anderen Weg als Nachbar Vereinigte Arabische Emirate. Diese hatten in der ersten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump gemeinsam mit weiteren Ländern der Region die sogenannten Abraham Accords geschlossen – ein Kooperationsabkommen mit Israel.

Aus Israel kam bereits scharfe Kritik an dem neuen Dreierpakt: Naftali Bennett, ehemaliger israelischer Premier, sagte, „die Türkei ist der neue Iran, und Ankara versucht, Saudi-Arabien gegen Israel aufzubringen und eine feindselige sunnitische Achse mit dem atomar bewaffneten Pakistan zu bilden“. Solche Äußerungen – und auch der Angriff Israels auf eine Delegation der Hamas in Katar im vergangenen September – tragen dazu bei, dass einige Golfländer Israel als wachsende Bedrohung in der Region wahrnehmen.

Der in Riad ansässige Analyst Masoud Alfak meint, „das vorrangige Ziel besteht darin, die regionale Sicherheit und Stabilität zu fördern, anstatt Konfrontationen zu suchen oder sich an Kriegen zu beteiligen“.

Dennoch dürften zunächst die Spannungen wachsen: Die Emirate hatten die Führungsrolle der Saudis zuletzt immer wieder herausgefordert, etwa im Jemen, wo es im Winter Kämpfe zwischen von Riad und Abu Dhabi unterstützten Fraktionen gab. Und Pakistans Rivale Indien rückte zuletzt den Emiraten und Israel näher.

Die USA beäugen das Abkommen sorgenvoll, vor allem die immer engere Annäherung Saudi-Arabiens und des Atomstaats Pakistan. Denn Washington hatte kürzlich Riad per Vertrag den Bau von Atomkraftwerken zugesagt – will aber wohl verhindern, dass die Saudis Atomwaffen bekommen. Das jedoch hatte Kronprinz Mohammed bin Salman angekündigt, sollte Rivale Iran die Bombe bauen.

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